03.05.2018 - 17:24 Uhr
Oberpfalz

Zweiter Verhandlungstag vor Großer Strafkammer: Opfer schildern Banküberfall "Er hielt mir eine Waffe vors Gesicht"

Pavel S. wird im Februar 2015 aus dem Gefängnis entlassen. Nur zwei Monate später wird der heute 37-Jährige wieder straffällig, überfällt mit Komplizen mehrere Banken, darunter die Sparkasse in Tännesberg. Auf die Spur der Täter kommen die Ermittler durch einen glücklichen Zufall.

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa
von Julia Hammer Kontakt Profil

Weiden/Tännesberg. Pavel S. ist geständig. "Das war er auch, als wir ihn am 17. August 2017 das erste Mal verhört haben", erinnert sich der Polizist und Hauptsachbearbeiter im Fall "Raubüberfall Tännesberg" beim zweiten Verhandlungstag am Landgericht Weiden. "Er hat auch Angaben zu anderen Straftaten gemacht, unter anderem zu einem Überfall in Großenhain und einen in Kolkwitz."

An der Seite von Pavel S. sitzt seine Dolmetscherin. Einen Tag zuvor hatte der Angeklagte auch vor den Richtern Markus Fillinger und Gerhard Heindl die Überfälle gestanden, detailliert geschildert, wie er mit seinen Komplizen vorgegangen ist. "Die Täter sind in den frühen Morgenstunden am 4. September 2015 aus Tschechien in die Oberpfalz gereist, haben in einem Waldstück nahe Tännesberg gewartet, bis die Filiale öffnet", schildert der Beamte die Ermittlungsergebnisse. Gegen 9.05 Uhr stürmen sie die Bank, bedrohen zwei Angestellte und eine Kundin mit einer Gaspistole und einer scharfen Waffe und flüchten mit 7200 Euro.

Beamte beweisen "richtigen Riecher"

Die Täter steigen ins Fluchtfahrzeug - einem in Tschechien gemieteten Skoda Octavia - und fahren durch die Kirchhofgasse in Richtung Tännesberger Wald. "Wir haben sofort eine Fahndung eingeleitet, Kollegen aus Vohenstrauß und der Spurensicherung sind zum Tatort gekommen." Die Vohenstraußer Beamten beweisen einen "richtigen Riecher". "Sie fuhren den Fluchtweg ab und entdeckten in einem Waldstück Kleidungsstücke, das gestohlene Schwandorfer Kennzeichen. Und schließlich die Waffen."

Von den Tätern fehlt jede Spur. "Heute wissen wir, dass sie noch einige Kilometer zusammen gefahren sind, dann haben sie sich getrennt." Der Fahrer steuert den Wagen über Waidhaus nach Tschechien, Pavel S. und sein Komplize Oldrich Z. laufen zu Fuß Richtung Grenze. Drei Stunden später nehmen die Täter wieder Kontakt zueinander auf, der Fahrer sammelt die beiden wieder ein, bringt sie nach Tschechien.

"Zwei Wochen hatten wir keine heiße Spur." Dann bringen ausgewertete Handydaten die Wende. Schon vorher ermittelten die Beamten in Richtung Tschechien. "Die Kleidung, die wir im Wald gefunden haben, war in Tüten mit tschechischem Aufdruck gewickelt." Ein Diplom-Mathematiker stellt fest, dass sich eine Mobilfunknummer in der Nähe von Tännesberg zwei Mal in eine Funkzelle eingewählt hat - am 1. September, dem Tag, an dem die Täter ihren ersten Überfall-Versuch abbrechen mussten, und am 4. September 2015. Die SIM-Karte befindet sich in einem Mietwagen. Dem Auto, das die Täter gemietet hatten. Den Vertrag unterzeichnete Fluchtfahrer Jakub T..

Kaliber 7,65 Millimeter mit sieben Schuss

Das Auto ist zudem mit einem GPS-System ausgestattet, wodurch es gelingt, ein Bewegungsprofil zu erstellen und zu beweisen, dass der Wagen zu den Tatzeiten in Tännesberg war. "Auffällig ist, dass die Privathandys der Täter nicht in den Funkzellen eingeloggt waren. Sie haben gewusst, wie sie das verhindern können." Mit der SIM-Karte in ihrem Auto haben sie nicht gerechnet. Pavel S. wird am 22. September 2015 in Tschechien festgenommen. Der Beamte schildert, woher der Angeklagte und seine Komplizen die Waffen hatten. "Die Scharfe, eine Kaliber 7,65 Millimeter mit sieben Schuss, hat der Fahrer von einem Unbekannten besorgt. Die Gaspistole ist vom Bruder des Fluchtfahrer."

Im Zeugenstand stehen auch vier Frauen. Sie erlebten den versuchten Raubüberfall auf eine Sparkasse in Großenhain in Sachsen mit, "eine Situation, in der ich gedacht habe, mich will jemand veralbern", erzählt eine Bankkauffrau. Zur Tatzeit Mitte Juni 2015 war sie alleine in der Filiale. "Ich erinnere mich, dass die Tür aufgeschmissen wurde. Ein bewaffneter vermummter Mann stand vor mir, wollte Geld. In der Filiale haben wir kein Geld. Er hat die Waffe auf mich gerichtet." Dann flieht er ohne Beute.

Auch die weiteren Zeuginnen, drei Frisörinnen, erleben den Überfall. Während Pavel S. in die Bank stürmt, betritt sein Komplize den angrenzenden Frisörsalon. "Er hat mir die Waffe vor mein Gesicht gehalten", erinnert sich eine Angestellte. "Ich war sehr betroffen", schildert eine weitere Zeugin. Sie war damals schwanger. Pavel S. entschuldigt sich bei ihr. "Es tut mir leid, Sie in so eine Stresssituation gebracht zu haben."

Da die Täter ohne Beute fliehen, fassen sie den Plan, nur wenige Tage später eine weitere Bank zu überfallen - in Kolkwitz. Wieder stürmen sie die Filiale maskiert und bewaffnet - und verlassen sie mit 20 000 Euro und 2000 australischen Dollar. Nicht einmal zwei Monate später rauben sie die Sparkasse in Tännesberg aus. Die Verhandlung wird am Dienstag, 8. Mai, um 9 Uhr fortgesetzt.

Es tut mir sehr leid, Sie während Ihrer Schwangerschaft in so eine Stresssituation gebracht zu haben.Angeklagter Pavel S.
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