07.02.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Enge betriebshöfe bremsen Super-lkw aus Gigaliner: Viel Lärm um nichts

Weiden/Amberg. Einen weiten Bogen schlagen große Oberpfälzer Speditionen um die sogenannten Gigaliner. Das hat meist einen praktischen Hintergrund: Die 25,25 Meter langen und bis zu 40 Tonnen schweren Super-Lkw, die seit Januar auf den Straßen rollen dürfen, sind für viele Betriebshöfe und -rampen zu monströs. "An den Verlade-Rampen zahlreicher Firmen haben schon die normalen Sattelzüge Schwierigkeiten beim Rangieren", sagt Wolfgang Gullich. Die neuen Lang-Lkw sind um 6,5 Meter länger als die herkömmlichen Lastzüge - und müssen spätestens vor engen Kurven kapitulieren. Der Inhaber der Spedition Gullich in Fensterbach verweist auf unbekannte örtliche Gegebenheiten: "Es kann gut sein, dass die Gigaliner dort nicht abgeladen werden können."

Theoretisch dürfen die "Lang-Lkw" regulär auch in der Oberpfalz verkehren. Die Realität sieht anders aus. Bild: dpa
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

"Kein Thema" sind die überlangen Lkw deshalb bei den von NT/AZ angefragten Speditionen Schwarz aus Nabburg sowie Träger und Wagner in Amberg. Ebenso wenig für die Ziegler Group (Betzenmühle, Kreis Tirschenreuth): "Die Gigaliner rentieren sich für uns nicht, weil die Strecken zu kurz und nicht standardisiert sind", sagt Sprecher Fabian Hummel. Es gebe deshalb keine Bestrebungen, aufzurüsten. Es gehe bei der Firma Ziegler vor allem um Container für die Seehäfen. Die Ziegler Group unterhält eine Flotte von 64 Lastzügen. Die Anwohner dürfen aufatmen ...

Ungeeignete Güter

"Gigaliner sind nur bei leichten, sperrigen Gütern, die viel Platz brauchen, sinnvoll. Von diesen leichten Gütern gibt es in den Oberpfälzer Fertigungsbetrieb herzlich wenig", erklärt Fritz Gollwitzer aus Weiden. Der Inhaber der Spedition Gollwitzer mit 30 Lastzügen weist - wie sein Kollege Gullich - auf erhebliche Probleme beim Zusammenstellen und Koppeln in den vielfach engen Betriebshöfen hin. "Außerdem fahren die Gigaliner ja nicht nur auf den Autobahnen." Stimmt. Rund 11 600 Straßenkilometer stehen ihnen in Deutschland offen, darunter alle Autobahnen in Bayern (also auch A 93 und A 6) sowie die Bundesstraße B 15 zwischen Saalhaupt und Neufahrn. Selbst jenes Unternehmen in der Region, das täglich Waren von relativ geringem Gewicht zu seinen rund 600 Filialen transportiert, hat mit Gigalinern nichts am Hut. "In unserer Logistik arbeiten wir aufgrund der Liefer-Struktur mit Wechselbrücken-Systemen, kombiniert mit Ladebordwänden. Darauf ist unser gesamter Lkw-Fuhrpark ausgerichtet. Daher kommt für uns das Gigaliner-Konzept nicht in Frage", teilt der Pressesprecher von ATU, Markus Meißner, kurz und bündig mit. ATU beliefert mit rund 70 eigenen Sattelschleppern seine Filialen von den Zentrallagern Weiden und Werl (bei Dortmund) aus mit Tausenden verschiedenen Autoteilen. Die Gigaliner kommen nur für große Industrie-Unternehmen, vor allem in Ballungszentren, in Betracht.

Die Gigaliner rentieren sich für uns nicht, weil die Strecken zu kurz und nicht standardisiert sind.Fabian Hummel, Sprecher der Ziegler Group
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