05.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Jugendliche können sich besser ausprobieren Weniger Azubis, mehr Stellen

Weiden/Amberg. In der Oberpfalz brechen etwa 30 Prozent der Auszubildenden im Handwerk ihre Lehre ab. Die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz schockt diese Zahl nicht. Es ist ein Trend, der sich schon seit Jahren abzeichnet: Immer weniger Bewerber für immer mehr Stellen.

von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

1929 Auszubildende haben im vergangenen Jahr ihre Ausbildungsverträge in der Oberpfalz aufgelöst. Davon haben 1024 Auszubildende ihre Lehrstelle gar nicht angetreten oder den Vertrag bereits im ersten Lehrjahr wieder gelöst. Die Abbrecherquote liegt in Ostbayern laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bei etwa 30 Prozent.

Für Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, ist das kein Grund zur Sorge: "Etwa die Hälfte der Auszubildenden bleibt im Handwerk und wechselt nur den Betrieb. Durch die häufigeren Wechsel ist die Quote in den letzten Jahren gestiegen." Insgesamt arbeiteten im vergangenen Jahr 15 648 Auszubildende im Handwerk.

Der Ausbildungsmarkt habe sich verändert. Dafür führt er verschiedene Gründe an: Demografischer Wandel, Trend zur akademischen Bildung und die Vielzahl an freien Ausbildungsstellen. Aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit geht hervor, dass im Oktober 2017 in der Oberpfalz von 11 954 verfügbaren Stellen 2032 unbesetzt blieben. "Es gibt immer mehr verfügbare Stellen, allerdings werden es immer weniger Bewerber", erklärt Schmidt.

Dieses große Angebot an freien Stellen führt dazu, dass sich die jungen Leute mehr ausprobieren. "Es ist wichtig, dass die Auszubildenden rausfinden, welcher Beruf der richtige für sie ist", gewinnt Schmidt dieser Entwicklung etwas Positives ab, weiß aber auch, dass es für die Unternehmen eine Herausforderung ist: "Die Betriebe sind nun gefordert, die Konkurrenzsituation ist gestiegen. Es geht den jungen Leuten aber nicht nur um Gehalt, sondern auch um Perspektiven im Betrieb und Flexibilität bei den Arbeitszeiten." Hier sieht er auch Chancen für mittelständische Betriebe, sich von großen Unternehmen abzuheben. Der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) nennt Gründe für die Unzufriedenheit: Azubis klagen über Probleme wie Überstunden, Konflikte mit Ausbildern und ungünstige Arbeitsbedingungen, räumen aber auch falsche Berufsvorstellungen ein.

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