22.11.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Anlage-Experte rät zu fondsgebundenem Sparen Sicherer als das Sparbuch

Manche Experten erklärten sie schon verfrüht für tot: die Lebensversicherung. Für diese Anlageform bricht Ralf-Joachim Götz eine Lanze. "Sie bringt immer noch Rendite", sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG).

"Wir kümmern uns um alle finanziellen Anliegen der Menschen", sagt Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung. Bild: exb
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Weiden/Amberg. Die DVAG betreut ein Vertragsvolumen von knapp 190 Milliarden Euro (2016). In der Region zählt die Gesellschaft rund 120 hauptberufliche Vermögensberater und etwa 50 000 Kunden. Die DVAG konnte 2016 ihr Neugeschäft mit Lebensversicherungen um 13,4 Prozent steigern und ist bei der Vermittlung fondsgebundener Versicherungen Marktführer in Deutschland; fast je- der vierte Vertrag läuft über sie.

"Eine gute Lebensversicherung wirft - abzüglich der Inflation - immer noch eine reale Verzinsung ab", betont Ralf-Joachim Götz im Redaktionsgespräch bei Oberpfalz-Medien. Auch die gesetzliche Rentenversicherung sei derzeit "unter Rendite-Gesichtspunkten nicht unattraktiv". Den Chefvolkswirt der DVAG berührt, ja belastet die Tatsache, dass in Deutschland immer mehr Bargeld als Geldvermögen gehalten wird. Hier sieht er mit einen Grund für die weit auseinanderklaffende Schere bei der Vermögensbildung von kleinen und mittleren Einkommen im Verhältnis zu den Reichen: "Es stimmt traurig, dass sich viele Menschen zu wenig um die sinnvolle Anlage ihres hart erarbeiteten Geldes kümmern.

Nur 10 Euro im Monat

Götz macht eine einfache Beispielrechnung auf: Seit 1960 hätte eine monatliche Rate von 10 Euro auf dem Sparbuch bei 3 Prozent Zinsen rund 18000 Euro erbracht; "unterm Kopfkissen" ohne Zinsen gebunkert nur 7000 Euro. Und in einem guten Aktienfonds mit einer durchschnittlichen Rendite von etwa 8,4 Prozent im Jahr wären daraus rund 150 000 Euro geworden - trotz eines Ausgabeaufschlags von 5 Prozent. Natürlich eigne sich ein möglichst breit gestreuter, internationaler Aktienfonds nicht dafür, den nächsten Urlaub zu finanzieren. Götz spricht sich hier für einen Anlage-Horizont von mindestens 15 Jahren aus.

"Die Aktienkurse haben zwar ein hohes Niveau erreicht, aber die Unternehmen verdienen auch prächtig." Ralf-Joachim Götz bedauert, dass nur neun Millionen Menschen in Deutschland in Aktien oder Investmentfonds investiert seien: "Der Anteil der Aktionäre an der Bevölkerung ist in anderen Ländern deutlich höher. Gerade ausländische Investoren haben hohes Vertrauen in die deutsche Wirtschaft und halten bereits die Aktienmehrheit an einer ganzen Reihe deutscher Unternehmen." Ein gutes Aktienportfolio biete auf Dauer mehr reale Sicherheit als das vermeintlich sichere, jedoch Inflations- gefährdete Sparbuch und jede Anleihe. Aktiv gemanagte Portfolios könnten sich gerade in Krisenzeiten gegen- über einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) bewähren.

"Brot und Bier"

"Ein Trend geht zu guten Aktien- fonds. Diese Investments zeigen langfristig deutlich bessere Wertentwicklungen als Sparbuch und Co.", unterstreicht der DVAG-Chefvolkswirt. Ein Investment-Sparplan beginne bereits mit 25 Euro im Monat. Wenig Hoffnung macht der Anlage-Experte, dass die Zinsen das frühere Niveau wieder erreichen könnten. Seit 1981 gebe es hier - mit Schwankungen - einen Abwärtstrend. Die Zinsen in Europa würden mit einer Zeitverzögerung den Zinsen in den USA folgen. "Trotz Internet ist der persönliche Erklärungsbedarf bei den finanziellen Anliegen groß", redet Götz dem ausführlichen Beratungsgespräch das Wort.

Die DVAG mit ihrer Nähe zum Kunden biete ein Allfinanz-Angebot: "Keinen Champagner und keine Austern, aber dafür Brot und Bier." Das Gros der Kunden verfüge über ein Haushalts-Nettoeinkommen zwischen 1500 und 5000 Euro.

Nach wie vor werden viel zu hohe Beträge zu Null-Zinsen auf den Bankkonten geparkt.Dr. Ralf-Joachim Götz, Direktor und Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung
Ich rate eher zu Fonds als zu Direktanlagen in Aktien - und auch zu einer zeitlichen Streuung.Ralf-Joachim Götz

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