11.01.2018 - 19:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gewerkschafter Peter Hofmann nützt auch Gesetzeslücken Trick mit Flexi-Rente

Er ist der Oberpfälzer Gewerkschafter, den die Politiker in Berlin inzwischen fast ein bisschen fürchten: Peter Hofmann, DGB-Regionssekretär in Weiden, bringt schon mal Ex-Arbeitsministerin Andrea Nahles in Verlegenheit.

Rentenschreck der Politik: Weidens DGB Regionalsekretär Peter Hofmann. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Ich habe sie bei einer Pressekonferenz zur Rente mit 63 gefragt", erinnert sich Peter Hofmann, "ob es sein kann, dass die Besserstellung der 1950er Jahrgänge damit zu tun hat, dass diese Altersgruppe auch bei der Wahlbeteiligung vorne liegt." Die SPD-Ministerin Andrea Nahles fing damals nicht zum Singen an, vielmehr schnaubte der Pippi-Langstrumpf-Fan: "Möchten Sie darauf wirklich eine Antwort?"

Tatsächlich hat sich der Gewerkschafter aus Luhe (Kreis Neustadt/WN) so tief in die Materie gewühlt, dass inzwischen nicht nur Ratsuchende bis aus Dortmund zur Erwerbsminderungsrenten-Beratung nach Weiden kommen. Der Mann mit Zeitungshintergrund findet immer wieder Lücken in den Gesetzestexten - wie die Benachteiligung gerade schwacher Einkommensgruppen bei dieser Sonderform der Rente (wir berichteten). Dieses Mal ist Hofmann bei der Flexi-Rente auf eine Regelung gestoßen, die Geringverdienern Vorteile bringt: "Nach dem neuen Gesetz, das zum 1. Juli in Kraft trat, kann man mit kleinem Einkommen richtig profitieren." Der Rentenexperte nennt ein Beispiel: "Ich hatte jetzt den Fall, bei dem ein Arbeitnehmer zum 1. Februar 2018 seine Rente beantragt hatte - der Bescheid lag schon vor, wir haben widersprochen, weil ich eine bessere Lösung gefunden habe."

Da der Kollege, Jahrgang 1953, nach 45 Beitragsjahren bereits im Oktober 2017 mit 64 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen hätte können, datierte Hofmann dessen Renteneintritt auf den 1. November zurück. "Das gab zwar erst Bedenken von der Rentenkasse, doch ich konnte das mit Anton Mühlhölzl, Berater bei der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, abklären - das geht!" Die positive Konsequenz: Der glückliche Klient kassiert zusätzlich zum Bruttolohn von 2000 Euro von November bis April 1000 Euro Rente. "Dazu kommt eine Betriebsrente von 350 Euro und eine Abfindung von 10 000 Euro, weil er ja noch über ein Jahr hätte arbeiten können, aber einen Auflösungsvertrag unterschrieb."

Ein Geldregen für einen Malocher, der sein ganzes Leben geschuftet hat. "Die 6300 Euro Flexi-Rente, die man im Jahr dazu verdienen kann, haben wir fast ausgeschöpft." Wenn er freilich anschließend weiterarbeiten möchte, würde die ungünstige Konstruktion des Gesetzes greifen: "Entscheidend für die Berechnung sind die letzten 15 Jahre", erklärt er. Wegen eines Zuverdienstdeckels - der mit zunehmendem letztem Gehalt sinkt, seien alle benachteiligt, die in dieser Lebensphase nicht entsprechend eingezahlt haben - also etwa nur halbtags beschäftigt waren.

Hofmanns rechnet vor, wie dadurch ein Mann, der vorher gut verdient hat, gegenüber einer Frau, die halbtags beschäftigt war, im Vorteil ist: "Wenn beide 1500 Euro brutto dazu verdienen werden der Frau aufgrund des gehaltsbezogenen Deckels 664 Euro abgezogen, dem Mann nur 390 Euro." Gute Gründe, um der Politik weiter auf die Nerven zu gehen: "Wer soziale Gerechtigkeit verspricht, muss sie auch schaffen", sagt er listig. Dennoch lobt der Gewerkschafter: "Die Gesetzesnovelle von 2014 ist die beste bisher." Sie sei nur noch nicht ganz ausgefeilt. "Aber die SPD ist auf einem guten Weg."

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