15.05.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Diskussion über Frauenförderung Nur mit Quote

Das Thema "Frauen in Führungspositionen" wird seit Jahren diskutiert, ohne dass sich Grundlegendes verändert. Warum das so ist, darauf hat ein Soziologe aus München einige interessante Antworten.

Der Experte für Gleichstellung von Männern und Frauen Soziologieprofessor Dr. Carsten Wippermann
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) "Neue Arbeitswelt - Frauenwelt?" lautete die Ausgangsfrage einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in der OTH in Weiden, veranstaltet von Hochschule, Stadt Weiden, Landkreis Neustadt und Bundesagentur für Arbeit. Seit Jahren schreitet der Frauenanteil in Führungspositionen nur sehr langsam voran. Dabei gibt es kaum jemanden, der sich dagegen ausspricht. Den tieferen Gründen für diesen Widerspruch wollten die Veranstalter auf die Spur kommen.

Der Münchner Soziologe Carsten Wippermann gilt als Experte für das Thema Gleichstellung. In seinem Vortrag zum Thema "Frauen in Führungspositionen und "Was junge Frauen wollen" gab er zahlreiche Antworten auf die Ausgangsfrage. In mehreren Forschungsprojekten hatte sich der Wissenschaftler damit beschäftigt. Zunächst stellte Wippermann fest: "Unter allen 931 Vorstandspositionen der größten deutschen Unternehmen befinden sich nur 76 Frauen." Andererseits hätten in den Studien die Interviews mit männlichen Führungskräften ergeben, dass Frauen in Führungspositionen "grundsätzlich positiv gesehen werden".

"Gläserne Decke"

Diesen Gegensatz nennt Wippermann "mentale Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre". Dann zählte er die Faktoren auf, die letztendlich verhinderten, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Es sind tief im Bewusstsein von Männern liegende Einstellungen, die in den Untersuchungen herausgearbeitet worden sind. Wippermann spricht von einer "gläsernen Decke" hinter die er in seinen Befragungen geschaut habe.

Die Liste der Gründe, warum Frauen nicht in Führungspositionen gelangen, ist lang. Generell geht es um gesellschaftliche Rollenbilder von Führungstätigkeiten, gegen die Frauen meist chancenlos seien. Ein Rollenbild heißt: "Das Topmanagement verlangt Härte." Viele hätten ein Frauenbild, das dazu nicht passt. Männliche Führungskräfte strebten auch mit dem Aufrechterhalten der vorhandenen Führungsstrukturen die "Bestandswahrung eines kulturellen Erbes an, das als Unternehmenserfolg gilt".

Ferner werde der traditionelle "Rollenspagat Kinder und Beruf" als negativ empfunden, weil die für erforderlich gehaltene Kontinuität in der Berufsbiografie in Gefahr sei. Wippermann entdeckte bei Männern die Einstellung, dass Frauen die Aufgabe hätten, den "Männern den Rücken frei zu halten". Bei der Partnerwahl empfahl Wippermann die Frage zu prüfen: "Habe ich einen Mann, der meinen nächsten Karriereschritt unterstützt?" Realität sei laut Wippermann auch: "Frauen müssen sich zwischen Beruf und Kinder entscheiden." Untersuchungsergebnisse gab es auch zum Thema "Was wünschen junge Frauen?". Die wichtigste Antwort lautete "Flexibilität von Arbeitszeit und Arbeitsort".

"Quote entscheidend"

Um mehr Frauen in Führungsposition zu bringen, empfiehlt Wippermann: "Eine Quote ist entscheidend, nicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf." Appelle reichten nicht, die Logik müsse durchbrochen werden. Dem Vortrag folgte eine von Aniko Willems moderierte Podiumsdiskussion. "Ich bin von den Untersuchungsergebnissen erschüttert. Ich dachte, wir seien schon weiter", sagte Claudia Wildenauer-Fischer, Bereichsleiterin der Arbeitsagentur Weiden. Für Wirtschaftsclub-Vizepräsident Stefan Rank muss sich "die Arbeitswelt nach den Menschen richten". OTH-Präsidentin Andrea Klug sah als Aufgabe der Hochschule das "Vorleben des Vereinbarkeitsmodells". Unternehmerin Maria Rupprecht betonte: "Wir beschäftigen fast nur Frauen, also auch in Führungspositionen." Studierende Kristin Pensold bestätigte die im Vortrag dargestellten Wünsche junger Frauen.

Als Organisationsteam wirkten OTH-Vizepräsidentin Prof. Dr. Christiane Hellbach, Zukunftscoachin Roswita Ruidisch und Gleichstellungsbeauftragte Monika Langner von der Stadt Weiden, die Beauftragte für Chancengleichheit Margot Salfetter von der Arbeitsagentur. Gleichstellungsbeauftragte Johanna Hauer vom Landkreis Neustadt/WN und Özlem Ajazaj-Tangobay vom OTH-Zentrum für Gender und Diversity.

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