05.09.2017 - 21:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bei Auto-Teile Unger wachsen wieder die Umsätze ATU: Ende der mageren Jahre

Vorweg die guten Nachrichten: Nach einem Jahrzehnt schrumpfender Umsätze legt die Werkstattkette ATU erstmals wieder zu; auch die Gesamtzahl der Mitarbeiter soll ansteigen. Gleichzeitig muss jedoch die Verwaltung abspecken. Betroffen ist vor allem die Weidener Zentrale im Industriegebiet Am Forst.

Der ATU-Werkstattbereich profitiert personell, während die Verwaltung Federn lassen muss. Bild: ATU
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Von mehr als 1,4 Milliarden Euro war der Umsatz im Lauf der zahlreichen schwierigen Jahre auf erheblich weniger als eine Milliarde Euro gesunken. Mit einem leichten Plus von 0,7 Prozent bewegt sich der Umsatz nun wieder knapp unter der Milliarden-Schwelle, berichtete das "Handelsblatt" am Dienstag. Der Einstieg der französischen Mobivia bewirkt offenbar neuen Schwung - und endlich wieder schwarze Zahlen im operativen Geschäft. Bei ATU herrscht hoffnungsfrohe Zuversicht.

Bisher sechs Geschäftsführer

Wie ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte, soll die Zahl von derzeit rund 10 000 Mitarbeitern in den nächsten Jahren wachsen: vor allem in den Werkstätten mit "direktem Kundenkontakt". ATU sucht Mechaniker und Mechatroniker. Weil jetzt überfällige Investitionen in die seit Jahren vernachlässigte IT zu einem Effizienz-Schub bei der Digitalisierung führen, werden bestimmte Arbeitsprozesse in der Verwaltung überflüssig. Es soll jedoch zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen.

Der Abbau über die nächsten drei Jahre werde durch Fluktuation erfolgen. Die Zahl der wegfallenden Stellen im verknappten Zentralbereich lässt sich noch nicht genau beziffern, verlautete aus Unternehmenskreisen. Jedenfalls wird innerhalb von drei Jahren eine Einsparung von 15 Millionen Euro Personalkosten angestrebt. Der Standort Weiden mit der Zentrale - inklusive Recycling-Zentrum Estato und ATU-Academy - zählt fast 1200 Beschäftigte, davon rund 700 in der Zentrale. "Die Treppe wird von oben ausgekehrt", zitiert das "Handelsblatt" ATU-Chef Jörn Werner, der Führungspositionen streichen will. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien soll die bisher sechsköpfige Geschäftsführer-Riege stark schrumpfen. So wurde der Ende August ausscheidende Marketing-Geschäftsführer Thorsten Stradt schon nicht mehr ersetzt.

Französische Produkte

Wie CEO Jörn Werner bereits Ende April im Exklusivinterview bestätigte, läuft in den zwei Aachener ATU-Filialen ein Test mit dem kompletten Sortiment von Mobivia-Tochter Norauto: "Denn Norauto ist stark im Shop-Bereich, ATU bei den Werkstätten und im Flottengeschäft."

Auch will ATU in den nächsten Monaten die Produktpalette erweitern, etwa um E-Bikes (Eigenmarken Norauto) und weitere Reifen-Marken. Die Zusammenarbeit mit Mobivia gestaltet sich dem Vernehmen nach "gut und intensiv". Werner weilt relativ häufig am Firmensitz in Lille.

Auto-Teile Unger (ATU)

Der fünfte Eigentümer-Wechsel seit 2002 bewirkte für ATU Ende 2016 eine neue Ära: Mit der Übernahme durch die französische Mobivia Groupe entstand das größte Kfz-Service-Unternehmen Europas mit fast 2000 Werkstätten, 20 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro. Die 1985 von Peter Unger gegründete ATU betreibt 577 Werkstätten in Deutschland, 25 in Österreich, 6 in der Schweiz. Die Franzosen stiegen bei ATU nur unter der Voraussetzung ein, dass die überteuerten Mieten für 273 Filialen deutlich gesenkt werden. Hier standen sich die niederländische Lino-Gruppe (Deutsche Bank und US-Hedgefonds Davidson Kemper) als Immobilien-Eigner und der Finanzinvestor Centerbridge als ATU-Eigentümer gegenüber. Der Kaufpreis von 225 Millionen Euro ging an die Gläubiger. (cf)

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