Bürokratien und Mindestlohn gastronomische Hemmschuhe
Öffnungszeiten werden sich weiter anpassen

Wollen den regionalen Tourismus stärken: Robert Drechsel (Mitte), Vorsitzender vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Kreisstelle Weiden-Neustadt sprach unter anderem mit den Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol (links) und Markus Ganserer (rechts). Bild: rdo

"Die ewigen Öffnungszeiten gehören der Vergangenheit an und werden sich auf die Kernzeiten reduzieren", erläuterte Robert Drechsel. Er spielte damit auf die geänderte Situation beim Mindestlohn und der Bereitstellung von Personal an.

(rdo) Der Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG) der Kreisstelle Weiden-Neustadt sah darin die Möglichkeit, den rückgängigen Bestand an regionalen Gasthöfen und Beherbergungsbetriebe wenigstens zu erhalten - wenn einiges an Bürokratie wegfalle.

Am Montag sprachen die Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol (Regensburg) und Markus Ganserer (Nürnberg) als Mitglieder der Enquetekommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" mit Vertretern der BHG im "Klassik Hotel am Tor" mit Gastgeber Thomas Heigl im Rahmen der Tour "So lebt Bayern - Gleiche Chancen, egal wo du lebst." Man könne die Situation von Tourismuszentren wie München und Nürnberg oder Oberbayern nicht mit der nördlichen Oberpfalz vergleichen, sagte Drechsel. Es gebe hier bei den Kleinbetrieben den gleichen bürokratischen Aufwand wie in der Großgastronomie in den Zentren, beispielsweise bei der Kühltemperatur für Gefriergut, der Allergene bei Tageskarten. Da würden sich eigene Abteilungen darum kümmern.

Als Inhaber des "Alten Schuster" sah Drechsel den BHG im Tourismusverband Oberpfalz gut verwaltet und bezweifelte den Nutzen der Metropolregion Nürnberg. Der Premiumwanderweg Goldsteig und der Radtourismus sei gut frequentiert, aber leider fehle es meist an Übernachtungsmöglichkeiten für Wanderer an der Strecke. Wert aus dem Oberpfälzer Alleinstellungsmerkmal Zoigl zu schöpfen, sah er als angebracht. Aber er kritisierte die Rosinen-Pickerei verschiedener Zoiglbetriebe, die nicht nur zum billigen Bierausschank, sondern auch zu Familienfeiern öffnen. Die Schattengastronomie gefährde im Sommer durch viele Vereinsfeste die Arbeitsplätze in den Stammgasthöfen. In den regionalen Tourismushochburgen, zum Beispiel Flossenbürg, gebe es keinen Gasthof mit Mittagstisch und Übernachtung mehr. Drechsel befürwortete die Möglichkeit der Beschäftigung von Menschen mit Handicap im Museumscafé, wie er es im eigenen Betrieb auch schon praktizierte. Mangelnde Kooperation der Gedenkstätte mit örtlichen Gastronomen sei auch ein Grund für das Gaststättensterben dort.
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