31.07.2017 - 21:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gastkommentar des Börsenexperten Robert Beer Europa zieht Kapital an

Europa zieht Kapital an

von Externer BeitragProfil

Von Robert Beer

Vor gut einem halben Jahr wurde Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Entgegen der allgemeinen Erwartung stiegen die Aktienmärkte deutlich und der US-Dollar setzte zum Höhenflug an.

Umgekehrt schien der Euro ins Bodenlose zu stürzen und den Zerfall Europas widerzuspiegeln. Gründe waren der Brexit, die schwache konjunkturelle und finanzielle Verfassung der Südländer, die ungelöste Flüchtlingskrise, aufkeimender rechter und linker Populismus. Daher prognostizierten die Experten einiger großen Bankhäuser bei einem Stand von 1,02 Euro/US-Dollar das baldige deutliche Unterschreiten der Wechselkurs-Parität. Das war der perfekte Kontraindikator, wie so oft bei derartigen Prognosen.

Seither steigt der Euro zum US Dollar auf aktuell 1,17 Euro/Dollar. Wie ist das zu erklären? Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Donald Trump nur sehr mäßig bis gar nicht entsprechend seiner Versprechen liefern kann. "Amerika first" verliert an Anziehungskraft. Umgekehrt scheint sich Europa positiv zu entwickeln. Der Brexit wird weggesteckt und scheint für mehr Vernunft und Geschlossenheit in der EU zu sorgen. Frankreich hat mit Philippe Marcon als Präsident einen neuen Hoffnungsträger für Frankreich und Europa. Die rechte Gefahr scheint - wie auch in den Niederlanden - im Sande zu verlaufen.

Die Euro-Staaten erhalten durch die ultraleichte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank enorme finanzielle Entlastung bisher in Höhe von 1000 Milliarden Euro seit Beginn der Finanzkrise durch Ersparnis bei den Schuldzinsen. Das Geld wird jedoch in den meisten Staaten nicht zur Schuldentilgung verwandt, sondern zur Erhöhung der Staatsausgaben. Die Konjunktur in Europa zieht auf breiter Front an. Deutschland bildet die Lokomotive und läuft auf Hochtouren, angeheizt durch starken Export und die Immobilienwirtschaft.

Der Ifo Konjunkturindex ist auf Rekordniveau. Starke Konjunktur und Geld zum Nulltarif bedeuten rosige Zeiten für Investoren und weiterhin schlechte Zeiten für Sparer oder Besitzer von Anleihen, Lebensversicherungen und ähnlichen zinsabhängigen Produkten. Die EZB wird die ultraleichte Geldpolitik beibehalten.

Durch den erstarkten Euro wird sich die Inflationsrate nicht markant erhöhen, was der EZB bei ihrer aktuellen Politik entgegenkommt. Insgesamt zeigt Europa eine aufkommende Stärke. Das zieht internationales Kapital an: Wie es die aktuelle Wechselkursentwicklung belegt.

robert.beer[at]robertbeer[dot]com Fondsmanager aus Parkstein

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