10.09.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zum „Tag des offenen Denkmals“ alte Handwerkskunst bewundert Schönster Renaissance-Dachstuhl Bayerns

"Was interessiert mich ein alter Dachstuhl?", sagte eine Frau zu ihrem Mann, der zum "Tag des offenen Denkmals" ins Alte Rathaus am Sonntag wollte. Nach der Besichtigung war sie anderer Meinung: "Es hat sich rentiert, super", meinte sie, als sie nach dem Rundgang durch das historische Gebälk über das Gerüst wieder auf dem Boden der Fußgängerzone ankam.

Große Augen. Ingenieur Anton Landgraf (mit Plänen) und Zimmermeister Norbert Hasenfürter (mit blauem Shirt) erläutern die Details der historischen Dachkonstruktion des Alten Rathauses. Bild: Dobmeier
von Autor rdoProfil

Der bundesweite "Tag des offenen Denkmals" stand unter dem Motto "Macht und Pracht". Viele Besucher warfen einen Blick hinter die Fassade des Renaissance-Dachstuhls, der einzigartig in Bayern ist. Das im 16. Jahrhundert erbaute und im 19. Jahrhundert erstmals renovierte Dach stieß auf großes Interesse bei zwei großen Führungen.

Stadtarchivarin Petra Vorsatz erinnerte an die Geschichte des Gebäudes, das Macht und Handel beherbergte. Im Stadtarchiv befinden sich die originalen Bauunterlagen mit Rechnungen aus dem Jahr 1539, in denen genau beschrieben ist, welche Materialien verbaut worden sind. Besonders stolz war Petra Vorsatz darauf, dass sich im Stadtmuseum noch das Baumodell des Dachstuhles aus dieser Zeit befindet.

Viele der älteren Besucher schmunzelten bei der Erwähnung der Sage über Klaus Füsslein, welcher auf dem Dach die Ratsherren belauschte, die den Stadtbrand 1536 besprachen. Als sie ihn entdecken, beschlossen sie, er müsse Weiden verlassen und hilflos den Brand mit ansehen. Dies geschah so, von Parkstein aus sah Füsslein die Stadt brennen. Als er zur Hilfe eilen wollte, kippte seine Kutsche in der Mooslohe um und er konnte nicht helfen. Musikalisch umrahmten den Vortrag Astrid Karl am Klavier und Thomas Käs auf der Violine.

Bei der Sanierung versucht man, die Schäden zu beseitigen und mit den Neuerungen dicht am Original zu bleiben, 90 Prozent seien schadensfrei. Schließlich sei es "hohe Zimmermannskunst", was da erbaut worden ist. Beim Dachstuhl handelt es sich um 4000 Kubikmeter umbauten Raum, der mit 40000 Ziegeln bedeckt wird. Dies entspricht einem Gewicht von 83 Tonnen, das auf dem 13 Meter hohen und acht Meter breiten Dach liegt. Das Rathaus selbst entspricht 9000 Kubikmeter umbauter Raum. Die Besucher staunten nicht schlecht angesichts der Dimensionen.

Wer die knarrende Treppe zum Dachstuhl erklomm, sah vor allem mächtige gehauene Balken. Die gekreuzten Streben seien nötig gewesen, weil der große Dachstuhl das gesamte Rathaus mit freitragendem großen Saal überspannte, erklärt Ingenieur Anton Landgraf. Es handelt sich um das schönste Renaissance Dach, das er kenne. Zimmerermeister Norbert Hasenfürter von der Firma Schedl aus Bernstein bei Windischeschenbach erläuterte, dass Bauschutt vergangener Jahrhunderte die Feuchtigkeit an den aufgesetzten Dachstuhlsparren Fäulnis erzeugt hatte. Bestaunt wurde die Baumstammtreppe zum vorletzten Geschoss der vier ehemaligen Getreideböden, Original aus 1539.

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