Behindertengerechter Ausbau des Bahnhofs Weiden lässt auf sich warten
Band läuft, Barriere bleibt

Das Gepäckband zu Gleis 4 und 5 funktioniert, am Gleis 1 ist es schon wieder defekt. Ganz gewaltig hakt's am Bahnhof Weiden aber in Sachen Barrierefreiheit - und das seit vielen Jahren. Bild: Meister

Das kleinere Übel ist behoben, das große dagegen bleibt wohl noch einige Zeit bestehen: Die fehlende Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden. Das lässt zumindest die jüngste Antwort aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr vermuten.

Die gute Nachricht: Das defekte Kofferband für den Gepäcktransport in die Unterführung ist noch vor den Osterferien repariert worden. Die schlechte Nachricht: Das Band von Gleis 1 ist schon wieder kaputt. "Der neue Tag" hatte mehrfach auf dieses Manko hingewiesen. Ebenso wie auf die nicht vorhandene Barrierefreiheit, die behinderten Menschen am Bahnhof Weiden das Leben schwer macht. Ein Thema, das Josef Rewitzer langsam zur Verzweiflung treibt.

Seit 2007 macht sich der Kreisvorsitzende des Sozialverbands VdK für die Barrierefreiheit am Weidener Bahnhof stark. Unterstützt wird er dabei von der Stadt Weiden und von der Landtagsabgeordneten Annette Karl (SPD). Bisher ohne konkreten Erfolg. "Zwischen den Versprechungen der Bahn und der Wirklichkeit klafft oft eine große Lücke", ärgert sich Rewitzer. "Die vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer versprochene ,Barrierefreiheit' Bayerns bis 2023 rückt immer näher, ohne dass konkrete Maßnahmen erkennbar sind."

Ministerwechsel mit Folgen

Mitte März sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann eine Beschleunigung des barrierefreien Ausbaus des Bahnhofs Weiden zu (wir berichteten). Doch jetzt scheint sich auch diese Hoffnung wieder zu zerschlagen. Herrmann ist nach der Umbildung des Bayerischen Kabinetts nicht mehr für den Verkehrsbereich zuständig. Den hat mit dem neuen Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr jetzt Staatsministerin Ilse Aigner übernommen.

Und aus deren Pressestelle flatterte dem "Neuen Tag" am Freitag auf die Anfrage nach dem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Weiden folgende Antwort ins Haus: "Derzeit prüft die DB noch, ob sie den Bahnhof Weiden ausbaut. Deshalb warten wir hier noch auf die Entscheidung der Bahn. Fest steht: Es gibt eine Planungsgarantie der bayerischen Staatsregierung für Weiden für den Fall, dass der Bund bzw. die DB die Finanzierung hier nicht übernehmen sollte." Von einem beschleunigten Ausbau ist da keine Rede mehr. Dabei hat die Bayerische Staatsregierung schon in einem Schreiben von 2006 versprochen, dass die Bahnhöfe Schwandorf, Weiden und Amberg im Rahmen des Ausbauprogramms "Bayernpakt 2013-2018" prioritär barrierefrei ausgebaut werden sollen.

Für Josef Rewitzer ist nicht nachvollziehbar, wieso der Bahnhof in Weiden in Sachen Barrierefreiheit immer wieder abgehängt wird. Die Zahl der Ein- und Aussteiger am Bahnhof Weiden ist nach seinen Recherchen von täglich 1500 im Jahr 2007 auf jetzt 4500 pro Tag angewachsen. Er verweist auf die Stadt Roding, die mit 12 000 Einwohnern und 19 Zughalten am Tag über einen barrierefreien Bahnhof verfügt. Die Stadt Weiden dagegen zählt 45 000 Einwohner und 115 Zughalte pro Tag, wartet aber immer noch vergeblich auf den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs.

Private Dienste statt Bahn

Den VdK-Kreisvorsitzenden erreichen immer wieder Klagen von mobilitätseingeschränkten Personen oder anderen Hilfsbedürftigen, weil sie am Weidener Bahnhof keine Hilfe erhalten. "Die beiden dafür zuständigen Service-Mitarbeiter wurden 2007 aus Kostengründen von der Bahn wegrationalisiert." Versprochene "Ersatz-Hilfsangebote" würden nur teilweise funktionieren.

Behinderte müssen ihre Reise mindestens drei Tage vorher anmelden. "Spontanes Verreisen ist für sie somit unmöglich." Viele Betroffene würden deshalb inzwischen lieber einen privaten Fahrdienst organisieren, statt die Bahn in Anspruch zu nehmen. "Dadurch gehen natürlich die Fahrgastzahlen von Behinderten deutlich nach unten." Dabei leben rund 20 000 schwerbehinderte Menschen in Weiden und dem Landkreis Neustadt. "Sie werden als Menschen zweiter oder dritter Klasse behandelt", wirft Rewitzer der Bahn vor.
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Hilde Lindner-Hausner aus Kohlberg | 10.04.2018 | 09:59  
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