18.12.2017 - 14:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Aktualisiert: Keine weihnachtliche Frohbotschaft ATU baut bis zu 300 Jobs in der Verwaltung ab

Dieser Einschnitt hatte sich bereits im September angekündigt: Die Werkstattkette ATU (Auto-Teile-Unger) speckt die zentrale Verwaltung um etwa ein Drittel der Arbeitsplätze ab.

Die ATU-Zentrale in Weiden. Bild: Schönberger
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Bis zum Jahr 2020 ist der Abbau von bis zu 300 Vollzeitstellen in der Zentralverwaltung Weiden und in den fünf deutschen Regionalzentren geplant. Dies bestätigte ein Unternehmenssprecher.

Die Maßnahme soll 15 Millionen Euro einsparen und "in hohem Maß" durch "natürliche Fluktuation" umgesetzt werden.  Während ATU den sogenannten kaufmännischen "Overhead"-Bereich radikal verschlankt, soll gleichzeitig das Personal in den Filialen vor Ort mit der Neueinstellung von (wertschöpfenden) Mechanikern und Mechatronikern "spürbar" verstärkt werden. Zudem investiert ATU nach eigenen Angaben eine zweistellige Millionensumme unter anderem in die Digitalisierung der Arbeitsprozesse.

Am Montag erfolgte eine schriftliche Information an alle Beschäftigten über das Projekt „Move“. Am Dienstag ist eine Betriebsversammlung anberaumt. Ab Januar sind „intensive Gespräche“ mit Betriebsrat und Gewerkschaft geplant.

ATU sieht sich gewaltigem Veränderungsdruck ausgesetzt, der auch deshalb so dringlich ist, weil in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen unterblieben. Der Investitionsstau gerade in die IT brennt unter den Nägeln. Mit der Übernahme durch den französischen Familienkonzern Mobivia Ende 2016 weht ein neuer Wind. Eine satte Millionensumme – in zweistelliger Größenordnung – fließt u. a. in die Digitalisierung der Zentrale sowie in die Beschleunigung von Arbeitsprozessen zwischen der Zentrale und den Filialen. Vor allem im bisher vernachlässigten „Online-Umfeld“ stehen praktische Erleichterungen für die Kunden bei der Auftragsannahme und -vergabe in den Filialen an: deutliche Signale für ein Mehr an Effizienz.

Winter hilft ATU Wie ein Unternehmenssprecher versichert, stehe der Abbau der Zentralverwaltung in keinem Zusammenhang mit der neuen Eigentümer-Struktur, sondern sei eine (überfällige) unternehmerische Entscheidung.
Mit dem Umsatz von ATU war es von einst mehr als 1,4 Milliarden Euro auf zuletzt weniger als eine Milliarde Euro im Lauf der Jahre steil bergab gegangen. Im jüngsten Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2017 abschloss, erzielte die Werkstattkette einen leichten Zuwachs von 0,7 Prozent und bewegt sich damit wieder knapp unter der Milliarden-Schwelle. Auch der Wintereinbruch im Dezember beflügelt das operative Geschäft. Unterm Strich soll die Zahl von derzeit rund 10 000 Mitarbeitern in den nächsten Jahren etwas wachsen.
Wie CEO Jörn Werner Ende April im Exklusivinterview bestätigte, läuft in den zwei Aachener ATU-Filialen ein Test mit dem kompletten Sortiment von Mobivia-Tochter Norauto. Auch will ATU die Produktpalette erweitern, etwa um E-Bikes (Eigenmarken Norauto) und Reifen-Marken. Mit dem Einstieg von Mobivia entstand das größte Kfz-Service-Unternehmen Europas mit fast 2000 Werkstätten, 20 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro.

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