07.03.2018 - 20:10 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Begleitprojekt in der Nordoberpfalz Ausbildungsabruch den Kampf angesagt

Beim Ausbildungsbegleitungs-Projekt "VerA" ist die nördliche Oberpfalz fast noch ein weißer Fleck. Jetzt soll auch hier die Lücke geschlossen werden.

SES-Ausbildungsbegleiter Wilfried Karwath (Dritter von links) hilft Jugendlichen meistens ganz im Stillen, damit sie ihre Ausbildung nicht abbrechen müssen. Die Bildungskoordinatoren Julia Lenhart und Christian Frey dürfen ausnahmsweise einmal dabei sein. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Noch immer wird fest jedes fünfte Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst, auch in der nördlichen Oberpfalz. Doch das Bundesprogramm "VerA", das mit Ausbildungsbegleitung während der laufenden Lehre Hilfestellung leisten soll, war bisher in der nördlichen Oberpfalz weitgehend unbekannt. Nur ein einziger ehrenamtlicher "Senior-Experte" - so nennen sich die Ausbildungsbegleiter - ist derzeit in der Region im Einsatz.

Wilfried Karwath, gelernter Maschinenbauingenieur aus Weiden, begleitet seit fünf Jahren Jugendliche, bei denen ein Ausbildungsabbruch droht. Vorher war er jahrelang für den Senior Experten Service (SES) im außereuropäischen Ausland im Einsatz. Jetzt konzentriert sich der zwischenzeitlich 76-Jährige ganz auf Deutschland. "Manchmal habe ich Erfolg, manchmal auch nicht", berichtet Karwath aus seiner Tätigkeit.

Bundesweit schon 2700

Meistens geht es um Probleme im persönlichen Umfeld der Auszubildenden. Keinesfalls will der Senior-Experte bewährten Einrichtungen wie den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) Konkurrenz machen. Ausbildungsbegleiter hören zunächst einmal viel zu, knüpfen dann Netzwerke mit Betrieben, Kammern, Berufsschulen oder sonstigen Beteiligten und entwickeln auf diesem Wege Hilfestellungen für die jungen Menschen. "In der südlichen Hälfte der Oberpfalz arbeiten derzeit zwölf aktive Ausbildungsbegleiter, bundesweit circa 2700", berichtet Ludwig Knödl, Regionalkoordinator von "VerA" für die Oberpfalz. Senior-Experten würden häufig eine Art Vater- beziehungsweise Mutterrolle übernehmen. Jährlich wachse die Zahl der neu begonnenen Ausbildungsbegleitungen recht kräftig, betont Knödl.

Die Initiative für eine stärkere Nutzung von "VerA" in der nördlichen Oberpfalz wurde von den Bildungskoordinatoren der Stadt Weiden und des Landkreises Neustadt/WN, Christian Frey und Julia Lenhart, eingeleitet. Eingebunden sind auch IHK und HWK, die Arbeitsagentur und die Initiative "Pro Ausbildung". Ein erstes Treffen aller Beteiligten mit dem Ziel, "VerA" in der Region bekannter zu machen und dabei zunächst vor allem ehrenamtliche Ausbildungsbegleiter zu gewinnen, hat bereits stattgefunden. Dass Bedarf für Ausbildungsbegleitung auch in der hiesigen Region bestehe, darüber waren sich alle Beteiligten einig.

Kosten werden ersetzt

In den Gesprächsrunden mit potenziellen "Multiplikatoren für das Förderprogramm" soll in den nächsten Wochen für die Ehrenamtstätigkeit geworben werden. Besondere persönliche Voraussetzungen müssten eigentlich nicht vorliegen. Im Regelfall werde es sich um Menschen handeln, die am Ende oder nach ihrem Arbeitsleben genug Erfahrung haben, sich mit dem Thema Ausbildungsunterstützung zu befassen.

"Wichtig ist, Zuneigung zu den Menschen zu haben und helfen zu wollen", betont Knödl. Die bisher tätigen Ausbildungsbegleiter würden ihre Arbeit auch als persönliche Bereicherung betrachten. "VerA" sei ein sogenanntes Tandem-Modell. Die Senior-Experten stehen einem jungen Menschen als Vertrauensperson in fachlichen und privaten Fragen zur Verfügung. Für Unterstützung durch die Projektkoordination ist gesorgt. Wer sich meldet, wird in einer zweitägigen Schulung darauf vorbereitet. Unterstützung gibt es auch durch das "VerA"-Team beim SES. Eine monatliche Aufwandsentschädigung sorgt für Kostenersatz. Eine "VerA"-Begleitung erfolgt auf Wunsch der Auszubildenden, kann aber auch von den Kammern, Ausbildern, Berufsschulen oder den Eltern angeregt werden.

Wer bereit ist, mitzumachen, sollte sich bei der Initiative "VerA" beim SES, Buschstraße 2, 53113 Bonn, Telefon 0228/26090-40, melden. Auskünfte erteilt auch Regionalkoordinator Ludwig Knödl unter Telefon 0871/53190 oder per Mail an ludwig.knoedl[at]googlemail[dot]com.

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