12.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Freisprechungsfeier der Wintergesellen "Sie werden dringend gebraucht"

Für junge Handwerksgesellen sind die Berufsperspektiven zurzeit so gut wie noch nie zuvor. Konjunktur und Nachwuchsmangel verstärken sich gegenseitig.

Die erfolgreichen Absolventen der Wintergesellenprüfung 2017/18 der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz zusammen mit Ausbildern und den Ehrengästen der Feierstunde. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Bei der Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz für die Absolventen der Wintergesellenprüfung 2017/18 haben es alle Redner angesprochen. Wer ein Handwerk gelernt hat, steht vor einer sicheren Zukunft.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß drückte es in seinem Grußwort am deutlichsten aus: "Sie werden dringend gebraucht, Betriebe legen den roten Teppich aus." Die Auftragsbücher im Handwerk seien voll und der Nachwuchsmangel sorge dafür, dass "wir oft viel telefonieren und warten müssen, bis ein Handwerker kommt". Seggewiß sprach die Absolventen in Berufen an, bei denen ausnahmslos der Fachkräftemarkt leergefegt ist. Insgesamt 169 Maler und Lackierer, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Metallbauer, Elektroniker, Mechatroniker und Schreiner haben ihre Ausbildung beendet.

In der Festansprache von Alfred Kuttenlochner, Landesausbildungsleiter des Fachverbandes Energie und Gebäude, kam ein ähnlicher Gedanke zum Ausdruck: "Nicht nur die akademische Ausbildung, sondern auch die Ausbildung im Handwerk sichert die berufliche Zukunft." Kuttenlochner fordert deshalb "ein Umdenken bei den Eltern" und ein "Zusammenrücken aller Beteiligter". Um das Interesse am Handwerksberuf bei Schülern zu steigern, empfahl er Aktionen in den Schulen bereits ab der dritten Klasse. Gute Erfahrung hätte man in seinem Heimatbezirk Landshut mit der "Mint-Werkstatt" gemacht. Begleitet von erfahrenen Meistern könnten sich bereits Kinder dabei "handwerklich betätigen".

Die Freisprechung selbst wurde von Kreishandwerksmeister Joachim Behrend vorgenommen. Für Behrend ist es wichtig "in der jetzigen Zeit des demographischen Wandels und einer Vielzahl von unbesetzten Lehrstellen und dem Mangel an guten Facharbeitern das Handwerk positiv darzustellen". Freisprechung von den Pflichten der Ausbildung heißt für Behrend Verantwortung, denn zukünftig seien die jungen Gesellen "stärker in der Verantwortung, für sich selbst und für ihren Arbeitsplatz". Das Stichwort griff dann Johannes Roth als Sprecher der Prüfungsabsolventen auf: "Wir sind jetzt keine Lehrlinge mehr, wir sind Gesellen". Seine Lehrjahre lobte er mit dem Satz: "Ich bin dabei mehr in fremden Ländern herumgekommen als in meiner gesamten Schulzeit."

Josef Schlosser, Vorsitzender des Oberpfälzer Handwerkerbundes, lud die Absolventen zur Mitarbeit im Handwerkerbund ein. Aus der Hand der jeweiligen Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse erhielten die neuen Handwerksgesellen schließich ihre Gesellenbriefe. 187 haben sich der Prüfung unterzogen und 169, also 90,4 Prozent, haben sie erfolgreich abgelegt. Die größte Gruppe unter den neuen Gesellen bildeten die Elektroniker, Fachrichtung Automatisierungstechnik mit 66 Absolventen, gefolgt von 37 Metallbauern und 23 Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Als beste Absolventen mit der Gesamtnote "Eins" wurden folgende neun Absolventen ausgezeichnet.

Anlagemechaniker SHK: Andreas Höcht (Haustechnik Ayaz GmbH Co. KG in Altenstadt/WN) und Felix Meyer (Haustechnik Hopf - Heizung, Sanitär und Solar e. K. in Waldsassen).

Elektroniker Automatisierungstechnik: Peter Bäumler und Anja Piehler (beide Witron Logistik + Informatik GmbH in Parkstein), Johannes Färber (ontec automation GmbH in Naila), Marcel Potzel (Wiegel Gebäudetechnik GmbH in Kulmbach), Johannes Roith (F.EE Industrieautomation GmbH & Co. KG in Neunburg vorm Wald), Fabian Walter und Tobias Zenger (beide SITLOG GmbH in Altenstadt/WN).

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