„Crowd-Investing“ an OTH als Alternative zum Bankkredit
„Demokratisierung des Geldes“

Medizintechnik-Professor Clemens Bulitta und Dr. Patrick Pfeffer, Geschäftsführer der Firma aescuvest (von links). Bild: sbü

Weiden/Amberg. "Mit minimalen Mitteln wollen wir maximal schnell etwas bewegen", stellte Dr. Patrick Pfeffer, Gründer und Geschäftsführer der Firma Aescuvest GmbH beim Vortragsabend des Instituts für Medizintechnik der OTH in Weiden fest. Erst vor knapp zwei Jahren gegründet, kann der Kooperationspartner der OTH bereits mehrere (erfolgreiche) Unternehmensgründungen für neue Medizinprodukte vorweisen. "Mit Hilfe der über Internet und Soziale Medien angesprochenen breiten Masse ("Crowd") kann es gelingen, neue Produktideen am Markt zu platzieren", erklärte Pfeffer zu seinem Geschäftsmodell.

Aescuevest ist die erste Crowd-Investing-Plattform in Europa. Der Leiter des OTH-Instituts für Medizintechnik, Professor Dr. Clemens Bulitta, spricht von "einer großen Chance, für die Region, die Gesundheitsversorgung zu verbessern". Eigentlich hätte man es mit dem Gedanken des "alten Genossenschafts-Konzepts" zu tun. Wenn diese Idee jedoch gezielt über die sozialen Medien und das Internet verbreitet werde, entstünden völlig neue Möglichkeiten, Innovationen am Markt einzuführen.

"Innovationskultur"

"Wir haben in Deutschland unendlich viel Privatvermögen, vielleicht führt dessen Einsatz beim Crowd-Investing zu einer besseren bedarfsorientierten Innovationskultur", hofft Bulitta. Vielleicht könne man sogar von eine "Demokratisierung des Geldes" erreichen, sagte der wissenschaftliche Beirat von Aescuinvest.

Pfeffer stellte drei erfolgreich am Markt platzierte Start-Ups in der Medizintechnik vor. "Ello" nennt sich der elektrische Rollator, der vor allem das Bergab-Gehen und Treppensteigen unterstützt. Drei Studenten erweiterten einen Standardrollator um zwei Elektromotoren, Akkus, Hupe und ein Bedienfeld. Vorgestellt wurde auch ein Fixationssystem für offene Knochenbrüche sowie der Dienstleister Activoris, ein Strategieberater für medizinische Unternehmen.

Höchstgrenze 10 000 Euro

Für die drei Projekte wurden 800 000 Euro von Investoren über das Internet gesammelt. "In zehn Minuten und zwanzig Clicks können Sie sich an der Firma beteiligen" - der Spruch zog offensichtlich.

Neues Beteiligungsprojekt ist ein patentiertes Nano-beschichtetes Zahnimplantat, für das bereits rund ein Drittel der Investitionskosten von 300 000 Euro bereitstehen. Anleger werden darüber informiert, dass es sich um ein "Hochrisiko-Investment" handelt, erläutert Pfeffer. Allerdings sei diese Anlageform zwischenzeitlich vom Gesetzgeber reguliert. Für Privatpersonen gilt eine Investitions-Höchstgrenze von 10 000 Euro.
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