Bauernverband gegen "pauschale Diffamierung" seines Berufsstands
Sauberes Wasser im "ureigenen Interesse"

Ein Bauer bringt mit dem Traktor Gülle aus. Archivbild: Hartl

Weiden/Amberg. Mehr als ein Drittel der Oberpfälzer Trinkwasserbrunnen sind mit Nitrat belastet (wir berichteten). Für diese Verunreinigung dieses wichtigen Lebensmittels wird vor allem die Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Karl Bäumler, stellvertretender Obmann des bayerischen Bauernverbands (BBV), betont, die Landwirte selber hätten ein "ureigenes Interesse" an unbelastetem Wasser. Schließlich zählen sie - nach Industrie und Gewerbe - mit zu den größten Wasserkonsumenten. So braucht etwa eine Kuh rund 80 Liter am Tag.

Für Hans Scharbauer, Ortsobmann des BBV in Mallersricht (Weiden), sind die höheren Nitratwerte im Norden Bayerns zwar "unbestritten". "Im Süden führen die größeren Niederschlagsmengen jedoch zu einer höheren Verdünnung des Nitrats." Im Gespräch mit der Redaktion wehren sich die Landwirte mit BBV-Kreisobmann Josef Fütterer an der Spitze gegen eine "pauschale Diffamierung" ihres Berufsstands: "Wir können vor dem Nitrat nicht die Augen verschließen, aber wir düngen nach guter fachlicher Praxis." Es sei im "betriebswirtschaftlichen Interesse" eines jeden Landwirts, möglichst wenig Dünger hinzuzufügen. Und das können schon mal bis zu 150 bis 200 Kilo Dünger je Hektar sein.

Der Teufel liegt im Detail: Beispielsweise können die gedüngten Pflanzen bei langanhaltender Trockenheit die genau dosierte Stickstoff-Dreingabe nicht aufnehmen. Scharbauer: "Trockenheit verschärft die Belastung." Die Landwirte versuchen, mit angepasster Düngung und ackerbaulichen Maßnahmen wie Zwischenfrucht und Mulchen gegenzusteuern. Mit der seit Anfang Juni geltenden Dünge-Verordnung (Stickstoff-Grenze von 170 Kilo je Hektar), hätten die meisten Betriebe "kein Problem".

Allerdings wird das Ausbringen der Gülle auf die Felder auch rein technisch nicht einfacher, denn bald müssen die Landwirte mit schwerem Gerät auf die Felder. So schreibt die Dünge-Verordnung ab 2020 das sogenannte Schleppschuh-Verfahren vor: Solch ein Spezial-Güllefass wiegt bis zu 30 Tonnen, kostet rund 100 000 Euro und fordert einen Traktor mit mehr als 250 PS. Fütterer: "Es kann nicht in unserem Bestreben sein, auf den Fluren Manöverschäden anzurichten." (Seite 3)
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