25.03.2018 - 18:28 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

IG BCE fordert Standorterhalt - Sozialplan für Mitarbeiter angestrebt Großdemo vor Werkstoren der Polytec-Group

Es ist ein alter Weidener Industriestandort: das "Detag"-Gebiet im Stadtsüden. Für Polytec soll es weiter ein Standort bleiben. Darauf pocht die Gewerkschaft und weiß die Politik an ihrer Seite.

"Jobkiller" steht auf einem Transparent, Gaby Hübner spricht per Megafon zu den Demonstranten. Die IG BCE fordert den Standorterhalt von Polytec oder bei einer Werksschließung einen Interessensausgleich mit einem Sozialplan. Bild: rdo
von Autor rdoProfil

Mit vielen Klatschhänden und Trillerpfeifen haben die Gewerkschafter der IG BCE am Samstag vor dem Werkstor ihrem Unmut Luft gemacht. Das Werk der Polytech Group in Weiden soll zum Jahresende 2019 schließen. 87 Arbeitsplätze würden wegfallen, viele Familien bangen um ihre Existenz.

Als Interessenvertreterin hatte IG-BCE-Betriebsbeauftragte Gaby Hübner die Demo am Nachmittag organisiert. Zu der gewerkschaftlichen Veranstaltung hieß sie auch Bundes- und Landespolitiker sowie Arbeitnehmer an der Friedrich-Ochs-Straße willkommen. Forderungen zum Erhalt des Werkes in Weiden wurden laut. 2020 könnte das 130-jährige Standortjubiläum begangen werden. Bürgermeister Lothar Höher (CSU) zeigte sich entsetzt darüber, was mit den Beschäftigten geschieht. Leider gebe es Unternehmen, die für ihre Arbeiter nichts übrig haben, man bezeichne diese als "Heuschrecken". Es sei zutiefst unmenschlich, und er appellierte an das soziale Empfinden der Betriebsführung. Die Stadt Weiden mit dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat stehe solidarisch an der Seite der Betroffenen.

"Ihr seid nicht allein", bekräftigte auch der Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch (SPD). Die Beschäftigten leisteten über Jahre hinweg gute Arbeit. Es sei eine ganz hässliche Facette des Kapitalismus, wie mit ihnen umgegangen werde. Es habe auch keine 2,5-prozentige Tariferhöhung gegeben. Die Politik werde bis zum letzten Tag Druck ausüben. Die Landtagsabgeordnete Annette Karl (SPD) sprach den Sanierungstarifvertrag, um die Firma zu stützen, an. Jetzt laufe es nur auf eine Gewinnmaximierung hinaus.

Trotz guter Leistungen werde hier zugesperrt, kritisierte Ali Daniel Zandt von der Partei "Die Linke". Die vielen Anwesenden zeigten das öffentliche Interesse. Zandt verlas einen Brief der Bundestagsabgeordneten Susanne Ferschl (Kaufbeuren), wonach Polytec 140 Millionen bis 2020 in Modernisierungen von Werken stecke. Weiter bezeichnete Ferschl darin den Umgang mit dem Weidener Werk als zynisch.

Als Bezirksleiter der IG BCE stellte Hartmuth Baumann die Frage, warum es in Weiden nicht weitergehe mit der Produktion - angesichts ausgezeichneter Fachkräfte. Mit einem Plan soll der Erhalt des Werkes in Weiden eingefordert werden. Er hoffe, dass Vernunft in der Geschäftsleitung einkehre und rief zu einem Sozialtarifvertrag auf. Nötigenfalls scheue die Gewerkschaft auch den Weg zur Polytec-Zentrale ins etwa 300 Kilometer entfernte Hörsching bei Linz in Österreich nicht, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Polizei, vertreten unter anderem durch Einsatzleiter Polizeidirektor Klaus Müller, sicherte die Veranstaltung ab. Sie verzeichnete eine friedliche Demonstration.

Polytec-Holding

Die seit 2006 börsennotierte Polytec Holding AG betreibt 26 Produktions- und Entwicklungsstandorte mit Stammsitz in Österreich und Standorte in Deutschland, Ungarn, Belgien, Niederlande, Schweden, Großbritannien, Tschechien, Slowakei, Türkei, USA, China mit 4500 Beschäftigten. Das Unternehmen ist Komplettanbieter im Bereich Spritzguss, Spezialist für faserverstärkte Kunststoffe sowie Produzent von Originalzubehörteilen aus Kunststoff. (rdo)

Ihr seid nicht allein.Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp