22.03.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Experten greifen an OTH in Weiden brisante Themen auf „Droht Banken und Sparkassen der Infarkt?“

Die Fachtagung stand unter der Überschrift "Cash or Crash Upload, droht Banken und Sparkassen der Infarkt?" In den Vorträgen ging es um die Frage des Vermögensschutzes, vor allem in Krisenzeiten. Dazu hatte die Vermögensberatungsgesellschaft pro aurum zusammen mit der OTH eingeladen. Dass derzeit Krisenzeiten herrschen, stand für die Referenten in Anbetracht von Minus-Zinsen und drohenden Spekulationsblasen außer Frage.

Zum Nachdenken, weit über den wirtschaftlichen Bereich hinaus, regten die Vorträge an: OTH-Professor Bernt Mayer, Wolfgang Zürn von der Volksbank Löbau-Zittau, Johann Gess von pro aurum München, Christian Wolf von Global Resources Invest Weiden, Reinhold Zapf und Uwe Bergold von Global Resources Invest (von links). Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Die Ursachen dieser Krisen liegen fast immer in Fehlentscheidungen, die in einem sich ständig wiederholenden Grundmuster menschlichen Verhaltens: Mit diesem Grundmuster beschäftigt sich vor allem die Psychologie. Darüber sprach Organisations- und Wirtschaftspsychologe Professor Dr. Bernt Mayer von der OTH Amberg-Weiden. Unter Hinweis auf die Nobelpreisträger Daniel Kahnemann und Amos Tversky nannte Prof. Mayer zwei Arten des Denkens "automatisch-intuitiv und rational". Nicht Vernunft und nüchterne Analyse bestimmten das Verhalten, sondern die automatisch-intuitiven Muster zur Beurteilung einer Wirklichkeit. Viele Informationen würden dabei überhaupt nicht wahrgenommen. Fehlverhalten würde sich so ständig wiederholen.

Unser Verhalten sei außerdem von einer "Verlust-Aversion" geprägt, denn Verluste würden viel schmerzhafter als entgangene Gewinne empfunden. "Die Leute verteidigen den Status quo, verkaufen viel zu spät und werfen sogar gutes Geld dem schlechten hinterher", sagte Mayer. Das eigene Kontrollvermögen werde überschätzt. Gruppen- und Konformitätsdruck sowie Herdentrieb wirken verstärkend. Mayer empfiehlt deshalb ein "Management der irrationalen Verhaltensweisen", weil das menschliche Denken nur begrenzt beeinflussbar sei.

Bestätigt und ergänzt wurden die Thesen Mayers im Vortrag von Christian Wolf von Global Resources Invest Weiden. Seit dem 17. Jahrhundert würden Boom- und Crash-Phasen in Wirtschaft und Wertpapierhandel nach demselben Muster verlaufen. Treiber seien Gier und Angst. Massenpsychologische Verhaltensweisen beginnen mit Gleichgültigkeit, dann kommen Freude, Euphorie, Angst, Panik und Verzweiflung. "In der Phase von Panik und Verzweiflung sind private Anleger längst aus dem Markt", stellte Wolf fest.

Auch im Vortrag von Johann Gess von pro aurum München wurden ähnliche Beobachtungen geschildert. "Bei politischen Ereignissen stehen 300 Menschen bei uns vor der Tür und wollen Edelmetalle kaufen." Recht pessimistisch beurteilte der Gold- und Börsenexperte Uwe Bergold die Situation von Wirtschaft und Finanzmärkten. Unter Hinweis auf die weltweite Verschuldung sagte er: "Der niedrige Zins führt zu Verhalten, das sonst nicht stattfindet". Aktuell gebe es die dritthöchste Aktienmarktbewertung seit 150 Jahren. Bergold misst die langfristige reale Wertentwicklung von Bruttosozialprodukt, Kaufkraft, Vermögen und Wertpapierkursen am Goldpreis und kommt dabei auf hohe zweistellige Verlustraten. Faktisch sei dies eine Inflation, die zu Umverteilung und Ausradierung der Mittelschicht führe. Über die Goldene Straße informierte Reinhold Zapf.

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