Business Talk über Bildung im Zeitalter von Industrie 4.0
Berufsbildung ist Unternehmeraufgabe

"Gehen wir mit der Kultur des Wandels richtig um" forderte Prof. Dr. Erich Bauer, Geschäftsführer des ÜBZO in Weiherhammer und ehemaliger Präsident der OTH Amberg-Weiden
 
Um Bildung im Zeitalter von Industrie 4.0 ging es beim "Business Talk". Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren (von links): Moderator Thomas Bärthlein, IHK-Bereichsleiter Ralf Kohl, IHK-Geschäftstellenleiter Florian Rieder, Frieda Tench von der Leitung des Kursana-Domizils, Firmenchef Norbert Samhammer und Bereichsleiterin Claudia Wildenauer-Fischer von der Arbeitsagentur. Bild: Bühner

Weil auf dem Arbeitsmarkt immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen, müssen die vorhandenen Mitarbeiter diese Lücken füllen. Lebenslanges Lernen ist deshalb angesagt - und hier sind die Unternehmen in der Pflicht. So lautet das Ergebnis einer Expertendiskussion.

Zum "Business Talk 2017" des Arbeitgeberservices der Arbeitsagentur waren Unternehmer und Personalverantwortliche ins Foyer der Agentur gekommen. Immer wieder neue Rekorde an unbesetzten Stellen, zuletzt 2150 alleine im Bezirk Weiden, bilden für Agenturchef Thomas Würdinger den Hintergrund, sich mit Bildung im Zeitalter von Industrie 4.0 verstärkt zu befassen.

Grundsätzliches dazu formulierte der Leiter des Überbetrieblichen Bildungszentrums Ostbayern (ÜBZO), Professor Erich Bauer. Generell empfahl er, "sich bereits heute über Bildungskonzepte Gedanken zu machen, die morgen tragen sollen". Wer über Industrie 4.0 spreche, müsse zuerst in sein Unternehmen schauen, wie Bildung darin derzeit abläuft. "Ohne lebenslanges Lernen ist die Zukunft nicht zu bewältigen." Dies sollte als Leitbild im Unternehmen verankert werden.

Auch in der Weiterbildung müsse man permanent umsteuern. Weiterbildung müsse "zur Denkfabrik jedes Unternehmens werden" und Mitarbeiter dabei so geschult werden, dass sie mit den neuen Techniken umgehen können. Bauer sieht "Hybridberufe" entstehen, die Produktionsprozesse steuern. Jedes Industrieunternehmen brauche diese. Der Produktionstechnologe, der im Kompetenzzentrum ÜBZO ausgebildet wird, sei ein Beruf für die Welt der Industrie 4.0, weil er von Querschnittswissen geprägt ist. Mit Zukunftsfragen der Bildung werde sich auch die "Denkwelt in Halmesricht" befassen. Die Unterstützung durch die Staatsregierung sei zugesagt.

Bauer formulierte auch Empfehlungen für die anwesenden Personalchefs. "Wir brauchen ein neues Verständnis von Führung." Entscheidungen seien heute keine Dekrete mehr, sondern müssten von gleichberechtigten Partnern getroffen werden. Individuen seien heutzutage smarter und deshalb vielleicht schon weiter als die Organisation. "Schaffen Sie Start-Ups in der eigenen Firma", empfiehlt Bauer.

Weitgehend übereinstimmend mit Bauer äußert sich Unternehmer Norbert Samhammer in der sich anschließenden von Thomas Bärthlein (OTV) moderierten Diskussion. "Unternehmer müssen von ihren Podesten runter. Junge Leute müssen begeistert werden." Dennoch fragte Samhammer auch kritisch: "Wo ist der Platz für die 50-Jährigen in dieser Welt?" Für Samhammer hat sich die Qualifizierung so schnell und stark verändert, dass Schulen den Bedarf nicht mehr erfüllen können. "Firmen machen immer mehr selbst."

Für Ralf Kohl von der IHK Regensburg muss trotzdem die betriebliche Ausbildung "den Spagat schaffen, auf der Höhe der Zeit zu sein". Wer seinen Auszubildenden keinen PC zur Verfügung stellt, "wird nicht mehr lange ausbilden", sagte Kohl und riet dringend, digitale Medien in die Ausbildung einzubeziehen. IHK-Geschäftsstellenleiter Florian Rieder empfahl Unternehmen den "Selbstcheck auf unserer Website". Das Förderprogramm "Digitalbonus" hätte oftmals bei der Einführung moderner Techniken helfen können, sei derzeit aber ausgeschöpft.

Hilfen für Qualifizierungen aus dem Programm "WeGebAU" bot Arbeitsagentur-Bereichsleiterin Claudia Wildenauer-Fischer an. Noch weniger von Digitalisierung erfasst ist die Altenpflege. "Pflegeroboter brauchen wir hoffentlich nicht", sagte Frieda Tench von der Leitung des Kursana-Domizils Weiden.
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