11.04.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Frontal 21" berichtet - Vorwürfe: Betriebsrat verhindert, Belästigung, Betrug am Kunden ATU: Totalschaden fürs Image

(ca/fku) Der "Tag danach". Markus Meißner, ATU-Pressesprecher, hat offenbar mit deutlich mehr Medienresonanz gerechnet. "Ramasuri hat grad angerufen." Das sei's auch schon gewesen. Er tippt an einem Rundschreiben. Etliche Mitarbeiter wollten wissen, was sie den Kunden sagen sollen, die am Mittwoch eigentlich nur eines interessiert: "Stimmt das?"

Doris Günther-Brundidge schoss scharf. Juristische Folgen ihres Fernsehauftritts fürchtet sie nicht: "Ein rational denkender Mensch wird mich nicht nochmal angreifen." Bild: ma
von Redaktion OnetzProfil

In acht Minuten und 26 Sekunden hat das ZDF-Magazin "Frontal 21" die Werkstattkette ATU versenkt. So lange dauerte am Dienstag, 21 Uhr, der Beitrag "Geprellte Kunden - belästigte Mitarbeiter". Vieles war nicht neu, etwa die torpedierte Betriebsratswahl. Auch die Vorwürfe gegen einen inzwischen "gegangenen" Kollegen wegen sexueller Belästigung waren bekannt. Die eigentliche "Bombe" in der Sendung war der Betrugsvorwurf der ehemaligen Revisionsleiterin Doris Günther-Brundidge: ATU habe in "einigen hundert Fällen" Verschleißteile abgerechnet, aber nicht eingebaut. Das sitzt. Der Imageschaden dürfte enorm sein.

Seit Januar stand die ehemalige Leiterin Revision in Kontakt mit den "Frontal 21"-Autoren Christian Esser und Dana Nowak. "Der neue Tag" war informiert, hielt sich aber an die Absprache, erst unmittelbar vor dem Sendetermin über den Beitrag zu berichten. Das ZDF fürchtete gerichtliche Schritte, die eine Ausstrahlung hätten verhindern können.

Vor Gericht: Da könnten sich Doris Günther-Brundidge und ATU tatsächlich noch einmal treffen. Doris Günther-Brundidge hatte in "Frontal 21" einen dicken Ordner aus ihrer alten Abteilung präsentiert. Es handle sich dabei um Aufträge einer Filiale, in der Kunden bei Inspektionen Verschleißteile in Rechnung gestellt wurden. Diese Teile seien nicht eingebaut, sondern im Lager geblieben und bei der Inventur als "Plus-Differenz" ausgewiesen worden.
ZDF-Journalist Esser konfrontierte mit dieser Aussage einen ATU-Großkunden: Hubert M. Terstappen, Geschäftsführer der gleichnamigen Mietwagen-Flotte. Der Hanseat wurde reichlich blass um die Nase und war "schockiert". Der Vorgang soll nachverfolgt werden. Auch Hertz will laut ZDF "prüfen".

ATU: nur schriftlich

ATU-Geschäftsführer Manfred Ries hatte nicht vor die Fernsehkameras treten wollen. Das Unternehmen äußerte sich am 6. April schriftlich zu den Vorwürfen. Es handle sich um eine einzelne Filiale, bei der es zu einem "Überbestand an Ölfiltern" gekommen sei. Sprecher Meißner sagte am Mittwoch dem NT, dass Doris Günther-Brundidge selbst diese Ungereimtheiten damals aufgedeckt habe. "Die Vorwürfe, Teile wurden berechnet, aber nicht eingebaut, treffen jedoch nicht zu. Das war vor zwei Jahren in einer Filiale. Wir haben 600 Filialen mit 13 000 Mitarbeitern."

Neben Günther-Brundidge stellte sich Fuhrparkleiter Manfred Symanzik dem TV-Team als Interviewpartner zur Verfügung. 26 Jahre ist er bei ATU. Nach schwerer Krankheit hatte ihm der Geschäftsführer den Vorruhestand angeboten. Bis Symanzik für den Betriebsrat stimmte - dann sei das Angebot vom Tisch gewesen.
Eine gewisse Genugtuung dürfte der Beitrag für die IG Metall Amberg sein, die sich mit ATU über die Einsetzung eines Betriebsrats gestritten hat. Zweiter Bevollmächtigter Udo Fechtner sieht die Befürchtung der Gewerkschaft bestätigt, dass die Mitarbeiter bei einem Verkauf von ATU ohne Betriebsrat schutzlos seien. Im ZDF hatte Experte Ferdinand Dudenhöffer diese Sichtweise bestätigt (siehe Kasten). Gleichzeitig sorgt sich Fechtner um die wirtschaftliche Zukunft von ATU. Flottenkunden könnten die Betrugsvorwürfe ausnutzen, "um Druck zu machen". Personelle Konsequenzen seien schließlich wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung über längere Zeit hinweg denkbar. "Wenn das so zutrifft, stellt sich die Frage, ob man auch den Vorstand auswechselt."

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