Zwölf Borkenkäferbefallsherde bei Flugsichtung im Landkreis Neustadt entdeckt
Der Feind heißt Kupferstecher

Sieht aus wie Kunst, sind aber die Spuren des Borkenkäfers. Der bohrt sich durch die Rinde der Bäume und legt dort Brutgänge für seine Nachkommen an. Archivbild: dpa
 
Die braunen Baumkronen sind von der Luft aus gut erkennbar. Eindeutiges Zeichen für einen vom Borkenkäfer angegriffenen Baum. Bild: exb

Borkenkäfer gegen Baum. Ein ungleiches Duell, das meist der Käfer gewinnt. Ganz so dramatisch wie die Lage in Niederbayern ist es im Landkreis nicht. Das zeigt eine erstmals durchgeführte Flugsichtung. Aber: Wenn es weiter warm bleibt, droht neue Gefahr.

Weiden/Pressath. Es ist das Todesurteil. Befällt der Borkenkäfer einen Baum, stirbt der ab. Er trocknet aus. "Wie, wenn man einem Menschen die Adern rausreißt", sagt Forstdirektor Moritz Neumann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Mit Luftbeobachter Sebastian Höllerer ging es in die Luft. Zum Borkenkäfer-Sichten. Herausfinden, welche Waldgebiete befallen sind. Wo sind einzelne Nester? Wie groß ist der Befall?

Die aktuelle Situation wird als gefährlich eingeschätzt. Auch im Landkreis Neustadt. Deswegen setzten sich Neumann und Höllerer in ein kleines Flugzeug in Latsch und überflogen den östlichen Landkreis, wo hauptsächlich Fichten stehen. Und die sind das Lieblingsziel der Käfer. "Eine Präventionsmaßnahme", sagt der Forstdirektor. Ziel ist, Zeit und Geld zu sparen. Die klassische Suche nach vom Borkenkäfer angegriffenen Bäumen ist mühsam, zeitaufwendig - und nicht flächendeckend. "Der Revierleiter geht in den Wald von Baum zu Baum und schaut nach Borkenkäfernestern."

Service für Waldbesitzer

Mit der Flugsichtung soll das künftig einfacher und schneller klappen. Siegfried Kiener, AELF-Leiter in Weiden, sieht die Methode als neues, gutes Hilfsmittel, Befallsherde zu finden. Und als Service für Waldbesitzer und Staatsforsten. "Es ist aber auch unsere hoheitliche Aufgabe." Die Borkenkäfer, vor allem Buchdrucker und Kupferstecher, müssen überwacht und bekämpft werden. Anordnung der Oberpfälzer Regierung.

Im Forstamt in Pressath stellen Neumann, Kiener und Gerhard Hösl, stellvertretender Leiter am Weidener AELF, die Ergebnisse vor. Positiv sei der Test verlaufen, findet Forstdirektor Neumann. "Die Befallsherde waren deutlich erkennbar." Entscheidend war, dass die gefundenen Nester fast punktgenau lokalisiert wurden. "Wir haben am nächsten Tag nachgeschaut, ob die Stellen auch dort sind, wo wir sie verortet haben." 50 bis 150 Meter weichen die Punkte ab. "Ein Bereich, in dem man die Herde ohne Probleme findet."

Zwölf solcher Befallsherde hat Neumann im abgeflogenen, 25 000 Hektar großen Gebiet ausfindig gemacht. Eine Konzentration auf einen bestimmten Wald sei nicht festgestellt worden. "Keine Klumpung, sondern gleichmäßig verteilt." Bei Windischeschenbach, Weiden, Vohenstrauß und Eslarn seien Nester gefunden worden. Meistens waren es drei, vier braune Bäume, die aus der grünen Masse hervorstachen. Nur in der Nähe von Vohenstrauß hat der Forstdirektor über zehn befallene Baumkronen auf einmal entdeckt.

Dritte Generation droht

"Bei uns hält sich alles noch im Rahmen", erklärt Gehard Hösl. Und verweist auf die Lage in Niederbayern. Da seien tausende Festmeter befallen. "Das ist mittlerweile eine Katastrophe." Entwarnung könne man deswegen aber nicht geben. "Wir müssen immer auf der Hut sein." Vor allem, wenn es weiter so warm bleibt. Dann fliegt der Käfer weiter, die dritte Generation sei schon im Anmarsch. "Das Vermehrungspotenzial ist gigantisch."

Waldbesitzer-PflichtenHat Forstdirektor Moritz Neumann einen Befallsherd entdeckt, wird die Stelle an den zuständigen Revierleiter weitergegeben. Der macht den Waldbesitzer aus, berät ihn und erinnert an seine Bekämpfungspflicht. Der Besitzer muss die befallenen Bäume umgehend entfernen. Macht er das nicht, macht's die Forstbehörde - auf Kosten des Waldbesitzers. Gerhard Hösl, Bereichsleiter Forsten am AELF, sagt: "Unsere Flugsichtung entbindet die Waldbesitzer in keinster Weise, ihre Bestände monatlich, in einer kritischen Phase wie zurzeit alle zwei Wochen, zu kontrollieren. Sie sind dazu verpflichtet." Wenn das einer nicht schafft, könne er sich an die Forstlichen Zusammenschlüsse wenden. "Da wird geholfen." (jut)
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