05.03.2018 - 20:10 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

DGB wirbt für Betriebsratswahlen 2018 "Herz und Seele einer Firma"

In den Betrieben stehen Betriebsratswahlen an. Der Deutsche Gewerkschaftsbund wirbt dafür mit einer großen Serie von Veranstaltungen. Der Kreisverband Weiden-Neustadt sagt, warum sich ein Betriebsrat auch fürs Unternehmen auszahlt.

Auftakt für die Betriebsratswahlen 2018 beim DBG-Kreisverband Weiden-Neustadt. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

"Ein Unternehmer der den Betriebsrat verhindert, hat vielleicht gute Ideen, aber von Menschenführung keine Ahnung", sagt DGB-Kreisverbandsvorsitzender Josef Bock bei der Informationsveranstaltung zu den Betriebsratswahlen 2018. Betriebsräte zu blockieren ist für Bock "ein Angriff auf die Demokratie und eine Versündigung an der Unternehmenskultur". Unternehmen mit Betriebsräten wiesen außer einem besseren Arbeitsklima auch bessere Ergebnisse auf. Bock: "Die Betriebsräte sind Seele und Herz eines Betriebs." Organisiert wurde die Veranstaltung von DGB-Organisationssekretär Peter Hofmann, der dazu zahlreiche Betriebsratsvorsitzende und Kreisvorstandsmitglieder im Schützenhaus in Weiden begrüßte. Die DBG-Vertreter hoffen auf eine ähnlich hohe Wahlbeteiligung von knapp 80 Prozent wie in der Vergangenheit. Für eine hohe Wertschätzung der Betriebsratsarbeit plädierte auch Betriebsseelsorger Richard Wittmann von der Katholischen Betriebsseelsorge im Bistum Regensburg. "Betriebsräte sind Betriebswirtschaftler, Arbeitsrechtler, Gesprächspartner, geschickte Verhandlungsführer und oft auch Seelsorger." Wittmann nannte den zunehmenden Arbeitsdruck und die Arbeitsverdichtung, die Integration von Flüchtlingen und die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt als Herausforderungen. Beide großen Kirchen rufen zur Beteiligung an den Betriebsratswahlen auf.

Über ihre erfolgreiche Arbeit berichteten dann Betriebsratsvorsitzende aus großen Betrieben der Region. Richard Kick von Oberpfalzmedien begleitet die Umstrukturierung in der Medienbranche und beschäftigt sich dabei auch mit den Themen Großraumbüro und Lärm. Für Lothar Haberzeth von der Bayernwerk AG reicht das Spektrum der Betriebsratsarbeit "vom Personalabbau bis zum Essen". Laut Hans Klinger von der Flachglas Wernberg GmbH hat der Betriebsrat 1999 durch ein Beteiligungsmodell der Beschäftigten "den Standort gerettet". Im Zeitalter von Industrie 4.0 und dem Wegfall fester Arbeitszeiten gehe es darum festzulegen: "Was ist Arbeitszeit, was wird bezahlt?"

Wie der Betriebsrat die Umstrukturierungen der Constantia Hueck Folien abgefedert habe, berichtete Bernhard Rohl. Abschließend schilderte Helmuth Meindl von ATU die Phase des Aufbaus eines neuen Betriebsrats und die derzeit beginnenden Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan im Zusammenhang mit dem geplanten 15-Millionen-Personaleinsparprogramm.

Betriebsratswahlen

Die Betriebsratswahlen finden laut Betriebsverfassungsgesetz alle vier Jahre von 1. März bis 31. Mai statt. Somit beträgt die regelmäßige Amtszeit vier Jahre. Die Mitglieder des Betriebsrats führen ihr Amt unentgeltlich als Ehrenamt. Freistellungen von der beruflichen Tätigkeit gibt es ab einer Betriebsgröße von 200 Arbeitnehmern. Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Das Gesetz spricht davon, dass in "Betrieben mit fünf ständigen Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, Betriebsräte gewählt werden". Diese Formulierung wird manchmal als Muss-Vorschrift interpretiert, in den meisten Kommentierungen jedoch nicht. (sbü)

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