ATU: Mitarbeiter, Geschäftsführer und Gewerkschaft feiern Einigung
"Jetzt geht's nur noch bergauf"

Applaus: Kurz nach Mitternacht berichtet ATU-Chef Jörn Werner (rechts), dass die Einigung zu den Mieten für die Filialen der Werkstattkette auch schriftlich vorliegt. Bis dahin hatten Mitarbeiter und Gewerkschafter vor der Zentrale auf die Nachricht gewartet. Bild: Schönberger

Glühwein statt Gang zum Insolvenzgericht: Der ATU-Chef, Mitarbeiter und Gewerkschafter wollen die abgewendete Pleite gemeinsam feiern. Zunächst fehlt allerdings noch ein Stück Papier. Ein entscheidendes.

Spät ist's. Saukalt. Und dieses Fax will und will einfach nicht kommen. Also schlottern die Unentwegten am Donnerstag länger als geplant vor der ATU-Zentrale. Rund 30 Mitarbeiter und Gewerkschaftsvertreter haben sich um 23 Uhr dort versammelt, wärmen sich an einem Feuer und an Glühwein. Während auch oben in der Chefetage noch Licht brennt. Das Fax fehlt halt.

Das Treffen hatte die IG Metall schon vereinbart, als noch nicht klar war, ob sie alle ihre Jobs behalten würden. Feier oder Begräbnis, sie waren auf alles eingestellt. In der Nacht zu Freitag, 0 Uhr, endete ja die Frist. Hätte ATU bis dahin keine niedrigeren Mieten für das Gros der Filialen eingeräumt bekommen, wäre es nichts mit der Übernahme durch die französische "Mobivia Groupe" geworden. Der Gang zum Insolvenzgericht - vorbereitet.

Hätte, wäre. Dass die Einigung doch noch gelingen würde, war dann schon am Nachmittag klar. Einzig das Fax mit der Unterschrift fehlt zunächst. Erst wenn es in der Chefetage angekommen ist, hat ATU auch offiziell wieder eine Zukunft. Bis dahin brennt oben noch das Licht.

Ruhig geblieben

Die Wartezeit in der Kälte nutzt Betriebsratschef Helmut Meindl für ein paar warme Worte an die Kollegen. Die vergangenen Wochen seien "sehr spannend" gewesen, sagt er. Kein Wunder. 21 Tage lang hatte es eine Notgeschäftsführung gegeben. Viele Zahlungen waren gestoppt. Selbst die für den Christbaum drinnen im Foyer - er wurde gesponsert. Trotzdem seien alle bis zuletzt ruhig geblieben, das verdiene Respekt, sagt Meindl. Und nebenbei zeigt es wohl auch, dass einen ATUler nach den vielen Schwierigkeiten der letzten Jahre so schnell nichts mehr aus der Spur bringt.

Nun, so Meindl, habe ATU die Chance, "dass es nach 14 Jahren endlich wieder um die Leute geht". Deutlicher formuliert es Udo Schmode, von der IG Metall für den Gesamtbetriebsrat beauftragt, in einem Schreiben an die Versammlung. Die Werkstattkette sei "14 Jahre seit Peter Unger von Hedgefonds und Immobilienfonds ausgepresst" worden. Besser weg kommen allein die jetzigen Eigner um Investor Centerbride. Und Jörn Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung, sowieso.

Das Fax trifft bei ihm dann um 23.59 Uhr ein. So lange ging es offenbar noch um Details. Als er kurz nach Mitternacht schließlich nach unten kommt, erwarten ihn Applaus und Sekt. Der ist zwar alkoholfrei. Aber auch so ist Werner sichtlich gelöst. Am Nachmittag sei eine riesige Last von ihm abgefallen, sagt er. "Jetzt ist der Weg frei." Er habe soeben noch mit "Mobivia" gesprochen. "Sie freuen sich unheimlich, dass sie jetzt den Vertrag abschließen können."

"Keine Stellen in Gefahr"

Für das Unternehmen, für die Mitarbeiter sei er nun optimistisch. Er habe mit "Mobivia" den Geschäftsplan für die kommenden Jahre abgestimmt. Stellenstreichungen seien nicht vorgesehen. Im Gegenteil: "Ich sehe keine Arbeitsplätze in Gefahr, wir haben eher zu wenig." Denn "wir wollen ja wachsen". Was er und die Unentwegten trotz gut gelaunter, kalter Nacht nicht mehr wollen, ist noch einmal so ein Treffen. "Ich hoffe, dass es für ATU das letzte Mal so eine Situation war. Jetzt geht's nur noch bergauf."

Ein Weihnachtsgeschenk für die Stadt Weiden. Und ein Weihnachtsgeschenk für die Mitarbeiter.Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zur ATU-Einigung
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