06.05.2018 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Erster Hackathon der Region als ertragreiche Ideenschmiede Kommt die arztlose Praxis?

Es war eine Veranstaltung, wie es sie in der Region noch nie gab. Zusammen mit der OTH Amberg-Weiden und weiteren Kooperationspartnern hatte das Landratsamt Neustadt/WN zum dreitägigen Hackathon "Rural Health" in die Räume der Hochschule in Weiden eingeladen. Entwickelt wurden innovative Modelle zur Lösung aktueller Probleme im Gesundheitswesen, vor allem für den ländlichen Raum.

Farblehre beim ersten Hackathon: Grüne Shirts tragen die Arbeitsgruppen, blaue die Helfer. Nach drei intensiven Tagen sieht keiner von ihnen rot. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Zur Eröffnung am Freitag war Finanzminister Albert Füracker gekommen (wir berichteten). Landrat Andreas Meier betonte in seiner Begrüßung, dass er sich mit der Veranstaltung sowohl Konzepte für die eigene Region, aber auch "Blaupausen für andere" verspricht. Sechs Arbeitsgruppen (genannt "Challenges") entwickelten Projekte in Form von umsetzungsfähigen Geschäftsmodellen. Die Arbeitsgruppen bestanden vorwiegend aus Studenten für medizinische Berufe sowie aus Vertretern von Organisatoren des Gesundheitswesens. Fachexperten standen für Spezialfragen zur Verfügung. Vorträge zu medizinischen Themen gab es im Rahmenprogramm.

Das Themenspektrum der Arbeitsgruppen reichte von der Versorgung psychisch Kranker bis hin zum Dokumentationsaufwand in der Pflege. Sechs Konzepte wurden am dritten Tag vorgestellt und von einer Fachjury bewertet. Darunter war unter dem Arbeitstitel "Schon wieder zum Arzt" eine neu entwickelte Plattform "intersektorale Patientenakte", die allen behandelnden Ärzten eines Patienten den Zugriff auf die jeweiligen Patientendaten ermöglicht. Ein Modell zur besseren Essensversorgung ältere Patienten sowie eine Internetplattform für Aktivitätsangebote waren ebenfalls dabei.

Den Preis für den innovativsten Vorschlag erhielt ein Konzept, das unter dem Namen "Munchkin" vorgestellt wurde. Es soll Menschen, die aus einer psychischen Klinik entlassen werden, vor einem Rückfall schützen. Die Geschäftsidee sieht zunächst die Sammlung von möglichst vielen Patientendaten in einem Datenspeicher (Cloud) vor. Daraus wird dann eine individuelle virtuelle Therapie auf der Basis künstlicher Intelligenz entwickelt. 250 000 Euro würden gebraucht, um zuverlässige Algorithmen dafür zu entwickeln. Rasch würden sich dann rund zwei Milliarden Euro an Gesundheitskosten jährlich einsparen lassen, hieß es in der Präsentation. Der Vorschlag erhielt auch den Publikumspreis .

Den Preis für die beste Geschäftsidee bekam ein neues Dokumentationssystem im Pflegebereich, den Preis für den größten Patientennutzen ein Vorschlag zur Verbesserung der ambulanten Wundversorgung von Patienten. Die organisatorische Leitung des Hackathons hatte Tobias Gantner von der Firma "Healthcare Futurists". Gantner sieht den Vorteil dieser Veranstaltung darin, dass "Menschen zusammenarbeiten, die im normalen Leben dies nie tun".

OB Kurt Seggewiß freute sich, dass "viel Hirnschmalz in die Gesundheitsregion gesteckt wird". Für die Vorstellung der Konzepte durch die Arbeitsgruppen waren lediglich vier Minuten vorgesehen. Zwei Minuten lang konnten Fragen gestellt werden. Die Preisträger nehmen nun auch an einer Digitalisierungstagung der Europaregion Donau Moldau am 28. Juni in Weiden teil.

Hackathon

Hackathons (zusammengesetzt aus "Hack" und "Marathon") fanden bisher vorwiegend in Großstädten statt. Sie haben ein festes Veranstaltungsformat, das zur Entwicklung innovativer Hardware- und Softwarelösungen führen soll. Auch der Wettbewerb gehört zum Ablaufschema. (sbü)

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