19.02.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Gewerbegebiet Weiden-West IV löst zursätzliche Verkehrsbelastung aus Vierspuriger Ausbau der B 470 nötig?

Noch ist kein Quadratmeter Grund gekauft, noch kein Baum gefällt, auch kein Krümelchen Erde bewegt. Doch schon heute ist klar: Der Weg zum neuen Gewerbegebiet West IV ist schwieriger als bisher geglaubt. Im Mittelpunkt steht die Verkehrsführung.

Schon heute ist dieser Knoten überlastet. Wie kann die Kreuzung Dr.-Müller-Straße/B 470 den Verkehr verkraften, den das Gewerbegebiet West IV generieren wird? Der Verkehrsgutachter schlägt eine Ampel vor, und fordert aber auch mittelfristig jeweils zwei Geradeaus-Spuren auf der B 470. Bild: Meister
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bei der Bürger-Werkstatt bekannte Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer von der Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr: "Es wäre schlichtweg der GAU, wenn alle Betriebe in West IV um 7 Uhr mit der Arbeit beginnen würden." Das macht hellhörig. Er räumt ein, dass schon heute die Belastungsgrenzen an der Einmündung der Dr.-Müller-Straße in die B 470 erreicht seien. Rund 18 000 Fahrzeuge passieren pro Tag diesen Knoten. Und mit dem neuen Gewerbegebiet sind je nach Planfall zusätzliche 2437 bis 4851 Fahrzeuge durchzuschleusen. Dennoch schlägt Ulzhöfer in seinem Verkehrsgutachten nur die Errichtung einer Ampel-Anlage vor. Warum? Sie sei schnell zu verwirklichen und vergleichsweise billig. Unterm Strich muss der Grundstückspreis für West IV konkurrenzfähig bleiben. Das sei auch eine politische Forderung.

Verkehr entzerren

Der Verkehrplaner will Nutzungen vorgeben, Betriebe mit Schichtbetrieb oder flexible Arbeitszeiten, zum Beispiel Forschungseinrichtungen. Damit soll das Verkehrsaufkommen entzerrt werden. Ulzhöfer zeigt sich phantasiereich, um die Verkehrsbelastung zu reduzieren. So knapst er zum Beispiel dem Bau-Areal vier Hektar für Freizeit- und Sporteinrichtungen ab, die ein geringeres Verkehrsaufkommen auslösen. Ebenfalls zur Entzerrung soll etwa die Nutzung von Teilbereichen für Senioren-Pflegeeinrichtungen und Kinderbetreuung dienen.

Ein Umbau des Knotens B 470/Dr.-Müller-Straße zu einem Kreisel oder zu einer signalisierten Kreuzung sei schon vor der Bebauung der ersten Grundstücke im Gebiet West IV erforderlich, "da bereits im Prognose-Nullfall (ohne West IV) mit der heutigen Knotengeometrie keine ausreichende Leistungsfähigkeit mehr sichergestellt werden kann". Umso mehr erstaunt dann die folgende Feststellung im Verkehrsgutachten: "Solange das Gebiet West IV erst maximal bis zur Hälfte genutzt wird, könnte die B 470 ohne größeren Umbau den Verkehr bewältigen."

B 470 eventuell vierspurig

Ebenfalls überraschend: "Der langfristig ... nötig werdende vierspurige Ausbau der B 470 vom Brandweiher bis zur A 93 kann mit dem Gewerbegebiet Weiden West I bis II nicht zwangsläufig verknüpft werden, auch ein Zusammenhang mit dem Gewerbegebiet West IV ist nicht schlüssig nachweisbar." Hier ist die überörtliche Entwicklung zu betrachten.

Dennoch findet Ulzhöfer klare Worte: "Mit einer Lichtsignalanlage ohne nennenswerten Knotenumbau kommt es vor allem während der Morgenspitze trotz Annahme von Umlaufzeiten von bis zu 90 Sekunden zu Überlastungen. Daher wird ein Ausbau des Knotens mit jeweils zwei Geradeausspuren zur Gewährleistung der ausreichenden Leistungsfähigkeit erforderlich. Für diesen Lösungsansatz sind jedoch noch Detailuntersuchungen notwendig."

Staatliches Bauamt fordert Nachweis

In drei seiner vier Varianten geht Verkehrsgutachter Robert Ulzhöfer davon aus, dass ein "westlicher Anschluss" des Gewerbegebiets an die B 470 gebaut wird. Dies wird bisher vom Staatlichen Bauamt strikt abgelehnt. "Dort wird es einen Schlagbaum geben, den nur Sicherheitskräfte öffnen können", betont Bauamtsleiter Henner Wasmuth gegenüber Oberpfalz-Medien.

Leitender Baudirektor Henner Wasmuth und seine Experten sind bereit, den Weg zu einer Ampelanlage an der Dr.-Müller/B 470 mitzugehen. "Wenn der Gutachter nachweist, dass die Ampellösung funktioniert, wird von uns kein Veto kommen", deutet Wasmuth an. "Wir können als Vertreter des Bundes von der Stadt keine sehr teure Lösung erzwingen." Während der Gutachter davon ausgeht, dass die B 470 im Kreuzungsbereich vierspurig ausgebaut wird, zeigen sich die staatlichen Straßenbauer davon ebenfalls nicht begeistert. (wd)

Pläne überarbeiten

Am 16. Februar endete die Frist für die frühzeitige Bürgerbeteiligung zum Bebauungsplan Weiden West IV. 26 Weidener sowie über 30 Träger öffentlicher Belange meldeten sich mit ihren Anregungen oder Bedenken zu Wort. In den nächsten Tagen werden diese Stellungnahmen, ein Großteil davon betrifft die Themen Verkehr, Lärm und Entwässerung, in den Bebauungsplan eingearbeitet. "Es folgen die nächsten Konkretisierungsschritte aufgrund realistischer Annahmen", kündigt Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel mit Blick auf das große Treffen der beteiligten Planer am 1. März an. (wd)

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