29.03.2018 - 16:58 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Zwischen App-Test und Selbstversuch: Sparen mit "Money Control" Fasten für den grünen Balken

Alle Finanzen unter Kontrolle? Bis vor Kurzem lautete meine ehrliche Antwort darauf: Jein. Deshalb wage ich einen Selbstversuch.

von Maria Oberleitner Kontakt Profil

„Money Control“ heißt die App, die mir 40 Tage lang dabei geholfen hat, meine Finanzen im Blick zu behalten. Nun fällt mir ein Stein vom Herzen – endlich Ostern. Ein Rückblick:

16. Februar

Nach jedem Einkauf zücke ich mein Handy und tippe die Summe vom Kassenzettel ab, bevor ich ihn wegwerfe. Sogar ein Foto vom Zettel kann ich anheften. Vor drei Tagen habe ich die kostenlose App „Money Control“ installiert. Es gibt sie für Android und Apple-Geräte. In der Version für Android sind 20 Ausgaben-Buchungen kostenfrei, ebenso fünf Fixkosten-Positionen. Ich kann jeder Ausgabe eine Kategorie zuteilen: Reisen, Lebensmittel, Geschenke, Bücher, Tanken, Kleidung oder Musik. Meine Fixkosten unterteilen sich in Miete, Handyvertrag, Berufsunfähigkeitsversicherung, Zeitungsabo und Musik-Streamingdienst. Zusammengerechnet beläuft sich das auf fast 350 Euro. Im Vergleich zur App sieht mein analoges, kleines graues Haushaltsbüchlein alt aus. Da muss ich die monatlichen Fixkosten selbst vom Gehalt abziehen, mich jeden Abend an alle Ausgaben des Tages erinnern, sie aufschreiben und verrechnen.

19. Februar

Die Bedienung der App ist übersichtlich und einfach, ohne Schick-Schnack. In der Übersicht sehe ich anhand eines grünen (beziehungsweise roten) Balkens, wie viel Geld ich in diesem Monat noch ausgeben kann – nach Abzug meiner Fixkosten und der bisherigen Buchungen. Schon nach ein paar Tagen habe ich Feuer gefangen. Mein Ehrgeiz ist geweckt, der grüne Balken befriedigt mein Belohnungszentrum und spornt mich an, zusätzlich zur finanziellen Ordnung ein bisschen Fülle in meinen Geldbeutel zu bringen. Weil Kleingeld für die Reisekasse nie schadet, versuche ich, ein Budget von 50 Euro pro Woche einzuhalten.

21. Februar

Ich merke, wie ich alle Einkäufe noch im Einkaufskorb scanne und nach Wichtigkeit sortiere. Ab und zu mache ich Abstriche, greife zu billigen Taschentüchern, verzichte auf die teuere Tafel Schokolade und statt Granatapfel, Mango und Physalis wandern Äpfel und Bananen in den Einkaufskorb. Auch Cashew-Nüsse sind vorerst vom Speiseplan verbannt. Und weil das Stadtbummeln auf der Suche nach Essen meinen Übersichts-Balken auf Dauer in den roten Bereich treibt, schmiere ich mir morgens Brote für die Mittagspause.

23. Februar

Spätestens mit dem Kauf einer Karte für einen Auftritt von John Cleese in Wien (93 Euro) ist mein Wochenbudget hinfällig. Mein Sparsystem ist also verbesserungsfähig. Aber ich kann mir diesen Luxus gerade leisten. Denn auf meiner Kontenseite in der App habe ich einen Überblick über alle Konten – Sparkonten zählt die App nicht zum Budget, was sinnvoll ist. Dieses Geld soll schließlich gespart werden. Nach mehr als einer Woche mit rund zwei Ausgaben pro Tag stößt die kostenlose App-Version allerdings an ihre Grenzen. Die Vollversion kostet 4,99 Euro – weil ich gerade aber jeden Cent umdrehe, steige ich tagsüber auf mein analoges Haushaltsbuch um. Ich lösche alte Buchungen, verrechne sie miteinander und schaffe so Platz für neue Ausgaben. Einfacher macht es das nicht.

28. Februar

Weil die App seit zwei Wochen jeden Cent kennt, den ich verdiene oder ausgebe, schütze ich sie mit einer Pin-Nummer. Auch der Hersteller beteuert die Sicherheit meiner Daten. Einkommen und Ausgaben würden nur lokal auf dem Smartphone gespeichert. „Die laufenden Kosten für Server, Wartung, Datentransfers und so weiter decken wir durch die Monatspakete für die WebApp. Werbung sowie Auswertung und Verkauf der persönlichen Daten gibt es bei uns ganz entschieden nicht“, heißt es auf Anfrage. Die Betreiber möchten ihr Geld mit der WebApp verdienen, nicht mit Nutzerdaten. „Unsere Datenschutzbestimmungen schließen ganz klar jede Nutzung durch uns oder durch Dritte aus“, schreibt Stefan Dörhöfer von Priotecs IT. Die Server stünden in Deutschland und Europa.

7. März

Ich habe nach vier Wochen keine Lust mehr, nach jedem Einkauf die Summe vom Kassenzettel in mein Telefon zu tippen. Die kleine Liebschaft zwischen mir und der App hat keine Zukunft. Egal, wie viele Vorteile mir „Money Control“ bieten mag.

14. März

Nach einer Woche Abstinenz von der App steige ich komplett auf mein kleines, graues Notizbüchlein um. Das hat zwar keinen beruhigenden grünen Balken, hilft mir aber trotzdem, den Überblick zu behalten.

31. März

Es ist ein gutes Gefühl, genau zu wissen, wie viel Geld noch für welche Ausgaben fällig sein wird und welche Summe aufs Sparkonto kann. Trotzdem gibt es Momente, in denen man weder seine Finanzen im Blick haben muss, noch über Geld nachdenken will. Die App ist inzwischen von meinem Handy verschwunden. Aber ich bin um eine Erfahrung (und ein wenig Erspartes) reicher.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp