18.04.2018 - 16:38 Uhr
Oberpfalz

Entrümpelungsfirma entsorgt vermeintlich illegal Ärger am Container

Auf dem heimlich aufgenommen Foto sieht es wüst aus. Vor dem Kofferraum eines Kleinlasters türmen sich an einer Wertstoffinsel bergeweise Altkleider. Doch was nach unerlaubter gewerblicher Abfallentsorgung riecht, ist alles rechtens.

Diese heimliche Aufnahme soll einen Fall illegaler Abfallentsorgung belegen. Obwohl es danach aussieht, ist die Sache weitgehend in Ordnung. Bild: exb
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der Fall erreichte Oberpfalz-Medien online vor einigen Tagen. "Frechheit" heißt es da, "Betrug bei Wohnungsauflösungen in Weiden. Festpreise vereinbaren und den Müll abends in den städtischen Container entsorgen. Für die Entsorgung beim Kunden abkassieren und auf Kosten der Stadt und der Bürger entsorgen. Da wundern sich die Bürger, dass die Müllpreise explodieren. Das ist Betrug und unlauterer Wettbewerb gegenüber anderen Firmen."

In der Tat lässt die Praxis stutzen, doch abgesehen davon, dass die Entrümpelungsfirma eine Ermahnung kassierte, weil sie erst nach der Schließung der Wertstoffinsel an der Nikolaus-Otto-Straße anrückte, hat sie sich nicht falsch verhalten, erklärt Stadt-Pressesprecher Norbert Schmieglitz: "Die Stadt bedankt sich für den Hinweis und freut sich über die Unterstützung der Bürger bei vermeintlichen Müllvergehen. Dieser Fall ist bereits seit Ende März bekannt und wurde mittlerweile durch das Fachamt geprüft. Die Entrümpelungsfirma hat versichert, keinen Abfall unerlaubt entsorgt zu haben. Lediglich Kleider und Papier seien in die Container gegeben worden."

Aber handelt es sich dabei nicht um Gewerbemüll? Nein, sagt Johannes Zierock vom Sachgebiet Abfallwirtschaft: "Es macht keinen Unterschied, wenn Sie bei einer Wohnungsauflösung eine Firma beauftragen, Altkleider zu entsorgen oder selber den Schrank ausräumen und zum Container fahren. Sie haben ja lediglich einen Dienstleister beauftragt." Anders verhalte es sich bei Gewerbe- oder Sperrmüll, wo in der Regel die Müllumladestation die richtige Adresse ist. Was der Entsorgungsfirma im konkreten Fall anzukreiden sei, ist aber, dass sie Klamotten und Papier am Container sortiert hat. Das sollte schon dort erfolgen, wo der Müll anfällt.

In der Regel sollten es immer "haushaltsübliche Mengen" sein. Bei Gartenabfällen sei das ein Kubikmeter pro Tag und Grundstück. Aber das sei schwer zu kontrollieren, sagt Zierock. "Wenn ein Hausmeisterservice mehrere Kunden nacheinander betreut, können Sie kaum nachweisen, welche Menge von welchem Grund kommt."

Was den Weidener Abfallexperten indes mehr stinkt, ist Müll, der nicht im Container, sondern irgendwo neben und vor der Wertstoffinsel landet. Zierock: "Unsere Leute schauen jeden Tag nach, wie die Sammelstellen aussehen. In der Stadt kann ich schon verlangen, dass jemand zur nächsten Insel oder zum Wertstoffhof fährt, wenn sein Stamm-Container voll ist."

Pressesprecher Schmieglitz verweist auf die Abfallwirtschaftssatzung und die Abfallberatung unter Telefon 0961/3901912. Die Stadt habe erst jüngst ihre Kontrollen intensiviert. Nacht- und Nebelentsorger würden unverzüglich angezeigt.

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