19.11.2017 - 18:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bedrückender Vortrag über Näherinnen in Bangladesch: Mit 40 schon im Greisenalter

Bangladesch wird in einigen Statistiken nach China als zweitgrößter Exporteur für Bekleidung ausgewiesen. Schon lange stehen die dortigen Produktionsbedingungen in der Kritik. Professor Bernhard Bleyer war dort und berichtete am Freitag in der Aula der Volkshochschule darüber. Am Ende seines Vortrags "Dein T-Shirt aus Bangladesch - was uns mit der Textilnäherin aus Dhaka verbindet" formulierte Bleyer seine wichtigste Empfehlung: "Fragen Sie im Geschäft nach zertifizierter Kleidung." Wenn viele Kunden diese Frage stellen würden, könnte dies für den Handel ein Signal sein.

Wohnen in Slums und arbeiten in der überfüllten Textilfabrik ist der Alltag in Bangladesch. Professor Berhard Bleyer berichtet darüber. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Doch zunächst zeigte der Leiter des OTH-Instituts für Nachhaltigkeit beeindruckende Bilder davon, wie Kleidung in Bangladesch produziert wird. Auch vier Jahre nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes mit mehr als 1000 Toten sei die Arbeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie extrem gefährlich. Vielfach fehle es an Fluchtwegen und Feuerschutz in den überfüllten Produktionsstätten. Ohne ausreichenden Mundschutz drängen bei den Näherinnen Textilfasern und Chemikalien in die Lunge ein. Bleyer präsentierte das Bild einer Frau, das an eine Greisin erinnerte. "Sie ist Mitte 40, war einen Tag krank, wurde sofort entlassen und muss vom geringen Verdienst ihrer Tochter leben." Weil auf einer Fläche, vergleichbar mit der von Bayern und Baden-Württemberg, 160 Millionen Menschen in "bitterster Armut" lebten, stünden bei einem Ausfall Dutzende Ersatzkräfte zur Verfügung.

Als Mindestlohn seien 50 Euro im Monat festgelegt, bei einer "offiziellen" 48-Stunden-Woche. Vor allem in den rund 2000 kleineren Subunternehmen, die Aufträge für die "Großen" erledigen, würde wenig kontrolliert und deswegen von den Mindestarbeitsbedingungen oft abgewichen. Ein existenzsichernder Lohn müsse zwischen 160 und 260 Euro liegen. Es fehle an Kündigungsschutz, medizinischer Mindestversorgung und Kinderbetreuung. Als seine These erklärt Bleyer: "Das Unglück von Rana-Plaza wäre nicht so bekannt geworden, wenn nicht die vielen Logos von fast allen Markenproduzenten in den Trümmern gefunden worden wären." Insgesamt bleibt für Beyer die Situation "nicht durchschaubar". Manche Produkte "würden sogar ein Fair-Trade-Siegel bekommen können, wenn die Hersteller dies wünschten". Bleyer berichtete auch von den Bemühungen einzelner Markenproduzenten und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) auf die Einhaltung von Sozialstandards hinzuwirken. Weil aber oft nicht nachvollziehbar sei, wo ein Bekleidungsstück produziert worden ist, könne kein Markenname eine absolute Garantie für faire Produktionsbedingungen sein. Ausdrücklich empfahl Bleyer das Portal "siegelklarheit.de" in dem nachvollzogen werden könne "was ein gutes und ein schlechtes Textilsiegel ist". Der Vortrag fand im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung "Weltreligionen" statt. Eingeladen hatte die Katholische Erwachsenenbildung gemeinsam mit dem Evangelischen Bildungswerk.

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