Daten-Feldwege werden Autobahnen
Breitbandausbau in der Oberpfalz

Die Bundesregierung will bis Ende 2019 in ganz Deutschland eine Internetgeschwindigkeit von mindestens 50 M-Bit/s. In der Oberpfalz gibt es noch viel zu tun.
 
Internet-Fernsehen, Musik hören oder surfen: Mit diesen Übertragungsraten läuft es flüssig.
 
Dorf mit Daten-Autobahn: In Schlattein im Landkreis Neustadt/WN können die Bürger seit kurzem bis zu 25-mal schneller im Internet surfen. Viele der rund 60 Einwohner sind jedoch kaum online. Bild: Gabi Schönberger

Trotz Störungen kommt der Breitbandausbau in der Oberpfalz voran: Bürger in kleinen Orten wie Schlattein im Landkreis Neustadt/WN surfen seit kurzem mit Hochgeschwindigkeit. In Ammerthal im Landkreis Amberg-Sulzbach kämpfen sie dafür mit hohen Kosten.

Amberg/Weiden. Die Abzweigung von der Staatsstraße 2181 ist leicht zu übersehen. Einen Kilometer vor dem Ort ist "Schlattein" das erste Mal auf einem Verkehrsschild ausgeschrieben. Nur eine einzige Straße führt durch das 60-Einwohner-Dorf im Landkreis Neustadt/WN. Die Straße spaltet sich am Ende in zwei Feldwege. Östlich des Ortes kommt Wald, dahinter die tschechische Grenze. Vor kurzem hat Schlattein schnelles Internet bekommen. Bis zu 50 M-Bit pro Sekunde (M-Bit/s) sind nun möglich. Zuvor waren es nur zwei M-Bit/s. Zu wenig für Online-Fernsehen oder Internet-Telefonie. Und zu wenig für den kleinen Online-Shop im Ort. Aus dem Daten-Feldweg ist eine Autobahn geworden.

Doch viele Bürger nutzen das Internet kaum. Hans Lang etwa: Er habe keine E-Mail-Adresse, spiele höchstens mal ein bisschen auf dem Tablet. Erna Acker hat auch kein Internet. "Ich fange damit nicht mehr an", sagt die 86-Jährige. "Ich habe eine Zeitung und das reicht." Reinhold Kunz dagegen ist die Umstellung schon aufgefallen: "Es ist eine Erleichterung für die Freizeit", sagt der 51-Jährige. "Wir schauen Fernsehen auf Sky. Früher hat es geruckelt, jetzt läuft es flüssig."

Online-Shop in der Idylle

Werner Löw ist dagegen im Online-Himmel: Der Breitbandausbau ist für ihn ein Segen, denn er verkauft biologische Reinigungsmittel über seinen Online-Shop. Zwar hatte er bereits schnelles Internet, doch das gab es in Schlattein nur über Funk. "Es war sehr sprunghaft und ist oft ausgefallen", sagt der 57-Jährige. Für 60 Gigabyte im Monat zahlte er 74 Euro. Seine Familie musste immer das Datenvolumen für den Betrieb des Online-Shops aufsparen: "Internetfernsehen oder so, das ging gar nicht, das haben wir schön sein lassen."

Für 40 Euro bekommt er nun ein stabiles Netz und muss keine Megabytes mehr sparen. Die Surfgeschwindigkeit hat sich verfünffacht: Statt etwa 10 M-Bit/s sind jetzt bis zu 50 M-Bit/s drin. "Für uns war das unbegrenzte Datenvolumen sehr wichtig. Wir brauchen das fürs Geschäft und das klappt ganz gut."

Fremdeln mit dem Internet

Die Übertragungsgeschwindigkeiten ziehen weiter Grenzen zwischen Stadt und Land: In Amberg und Weiden surfen über 95 Prozent der Nutzer laut Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums (Karte ) mit einer Geschwindigkeit von 50 M-Bit/s oder mehr. Schnelles Internet gehört zum Lebensstil. In Gegenden um Neustadt am Kulm, Falkenberg, Kohlberg, Edelsfeld, Nittenau und besonders Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf) ist man von 50 M-Bit/s weit entfernt: Laut Breitbandatlas können dort nicht einmal 10 Prozent der Haushalte mit dieser Geschwindigkeit ins Internet gehen.

"Wir werden Ende des Jahres die Vergabe machen", sagt Rudolf Reger, Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf. "Bis 2020 müsste dann jeder Haushalt im Landkreis mindestens mit 30 M-Bit/s versorgt sein. Wir haben versucht, mit den zur Verfügung stehenden Fördergeldern alles abzudecken, und nicht zu sagen, wir suchen uns die Filetstücke raus. 100 Prozent der Gemeinde sollen 30 M-Bit/s haben."

Flächendeckend mindestens 30 M-Bit/s, das ist das Ziel der bayerischen Staatsregierung. Der Bund legt noch eine Schippe drauf und will bis Ende 2019 flächendeckend mehr als 50 M-Bit/s. In das Bundesprogramm kommen Gehöfte, Weiler und abgelegene Dörfer. "Die bekommen jetzt sozusagen den Mercedes, nämlich das Glasfaser", erläutert Reger. Der Internetanschluss sei heute so wichtig wie Strom, Wasser und Kanalanschluss. "Wir mussten für die was tun. Die hatten bisher nichts."

Bei Glasfaser sei die Surf-Geschwindigkeit potenziell unbegrenzt. "Sie können auch 1000 M-Bit buchen, meinetwegen 10 000 M-Bit", sagt Reger. "Das müssen sie halt bezahlen." Mindestens 30 M-Bit/s für alle, das reiche bis 2020. Aber irgendwann müssten ohnehin alle ans Glasfaser-Netzwerk angeschlossen werden, findet der Pressesprecher.

Millionen-Förderung

Das Internet gilt als Medium, das die Chancengleichheit fördert und regionale Unterschiede ausgleichen soll. Bayerns Finanzminister Markus Söder warb für sein Breitband-Programm, kürzlich wieder in der Oberpfalz in Windischeschenbach.

1,5 Milliarden Euro sind im Topf, 97 Prozent der Gemeinden in Bayern dabei. Die Oberpfalz engagiere sich laut einer Pressemitteilung des Bayerischen Heimatministeriums herausragend beim Breitbandausbau. Mit 222 Gemeinden würden 98 Prozent im Förderverfahren berücksichtigt 209 Kommunen wurde inzwischen eine Fördersumme von insgesamt 100,3 Millionen Euro zugesagt. Ein Teil der Fördermittel von maximal rund 180 Millionen Euro für die Oberpfalz ist aber noch offen.

Ausbau hat Tücken

Die Umsetzung des Breitbandausbaus in Bayern ist dem freien Markt überlassen. Das hat seine Tücken: In der Gemeinde Ammerthal hat eine mittelständische Firma den Bürgern schnelles Internet gebracht. Bis zu 60 M-Bit/s gibt es vom Anbieter zu einem Preis von 64,90 Euro. In der Nachbargemeinde Poppenricht bietet ein Konkurrenzunternehmen bis zu 50 M-Bit/s zu 30 Euro im Monat, ein deutlich günstigeres Angebot. Allerdings hat die Firma Jobst-DSL den Ausbau in Ammersricht komplett selbst finanziert. "Wir kleinen Anbieter gehen dorthin, wo die Telekom nicht hingeht", sagt Inhaber Markus Jobst. "Die Kämmerer sind natürlich froh, wenn ein Anbieter das eigenwirtschaftlich ausbaut. Natürlich könnte man sagen, wir holen uns das von den Kunden wieder, aber das macht die Telekom ja auch."

Internet-Zugang: Worauf kommt es an?Wer sich einen neuen Internet-Anschluss zulegen will, sollte nicht nur auf den Preis und die versprochene Übertragungsgeschwindigkeit achten. Zunächst können die Unternehmen laut Auskunft der Stiftung Warentest oft die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit gar nicht garantieren. Über die Übertragungsrate entscheiden nämlich die Nachbarn mit: An einem Sonntagnachmittag wird viel gesurft. Das Internet ist dann meist langsamer als etwa Dienstag um 4 Uhr früh. Verbraucher sollten darüber hinaus auch prüfen, ob die vertraglich zugesicherte Geschwindigkeit an ihrer Adresse überhaupt erreicht werden kann (siehe Link ). Kunden sollten laut Stiftung Warentest Verträge nach kurzzeitigen Vergünstigungen in Kombination mit versteckten Preiserhöhungen untersuchen. Ein weiterer Faktor ist die Wartezeit bis zur Freischaltung des Anschlusses Anschluss und die Erreichbarkeit der Hotline.

Seit 1. Juni 2017 sind Mobilfunk-, Festnetz- und Internetanbieter verpflichtet, ein Produktinformationsblatt an ihre Kunden zu übergeben. Laut bayerischer Verbraucherzentrale ergänzt es den Vertrag und soll übersichtlich und einheitlich die wesentlichen Informationen zusammenfassen. Die Blätter sollen mehr Transparenz für Verbraucher schaffen. Vertragslaufzeit, Preis und die Datenübertragungsrate sind dort auf den ersten Blick ersichtlich. Kunden können so Anbieter schnell und unkompliziert miteinander vergleichen. Die Anbieter müssen die neuen Informationsblätter aushändigen, auslegen oder im Internet veröffentlichen. (dko)

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Wie schnell ist mein Anschluss? Weitere Informationen gibt es unter:

https://breitbandmessung.de/
2 Kommentare
92
Hans Werner aus Schmidgaden | 11.10.2017 | 23:42  
158
Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 12.10.2017 | 17:11  
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