27.04.2018 - 17:40 Uhr
Oberpfalz

Georg Steger ("Ring") sieht schwarz für Multiplex Kein großes Kino?

Wer ins Kino geht, darf träumen und in eine Fantasiewelt eintauchen. Doch wer ein Kino betreibt, muss vor allem eines: penibel rechnen. "Und dann ist sofort klar, dass es kein weiteres Kino in Weiden geben wird", stellt Georg Steger fest, der sich erstmals zu den Hoffnungen auf ein modernes Multiplex-Kino in Weiden äußert.

Das bereits seit Jahren entkernte und zum Abbruch vorbereitete Anwesen Schillerstraße 3 (links), auf das Georg Steger sein Ring-Kino erweitern wollte, wird einem Wohn- und Geschäftshaus Platz machen. Danach wird auch das ungenutzte Ring-Kino für eine neue Verwendung umgebaut. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Nach Ansicht des bald 50-Jährigen, der einer Kino-Familie entstammt, werde es in Weiden weder ein zusätzliches kleines Fünf-Säle-Haus noch ein großes Multiplex-Kino geben können. Die Familie Steger hat das Capitol-Kino-Center aufgegeben und geschlossen. Auch das Ring-Kino werde sie nie mehr als Kino öffnen. Der Betrieb ist unrentabel geworden. Trotz aller Bemühungen lasse sich die Zahl der Kino-Gänger nicht auf das Niveau steigern, das nötig wäre, um etwa die Kosten für ein zehn Millionen Euro teures Zwölf-Säle-Kino-Center langfristig und gesichert zu erwirtschaften. "Da kannst einfach nichts planen."

Einbruch bei Besucherzahl

Steger fühlt sich durch die Zahl der Kinogänger am vergangenen Wochenende "mehr als bestätigt": Bundesweit nahmen nämlich nur 354 000 Cineasten im Kinosessel Platz. "Das ist für April ein absoluter Negativ-Rekord. Dabei haben wir nicht einmal die schlechten Tage, noch keinen Sommer und keine Fußballweltmeisterschaft." An Frühjahrswochenenden standen früher durchschnittlich über zwei Millionen Besucher an der Kinokasse an."

In seine beiden Häuser habe er in der Vergangenheit etwa ein Promille der Kinogänger ziehen können. "Das wären bei allen Veranstaltungen auf der Allee und in der Schillerstraße also rund 2000 gewesen. Zum Vergleich: Am vergangenen Wochenende, also am Freitagabend, dem ganzen Samstag und Sonntag, hätten sich rechnerisch 345 Besucher zu uns verirrt. Allein im Ring-Theater hatten wir 318 Plätze, im gesamten Capitol waren es 378."

Auch einigen neuen Multiplex-Kinos gehe es nicht gut. "Da verrate ich kein Geheimnis", meint Steger. "Die Häuser laufen nicht so, wie es sich die Investoren vorgestellt haben." Die Branche kämpfe mit verschiedenen Problemen: "Die Leute haben grundsätzlich weniger Zeit. Mit Netflix, Amazon usw. können sie sich ihr Filmvergnügen ganz schnell zu sich nach Hause holen. Mit einem 3D-Beamer, für 1500 Euro aus China, lassen sich alle Filme auf eine drei Meter breite Leinwand projizieren."

Es gebe aber auch die andere Gruppe, die das exklusive Kinoerlebnis suche und dieses etwa in Premium-Häusern wie dem "Cinecitta" in Nürnberg auch fänden. "Da gibt's dann den Welcome-Drink und die Käseplatte, daneben wartet das Gourmet-Restaurant. Aber man ist dort eben auch mal schnell mehr als 100 Euro für einen Kino-Abend los."

Kino-Tradition beendet

Die Kino-Tradition in seiner Familie sei zu Ende. "Wir haben das alles auch mit Geldgebern durchgespielt. Eine große Investition in unserer Branche rechnet sich nicht", fasst Georg Steger zusammen. Zunächst werde er das Grundstück Schillerstraße 3 veräußern, auf das er vor einigen Jahren das Ring-Kino erweitern wollte. Es gebe mit einem Investor bereits einen Optionskaufvertrag.

Eine Bauvoranfrage für ein Service-Center und darüber - auf vier Etagen - Wohnungen liege im Bauamt. Sei dieses Projekt genehmigt und realisiert, wolle er ebenfalls in den Umbau des Ring-Kinos in ein Wohn- und Geschäftshaus investieren. "Ein Kino wird es hier nie mehr geben."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp