06.06.2017 - 22:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erster Schritt für "Elefanten-Hochzeit" der Genossen Raiffeisenbank Weiden zu 100 Prozent für die Verschmelzung (aktualisiert)

Die Mitglieder der Raiffeisenbank Weiden machten am Dienstagabend den Weg frei für die "Elefanten-Hochzeit" der regionalen Genossenschaftsbanken: Einstimmig - zu 100 Prozent - votierten sie bei der 115. ordentlichen Vertreterversammlung in der Max-Reger-Halle für das Zusammengehen mit der Volksbank Nordoberpfalz und der Raiffeisenbank im Stiftland.

Einstimmig votierten die Mitglieder der Raiffeisenbank Weiden bei der 115. ordentlichen Vertreterversammlung in der Max-Reger-Halle für die Fusion mit der Volksbank Nordoberpfalz und der Raiffeisenbank im Stiftland.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

"Unter dem Gesichtspunkt der Vernunft spricht alles für diese Verschmelzung", warb Vorstand Hermann Ott eindringlich für diesen Schritt zur leistungsfähigen Regionalbank. Zuvor hatte Ott für 2016 starke Zahlen präsentiert: Die Bilanzsumme stieg um 4,4 Prozent auf 843,7 Millionen Euro. Die Raiffeisenbank Weiden ist Marktführer bei Wohnungsbaufinanzierungen und Immobilien-Vermittlungen. Sie gewann im vergangenen Jahr weitere Marktanteile - und 1200 neue Kunden.

Mit Erleichterung und Beifall quittierte die Versammlung am Dienstagabend in der Max-Reger-Halle die 100-prozentige Zustimmung. Wie überfällig die „Platz-Fusion“ ist, machte Vorstand Hermann Ott vor der öffentlichen Abstimmung (per Akklamation) deutlich: Überall in Bayern – außer in Straubing – haben sich die genossenschaftlichen Banken am gleichen Platz bereits zusammengeschlossen.
Die einmaligen Fusionskosten von 2,5 Millionen Euro sollen sich „relativ schnell“ amortisieren: „Mittelfristig beträgt der Fusions-Nutzen mindestens 5 Millionen Euro pro Jahr.“
„Folie des Grauens“
Ott machte eine einfache Rechnung auf: Die Zinsspanne, die fast zwei Drittel des Ertrags ausmacht, schrumpfte von früher 3 Prozent auf heute unter 2 Prozent. So sank bei der Raiffeisenbank Weiden 2016 der Zinsüberschuss um 280 000 Euro auf 13,35 Millionen Euro. Gleichzeitig reduzierten sich die Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen um 284 000 Euro. Dem gegenüber steht eine Erhöhung der Provisionseinnahmen um lediglich 289 000 Euro.
Dazu kommt der horrende Aufwand für die Regulatorik. Die von Ott gezeigte „Folie des Grauens“ weist 40 000 (!) bindende Vorgaben und Vorschriften auf: Solche Kontroll-Aufgaben müssen dann nur noch ein Mal, nicht mehr drei Mal gemacht werden. Diesem Kostendruck soll die Fusion mit „klugem Kosten-Management“ und Wachstum im Kreditgeschäft gegensteuern. Eine enorme Herausforderung bedeutet die Digitalisierung: Auf einen Kunden-Kontakt in der Filiale kommen bereits 500 Online-Kontakte. Vorstand Hermann Ott: „Wenn die Geschwindigkeit der Veränderungen außerhalb unserer Genossenschaft schneller ist als innerhalb, haben wir irgendwann ein Problem ...“
Ausbau Lagerhaus Wurz
Ott beteuerte, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen geben werde. Betriebsrat und Mitarbeiter stünden „voll und ganz“ hinter der Verschmelzung. Im Vorfeld tagten 35 verschiedene Projekt- und Arbeitsgruppen. Bei der Fusion setzen die Verantwortlichen „weiterhin auf Regionalität und schnelle Entscheidungen“. Sowohl das Warengeschäft, wie auch die Filialen in Tschechien werden als „strategische Geschäftsfelder der Zukunft gesehen“. So stehen der Ausbau des Lagerhauses Wurz für 2,5 Millionen Euro und die Eröffnung einer fünften Filiale in Westböhmen – in Karlsbad – an. Aus dem derzeit siebenköpfigen Vorstand wird ab Anfang 2019 ein Vierer-Gremium. Die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder reduziert sich von zunächst 17 auf 9 im Frühjahr 2018: Je zwei kommen von den beteiligten Banken (für die RB Weiden Winfried Hecht und Manfred Lehner) und drei Aufsichtsräte aus den Reihen der Mitarbeiter.
„Diese genossenschaftliche Regionalbank wird nicht nur in der Größe einzigartig sein“, betonte Hauptrevisor Helmut Thurn vom Genossenschaftsverband Bayern (GVB). „Auch die menschliche Seite scheint zu passen.“ Bei allen Vertreterversammlungen – am Mittwochabend RB im Stiftland in Waldsassen und am Donnerstag Volksbank in Weiden – sind immer auch Vorstände und Aufsichtsräte der beteiligten Banken zugegen.
Bei der Fusion tritt die Volksbank Nordoberpfalz in die „Gesamtrechtsnachfolge“, inklusive des kompletten „Vermögens-Übertrags“. Die Höhe der Geschäftsanteile beträgt einheitlich 100 Euro (plus 100 Euro Haftung). „Wir müssen die Kosten senken und Synergien nutzen, um weiter eine leistungsfähige Regionalbank zu sein“, sprach Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Hecht von einem historischen Schritt. „Die drei Banken gehören und passen zusammen. Gemeinsam werden wir noch besser.“
Für die Fusion ist ein Votum von mindestens 75 Prozent der Mitglieder erforderlich. Die Raiffeisenbank Weiden gab quasi die "Steilvorlage" für einen erfolgreichen Verlauf…

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