20.11.2017 - 22:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auch wenn die regionale Wirtschafte keine Auswirkungen auf die Geschäfte erwartet:: "Schande über Deutschland"

Weiden/Amberg. Drastisch fallen teilweise die Reaktionen der regionalen Wirtschaft aus. "Schande über Deutschland", sagt Christian Engel , geschäftsführender Gesellschafter der BHS Corrugated, Weltmarktführer von Wellpappe-Produktionsanlagen in Weiherhammer (Kreis Neustadt/WN). Mit dem Scheitern von "Jamaika" seien gleich mehrere Chancen vertan worden.

"Leider sind die Politiker zu sehr mit sich selber beschäftigt, aber nicht mit Deutschland." Zitat: Christian Engel, Geschäftsführer BHS Corrugated
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Nach der Meinung von Engel hätte sich mit "Jamaika" eine neue Strömung gefunden, die helfen würde, angesichts von Brexit und Macron Europa zu reformieren und zu reparieren. "Doch leider sind die Politiker zu sehr mit sich selber beschäftigt, aber nicht mit Deutschland." "Ich hoffe nicht, dass die Welt über uns lacht", erklärt Christian Engel. Wirtschaftliche Folgen befürchtet er nicht: "Der Wirtschaft ist es relativ wurscht, was die Politik macht. Schauen Sie nach Nordamerika ..." Auch Paulus Mehler , Inhaber der Tuchfabrik Mehler in Tirschenreuth, erwartet kurzfristig keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen: "So lange in Deutschland keine italienischen Verhältnisse einkehren, halte ich Neuwahlen für unproblematisch." Schließlich befänden sich viele (europäische) Nationen im Umbruch, "da steht Deutschland nicht allein da". "Wenn man nicht zusammenpasst, ist es ehrlicher, jetzt die Konsequenzen zu ziehen, als dann nicht handlungsfähig zu sein."

"Die vier Parteien konnten sich offenbar nicht einigen, weil sie Angst hatten, gegenüber ihren Wählern das Gesicht zu verlieren", meint Hans-Jochen Müller , Inhaber der Textil-Großhandlung Hajo Strick (Mode/Sportswear). Den Weg zu Neuwahlen hält der Weidener Unternehmer für falsch. "Es wäre an der Zeit, dass Angela Merkel ihr Amt zur Disposition stellt. Zwölf Jahre sind genug." Wenn man eine Million Leute ohne Pass ins Land hole, müsse man schließlich auch die Konsequenzen tragen ...

Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß, Josef Pflaum , hätte fest mit dem Zustandekommen von "Jamaika" gerechnet: "Zum einen haben diese Parteien einen Wählerauftrag, zum anderen sollten sie dem deutschen Volk Gutes angedeihen lassen." Kurzfristig erwartet Pflaum keine gravierenden Auswirkungen auf die Wirtschaft: "Denn es gibt ja eine geschäftsführende, handlungsfähige Bundesregierung."

Johann Schmalz l, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Amberg, spricht von einer "verpassten Chance" für neue Ideen, Konzepte und Modernisierung. Dabei habe es bei den Themen Digitalisierung, Infrastruktur oder Bildung durchaus "gemeinsame Schnittmengen" gegeben. "Unser Land hätte diesen Fortschritt gebraucht." Von einer Staatskrise will Schmalzl jedoch nicht reden. Deutschland brauche aber eine handlungsfähige Regierung, die klare Rahmenbedingungen setze.

Keine Änderung erwartet

"Eine Jamaika-Koalition hätte Deutschland gut getan", äußert sich in ähnlichem Sinn Dr. Stefan Klumpp , Vorstand der Hamm AG in Tirschenreuth. Das Scheitern bedaure er deshalb "zutiefst". Die FDP hätte Wirtschafts-Kompetenz und die Grünen den Umwelt-Gedanken eingebracht, um Deutschland weiter zu entwickeln. Der Manager bewertet Neuwahlen pessimistisch, denn eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse sei nicht zu erwarten.

Leider sind die Politiker zu sehr mit sich selber beschäftigt, aber nicht mit Deutschland.Christian Engel, Geschäftsführer BHS Corrugated

 

 

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