05.12.2017 - 18:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die Weidener Bildungskoordinatorin berichtet Langer Weg zur Integration

Die Wirtschaft sucht dringend Nachwuchs. Die Blicke fallen dabei auch auf die jungen Flüchtlinge. Doch viele Hürden müssen dabei noch überwunden werden.

Sie arbeiten eng zusammen: Bildungskoordinatorin Julia Lenhart (links) und Zukunftscoach Roswitha Ruidisch. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Seit Anfang Februar arbeitet Julia Lenhart als Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte. Ihre Arbeit wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. In einer ersten Zwischenbilanz berichtete sie nun darüber. Begonnen habe alles mit Gesprächen in Einrichtungen und Organisationen, die Bildungsarbeit für junge Zuwanderer leisten. Dabei standen die Integrationskurse verschiedenster Bildungsträger sowie die Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen und an der FOS/BOS im Mittelpunkt. Ein Überblick zu aktuellen Bildungsangeboten für Neuzugewanderte solle demnächst auf der Homepage der Stadt veröffentlicht werden.

Zwei Kernthemen

Bei den Vorarbeiten der Bildungskoordinatorin habe sich rasch herausgestellt, dass Handlungsbedarf in zwei Kernthemen bestehe. "Ausbildungsfähigkeit herstellen" und "Alphabetisierung unterstützen", zählt Lenhart dazu auf. Der Besuch von Integrationskursen und -klassen sei für die jungen Zuwanderer zwar ein wichtiger erster Schritt, aber "es wäre naiv zu glauben, dass damit die Integration abgeschlossen ist". Auch die in Einzelfällen sogar im B-Bereich zertifizierten Sprachkenntnisse reichten nicht aus, um die Fachsprachen der Arbeitswelt zu verstehen. Notwendig sei, bei allen Aktivitäten langfristig zu denken und die Übergänge gemeinsam mit allen Beteiligten abgestimmt zu begleiten.

Bei der Vorbereitung der jungen Zuwanderer auf eine berufliche Ausbildung müssten außerdem auch "deutsche Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Ordnung vermittelt werden", stellte Lenhart fest. Später solle so der Übergang in Ausbildung und Arbeitsmarkt gelingen. Bildung verhindere auch Ausgrenzung, sowohl gesellschaftlich als auch auf dem Arbeitsmarkt. Noch gebe es großen Handlungsbedarf, denn derzeit befinden sich, gemessen an der Gesamtzahl, erst wenige Flüchtlinge in Maßnahmen der Einstiegsqualifikation oder Ausbildung in den Betrieben. Lenhart sieht sich inzwischen bei allen Beteiligten "gut vernetzt". Darüber hinaus steht sie in engem Kontakt mit Bildungskoordinator Christian Frey vom Landkreis Neustadt/WN. Unterstützt werden die kommunalen Bildungskoordinatoren durch die aus Mitteln des Bundesbildungs-und Forschungsministeriums geförderte Transferagentur Bayern. Sie berät und sorgt durch überregionale Veranstaltungen für einen Erfahrungsaustausch. Innerhalb der Stadtverwaltung steht die Arbeit von Bildungskoordinatorin Lenhart in enger Verbindung mit dem Projekt Zukunftscoach, geleitet von Roswitha Ruidisch, sowie der Arbeitsmarktinitiative der Stadt Weiden.

"Bildung integriert"

Ein Feld der Zusammenarbeit wird auch das Projekt "Bildung integriert" sein. Zu den wichtigsten Aufgaben der Arbeitsmarktinitiative gehört schon seit Jahren die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit junger Menschen. Im Lenkungsausschuss der Arbeitsmarktinitiative bestehe für die Bildungskoordinatorin auch eine gute Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit allen wichtigen Akteuren der Jugend- und Erwachsenenbildung und der Wirtschaft.

Bildungsexpertin Lenhart will nach ihrem eigenen Selbstverständnis die Erfahrung aus der Arbeit mit jungen Zuwanderern später auf weitere Personengruppen übertragen. "Bildung als Basis für eine gelungene Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt" gelte auch für viele andere Personengruppen, stellt sie fest.

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