04.03.2018 - 21:48 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Jubiläum und Hausmesse der Bäko Oberpfalz 100-jährige Erfolgsgeschichte

Die Eröffnung der traditionellen Hausmesse der Bäko Oberpfalz durch Geschäftsführer Walter Beer fiel heuer aus dem Rahmen. Der Grund dafür liegt genau 100 Jahre zurück. 90 Aussteller sind seit Sonntag beim Jubiläum in die Max-Reger-Halle.

Jubiläumsfeierstunde vor der Eröffnung der Bäko-Hausmesse: Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (Dritter von rechts), der die Geschichte der Bäko eng mit der Stadt verbunden sieht, lobte: "In großen Verbünden kann die Regionalität auch schwinden, es ist gut so wie es ist." Bild: Reinhard Kreuzer
von Reinhard KreuzerProfil

Heute wie vor hundert Jahren sei eine starke Bäko an der Seite des Handwerks überlebenswichtig, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Josef Arnold. Die Aufgabenstellung der Bäcker- und Konditorengenossenschaft sei heute aber umfangreicher geworden. Arnold erinnerte in seinem Rückblick in der Feierstunde, dass im März 1918 neun tatkräftige Bäckermeister unter der Leitung von Obermeister Georg Schärtel beschlossen, sich genossenschaftlich zu organisieren. Sie wollten gemeinschaftlich Roh- und Betriebsstoffe einkaufen, um günstiger zu fahren. Doch nach dem 1. Weltkrieg war zwar die Euphorie groß, trotzdem herrschte Mangel an allem, was es für die Bäcker schwierig machte, die Bevölkerung mit Brot zu versorgen.

Wirtschaftliche Not zwang, zusammenzuarbeiten, um zu überleben. "Die Gesetze der Marktwirtschaft haben allen zum Durchbruch verholfen. Die kleinen Bäcker verschwanden oder wurden zu Verkaufsstellen, zunehmend ersetzten Maschinen die Arbeit. Doch Energie war rar und teuer", erzählte Arnold.

1920 erfolgte der Beitritt zur Reichszentrale der deutschen Bäckergenossenschaften, dem Vorläufer der heutigen Bäko-Zentrale. Schon fünf Jahre später wurde die Bäko Weiden Mitglied der neu gegründeten Weidener Gewerbebank, dem Vorläufer der Volksbank-Raiffeisenbank. Ein ständiges Auf und Ab prägte die Jahre zwischen den Weltkriegen. So erscheint 1930 in den Büchern nur noch der Verkauf von 1807 Doppelzentnern Mehl, zwei Jahre vorher waren es noch 28 Eisenbahnwaggons. Bei der Mehlknappheit gab es wenig zu verbacken, Zuteilungsmarken bestimmten die Versorgung.

Erst um 1948 mit der Währungsreform habe sich die Belieferung mit Lebensmitteln wieder langsam normalisiert, so Arnold. Das Lager bei Hans Götz zog in die Bachgasse zu Geschäftsführer Josef Wagner um. Der erste Lkw Tyü Ostner-Rex mit Plane und 0,7 Tonnen Ladegewicht wurde angeschafft. Drei Jahre später erwarb die Genossenschaft das Anwesen Sedanstraße/Luitpoldstraße.

Unter der Geschäftsführung von Alfred Wassermann wurde begonnen, auch Bäckereien außerhalb Weidens zu versorgen. Ab 1976 erfolgte die Belieferung von Gaststätten, Kantinen, Großküchen und Krankenhäusern, das Lager wurde erweitert und eine Maschinenabteilung installiert. In dieser Zeit waren 300 Mitglieder in der nördlichen Oberpfalz eingetragen. Genossenschaften in Amberg, Regensburg, Marktredwitz, Bayreuth, Selb und Hof existierten nicht mehr, es kam die Zeit der Fusionen. Unter Reinhard Schuhmann wurden für den Tiefkühlmarkt neue Räume geschaffen. Er folgten erfolgreiche Jahre bis heute, wo mit Walter Beer ein Eigengewächs den Betrieb leitet.

"Sorgen bereiteten die ständig wachsende Bürokratie und Gängelung durch die öffentliche Hand", so Arnold. "Immer mehr kleine Bäcker gaben auf, die großen Filialisten wuchsen und auch bei den Lieferanten ist der Konzentrationsprozess auf nur noch wenige Großbetriebe zu verspüren." Gunter Hahn, Geschäftsführer der Bäko Zentrale Süddeutschland, betonte, dass die Weidener stolz auf das Erreichte sein können. Im Anschluss lud Beer die Ehrengäste zum Messerundgang ein.

Die Messe mit rund 90 Ausstellern wurde auch vom Publikum gut angenommen. Bereits am ersten Tag kamen Kunden aus den Regionen von Hof bis Regensburg, von Auerbach bis zur tschechischen Grenze.

Breites Angebot

90 Aussteller präsentierten noch heute: Tiefkühl(TK)-Backwaren, Snackartikel, Backmittel, Getränke, TK-Fleisch- und Kartoffelprodukte, Aromen, Fette, Brotschneide- und Rührmaschinen, Handelswaren, Waagen, Feinkost, Verpackungsmaterial, Ladenbau, Reinigungsmaschinen und -mittel, Käse- und Wurstwaren, Registrierkassen und Verkaufsfahrzeuge. (nt/az)

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