05.04.2018 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Zwei Seiten einer Medaille: "Sentementol" und "Depressive Metzger" im "Neuen Linda" Wehmutsvoll und wild

Was als Konzert mit zwei Bands angekündigt ist, entpuppt sich als zwei Variationen derselben Sache. Eine Überraschung ist das nicht. Schließlich treten Alfons Bauer und Michael Bezold schon seit vielen Jahren als "Sentementol", aber auch als deren kummervolle Alter Egos "Die depressiven Metzger" auf.

Michael Bezold und Alfons Bauer (von links) fungieren als ihre eigene Vorgruppe als "Die depressiven Metzger", ehe sie im neuen Gewand unter dem Namen "Sentementol" auf die Bühne zurückkehren. Bild: Höllerer
von Autor HLLProfil

Im "Neuen Linda" in der Ledererstraße folgen die "Metzger" musikalisch dem Sentementolschen Leitmotiv und präsentieren Seefahrerlied, Schlager-Monotonie oder Kinderreim, verpackt in einem eigentümlichen Goth-Pop-Gewand und interpretiert allein von Stimme und Keyboard. Bei den "Depressiven Metzgern" ist der Name Programm. Ihre Songs drehen sich um wehmutsvolle Themen. Beim Zuhören fühlt man sich wie in einem trostlosen und vor allem unterkühlten Schlachthaus.

Unterkühlt deshalb, weil leidgeprägte Titel wie "Lieber tot als dieses Leben" jegliche Leidenschaft eines von der Romantik geprägten Dichters, den man dahinter vermuten könnte, entbehren. Die Interpretation schmerzreicher Texte wirkt vielmehr resigniert, fast gleichgültig oder gar ironisch. Postmodern wahrscheinlich also, bedenkt man die oft verwendete Atonalität in der Musik des Weidener Duos. Aus dieser Lethargie brechen Bauer und Bezold abrupt aus, als zwischen den beiden ein fingierter Streit entbrennt, der im Zünden eines Knallfroschs mitten in der Kneipe gipfelt.

Ein Signal, welches wohl bedeutet, dass es nach einem Kostümwechsel und unter dem Namen "Sentementol" energiegeladener zugeht. Auch scheinen die beiden wilder, exzentrischer, sofern das noch möglich ist. Diese gesteigerte Kapriziosität führt auch zu den stärksten Momenten der Gruppe, etwa wenn sich Alfons Bauer der Performance-Kunst nähert und nur noch in Tierlauten singt. Alles in allem eine willkommene Schau des unberechenbar Ungewöhnlichen - wobei, knapp 90 Minuten mit diesem akustisch strapazierenden Doppelpack stellt eine Geduldsprobe dar. Vielleicht wäre etwas weniger doch mehr gewesen.

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