27.08.2017 - 15:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Betriebe suchen händeringend Nachwuchs Bewerbermangel immer größer

Während rund die Hälfte eines Altersjahrgangs ein Studium beginnt, wächst der Nachwuchsmangel in den Betrieben. Ganz besonders leiden wachstumsstarke Firmen. Die BAM Maschinenbau GmbH dient als Beispiel.

Lehrlinge gesucht: Stefan Poss (Mitte) hat bereits im letzten Jahr seine Ausbildung bei der BAM Maschinenbau GmbH abgeschlossen. Geschäftsführer Marco Bauer und Arbeitsvermittlerin Yasmin Roth bemühen sich intensiv um neue Auszubildende. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Die Produktionsfläche hat er mehr als verdoppelt. "Doch wo bleiben die Arbeitskräfte", fragt sich Geschäftsführer Marco Bauer von der BAM Maschinenbau GmbH. In diesen Monaten zieht der Betrieb zurück von Altenstadt nach Weiden-West. Insgesamt 4300 Quadratmeter beträgt die neue Produktionsfläche im ehemaligen Gebäude der Firma Sonnenschein. In Altenstadt standen lediglich 2000 Quadratmeter zur Verfügung. "Wir müssen dringend die Mitarbeiter ausbilden, die im neuen Betriebsgebäude benötigt werden", sagt Bauer. Innerhalb von drei Jahren hat sich seine Beschäftigtenzahl auf 46 verdoppelt. Das Wachstum will er fortsetzen. Doch Mitarbeiter fehlen.

Dringend sucht der BAM sechs Auszubildende in den Berufen Zerspanungsmechaniker und Industriemechaniker. Doch "Fehlanzeige" bei den Schulabsolventen. Gerade einmal drei Bewerbungen von wenig geeigneten Schulabgängern seien eingegangen - ein Zehntel gegenüber früheren Jahren. Dabei habe sein Unternehmen alle Möglichkeiten genutzt, ging mit einem großen Stand auf der Ausbildungsmesse, warb in den sozialen Medien und in den Schulen, gab Vorträge in Berufswahlseminaren.

Bauer hält seinen Betrieb auch für attraktiv, gerade für junge Leute. Der Altersdurchschnitt liege bei 36 Jahren. "Nicht überall ist der Firmenchef nur knapp über 30 Jahre alt", stellt Bauer fest. Und die Zukunft seines Unternehmens sieht er weiterhin sehr positiv, sei doch jetzt auch die Familie Unger als Partner mit im Boot. Im neuen Betriebsgebäude entsteht sogar eine gesonderte Lehrwerkstatt.

"BAM ist kein Ausnahmefall", sagt Yasmin Roth vom Arbeitgeberteam der Agentur für Arbeit. Jede dritte der im Agenturbezirk vom Sektor Maschinenbau gemeldete freie Ausbildungsstelle sei derzeit noch unbesetzt. Wenigstens teilweise konnte die Arbeitsvermittlerin dem Betrieb helfen. Allerdings nicht mit einem Schulabgänger, sondern mit einem Studienabbrecher und einer Umschülerin. Außerdem wird der Betrieb mit einer von der Arbeitsagentur geförderten Einstiegsqualifizierung einem Hauptschulabsolventen eine Chance auf eine spätere Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis geben. So könne wenigstens in einen Teil der Ausbildungswerkstatt Leben einziehen.

700 freie Ausbildungsplätze

Ende Juli waren im Bezirk der Arbeitsagentur Weiden noch 700 aller 1900 gemeldeten Ausbildungsplätze unbesetzt und 300 Bewerber unversorgt. Den mit Abstand allergrößten Bewerbermangel sieht die Arbeitsagentur Weiden im Nahrungsmittelgewerbe. Dort sind von 188 gemeldeten freien Ausbildungsplätzen mit 130 Stellen noch gut zwei Drittel unbesetzt. Im Baugewerbe sind noch 79 von 185 Lehrstellen, im Handel, darunter auch dem KfZ-Gewerbe, noch 112 von 386 frei. Fast in allen Berufen gibt es noch vakante Ausbildungsplätze. Sehr schwer fällt es auch dem Gastgewerbe, Nachwuchs zu bekommen. Von 55 gemeldeten Stellen sind noch 37 nicht besetzt. (sbü)

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