10.07.2017 - 21:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auszug des Discounters beendet hoffnungsvolle Geschäftsentwicklung Wohnen im leeren Plus-Markt

Lange läuft alles prima mit dem damals neuen Supermarkt an dieser Ecke. Mit dem Großprojekt Christian-Seltmann-Straße/An den Städeln kommt 1984 die erhoffte Aufwertung des Quartiers. Aber plötzlich ist alles anders.

Die Außenfassade hat sich kaum geändert. Da sich keine Nutzer für den ehemaligen Plus-Markt finden ließen, plante Hans-Peters Schuller um. Wo einst die Regale standen, freut sich eine Familie über mehr als 200 Quadratmeter Wohnfläche. Auch nebenan ist eine weitere Wohnung geplant. Der Umbau der Flächen hin zur Straße An den Städeln ist abgeschlossen. Hier zieht eine Versicherung ein. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der neue Plus-Markt sorgt damals für die verbesserte Nahversorgung. Das Angebot des Discounters ergänzen Bäckerei Götz, die Metzgerei Weishäupl sowie das Obst-Kistl. 18 Jahre ist alles gut. Aber schon eineinhalb Jahre vor Ende des Mietvertrages zieht Plus 2002 aus, wechselt hinaus in die Mooslohe. Damit teilt der Plus-Markt das Schicksal der Schwestermärkte in der Frauenrichter und der Friedrich-Ebert-Straße, die ebenfalls relativ schnell den Standort wechseln und die Vermieter vor große Probleme stellen.

In der Christian-Seltmann-Straße löst der Auszug von Plus einen regelrechten Domino-Effekt aus. Die Nebengeschäfte, denen der Discounter lange die nötige Frequenz bringt, schließen. "Die gute Geschäftslage in der Christian-Seltmann-Straße bröckelte", stellt Hans-Peter Schuller fest. Da die Familie Reber/Schuller von Anfang an Miteigentümer des großen Wohn- und Geschäftshauses war, erwarb sie vor zwei Jahren "mit großen Hoffnungen" den ehemaligen Plus-Markt: 630 Quadratmeter, die zur Hälfte im Hauptgebäude, zur anderen im vorgeschobenen, eingeschossigen Anbau hinein in der Tiefe des Areals liegen.

"Keiner hat angebissen"

"Ich wollte die Flächen wieder vermieten. Wir haben den Markt geputzt und poliert. Aber eineinhalb Jahre lang hat sich kein Mieter gefunden, obwohl wir die Halle zunächst überregional und dann auch bundesweit angeboten haben. Keiner hat angebissen. Dabei besteht im Viertel Bedarf nach Nahversorgung", erzählt Schuller. In der Stadt gebe es mehr als genügend Discounter, deshalb habe er vor allem nach Alternativen gesucht, etwa an lukrative türkische Märkte gedacht. "Man kann nur staunen, was die bieten", meint Schuller und verweist auf Beispiele in Ingolstadt und Nürnberg.

Eingriffe ins Dach

Mit seiner Frau Marie-Magdalene Reber-Schuller entwickelte er ein neues Nutzungskonzept, wobei ihm der Zufall zu Hilfe kam. Die Dachsanierung beim Flachbau stand an. "Mit Architekt Hans Kneidl planten wir den Umbau." Innerhalb eines Tages erhielt ich von 15 der 22 Miteigentümer des Gesamtgebäudes die Zustimmung. Alle anderen signalisierten Rückendeckung. "Jeder ist daran interessiert, den Leerstand zu beenden." Zugleich lobt Schuller die Unterstützung durch das Bauamt. "Alles ging unbürokratisch."

Bei der Dachsanierung schnitt er die Decke auf, schuf einen 50 Quadratmeter großen Innenhof, Während sich die Fassade außen kaum veränderte, sorgt dieser Innenhof für Licht und Luft für eine 154 Quadratmeter große Wohnung. Dahinter, hin zur Straße An den Städeln, entstand ein großes Büro, das eine Versicherung nutzt. Der Flachbau bietet Platz für eine weitere Wohnung (110 Quadratmeter) sowie für Lager.

Die Umnutzung von Gewerbe- in Wohnflächen, meint Schuller, könne auch in der Altstadt manchen Leerstand beenden und die Gassen neu beleben. "Bei uns hat es bestens geklappt." Dennoch ist das Thema Leerstand im einstigen Vorzeigegebäude an der Ecke An den Städeln/Christian-Seltmann-Straße noch nicht ausgestanden. In einem Obergeschoss steht seit über 10 Jahren eine ganze Etage frei, die als Büroeinheit genützt wurde. Auch hier ist auf 300 Quadratmetern eine hochwertige Wohnnutzung durchaus denkbar.

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