17.12.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

24-Stundenüberwachung für Übergewichtige

Die Telemedizin eröffnet viele neue Wege der Diagnose und Therapie. Derzeit ist im medizinischen Bereich das meiste noch in Erprobung. Beim Sporttraining findet Digitalisierung aber längst statt.

Professorin Petra Friedrich leitet an der Hochschule in Kempten ein Test- und Trainingszentrum für Telemedizin. Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

Beim Kaminabend der OTH in Weiden stand wieder einmal ein Zukunftsthema der Medizin auf dem Programm. Professorin Petra Friedrich von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kempten sprach über Möglichkeiten und Grenzen der Telemedizin. OTH-Dekan Professor Clemens Bulitta erklärte eingangs, "dass die Digitalisierung immer mehr ortsunabhängige und komplexe Diagnose- und Therapieverfahren ermöglicht".

Was abstrakt und theoretisch klingt, erläuterte die Expertin anhand einfacher Beispiele: Ein extrem übergewichtiger Patient sitzt im Wohnzimmer auf dem Heimtrainer, hat einen Bildschirm vor sich mit einem virtuellen Trainingspartner und ist über eine App seines Handys mit seinem Therapeuten verbunden. Die Bewegungs- und Körperdaten des Patienten werden laufend übermittelt. Der Therapeut erfährt alle wichtigen medizinischen Informationen, kann einschreiten oder Trainingsanreize setzen.

Telemedizinische Überwachung kann bei zahlreichen Krankheiten angewandt werden. Die Professorin zählt unter anderem Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Atemwegserkrankungen oder auch Atemstörungen im Schlaf auf. Die Rehabilitation, insbesondere in einer späteren Phase, sowie auch die Unterstützung alter Menschen in ihrer häuslichen Umgebung stehen ebenfalls auf der Anwendungsliste.

Als "mobile Diagnose- und Therapieplattform für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben" beschreiben die Entwickler solche Systeme. Patienten und Ärzte können dabei auf die Daten zugreifen und Konsequenzen ableiten. Beim Patienten soll ein "Selbstregulationseffekt" entstehen, erläutert die Professorin. Bereits entwickelt sind vernetzte Messgeräte für Schlafüberwachung, Blutdruck, Blutzucker, Puls, Lungenfunktion oder Hauttemperatur.

Mit einer "intelligenten Zahnschiene" kann das Zähneknirschen gemessen, beobachtet und eine individuelle Behandlungsmethode entwickelt werden. Für asthmakranke Kinder ist ein spielerisches Atemtraining (Spirometrie) entwickelt worden. Sensoren am Armband können die aufgenommenen Kalorien messen, aufzeichnen und weitermelden. Das "Fetaphon" prüft den Herzschlag des Fötus. Allerdings koste ein "Heim-Ultraschallgerät" noch 7000 Euro. Intelligente Toiletten liefern Messwerte über die "Abwässer". Im Fitnessbereich kommen digitale Messgeräte längst zum Einsatz, allerdings ohne Vernetzung mit dem Therapeuten.

Als wichtigen Grundsatz bei der Entwicklung und Anwendung der Telemedizin forderte die Referentin: "Die Technik muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt." Dass alle erhobenen Daten in der Datenbank gespeichert werden könnten, wurde ebenfalls angesprochen und dabei an das Thema Datenschutz erinnert. Übermittelt würden immer nur Messwerte und keine Personaldaten, hieß es.

Gebremst werde die medizinische Anwendung telemedizinischer Systeme dadurch, weil viele der von den Ärzten erbrachten Leistungen "derzeit nicht abrechenbar sind", stellte Professorin Friedrich fest. In Meinungsumfragen hätte sich in den Erprobungstests allerdings eine hohe Akzeptanz bei den Patienten ergeben. Besonders hoch wurden die Vorteile in den Kategorien "Eigenmotivation, Selbstkontrolle und Eigenverantwortung" bewertet. Ängste auf Therapeutenseite, wie "die Patienten kommen nicht mehr", hätten sich nicht bestätigt. Angemerkt

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.