23.01.2018 - 21:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kämpferische Gewerkschaft fordert die Politik Verdis Superwahljahr

Für Verdi ist 2018 ein besonderes Jahr: "Wir wählen von oben bis unten alle Gremien", sagt Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner. Dazu die bayerische Landtagswahl: "Ein Superwahljahr!"

Oberpfälzer Verdi-Vorkämpfer: (von links) Oskar Salfetter, Alexander Gröbner, Petra Graf, Manuela Dietz und Manfred Haberzeth. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft hat keineswegs vor, sich dabei auf eine passive Rolle zu beschränken. Im Gegenteil. Alexander Gröbner ist stolz darauf, dass es zwei Verdi-Herzensangelegenheiten in die Sondierungsgespräche für eine Neuauflage der Groko geschafft hätten: "Rente und Pflege standen im Schlaglicht der Sondierung."

Beim Pressegespräch in Weiden hatten die Arbeitnehmervertreter weit mehr Themen auf dem Schirm:

  • Tarifrunde im öffentlichen Dienst: Im öffentlichen Dienst mit seinen rund fünf Millionen Beschäftigten (inklusive Kommunen) befinde man sich in der Tariffindung. "Es dürfte auf eine Gehaltsforderung von rund 6 Prozent hinauslaufen", sagt Bezirksvorsitzende Petra Graf. Dazu wünsche sich Verdi Verbesserungen bei Altersteilzeit, Ausbildungsvergütung und Übernahme von Azubis. "Die wirtschaftliche Ausgangslage rechtfertigt Lohnerhöhungen", rechnet Graf die Prognose von 3 bis 4 Prozent mehr Steuereinnahmen gegen.
  • Verbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung: "Es ist kein Naturgesetz, dass die Renten sind, wie sie sind", kritisiert Oskar Salfetter, Vorsitzender des Regionsvorstands Weiden. Das Nachbarland Österreich zeige, dass es anders gehe, wenn der politische Wille gegeben sei. "Ein Facharbeiter bekommt bei vergleichbaren Daten 40 Prozent mehr Rente bei gleichem Bruttolohn - und der Clou: 14 Gehälter."
  • Bildungsfreistellungsgesetz: "Das schöne Bayern, in dem die Berge grün und die Flüsse blau sind", kleidet Manuela Dietz, stellvertretende Bezirksvorsitzende, ihre Schelte in ein Landschaftsbild, "ist eines von zwei Ländern, das kein Bildungsfreistellungsgesetz hat - dabei wäre es völkerrechtlich verpflichtend." Gerade in Zeiten von Fakenews und Politikmüdigkeit, findet sie, wäre das ein so wichtiges Recht: "Mitmachen kann nur, wer was weiß."
  • Krankenhausfinanzierung: "Wir hatten vor den Fallpauschalen eine Personalberechnung, in der die Betreuung mit drinnen war", erklärt die gelernte Krankenschwester Dietz die chronische Unterfinanzierung des Systems und Überlastung des Personals, "heute nicht mehr." Dazu fresse der Bürokratismus zusätzlich Zeit am Bett: "Warum muss ich notieren, dass ich den Patienten gewaschen habe?"
  • Kampagne "Entlastung im Krankenhaus und in der Pflege": "Wir haben es in eineinhalb Jahren geschafft, darzustellen, was wir unseren Patienten antun", freut sich Dietz über die öffentliche Aufmerksamkeit. Der Achtungserfolg: Pflegeuntergrenzen für pflegeintensive Tätigkeiten.
  • Bayerische Verfassung: "Einfach in die bayerische Verfassung schauen", rät Manfred Haberzeth, Vorsitzender der Verdi-Senioren Oberpfalz, "dort kann man alles wunderbar nachlesen - gleiche Lebensverhältnisse, die Rolle des Staates etwa, wenn man sich die Miete nicht mehr leisten kann." Die Wirklichkeit sehe anders aus: "Je weiter man in die nördliche Oberpfalz kommt, desto niedriger das Durchschnittseinkommen."

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