03.08.2017 - 19:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Käseaufstrich schlägt Wellen Obazda wird g'rupft

Käse, speziell Weichkäse, ist eigentlich von eher geruhsamer Natur, langsam fließend. Doch der Obazde schlägt Wellen. Seit bekannt ist, dass die Bezeichnungen "Obazda", "Obatzter" und ähnlich klingende Namen auf Antrag einer Schutzgemeinschaft der Bayerischen Milchwirtschaft unter Schutz gestellt wurden, gärt es bei den Wirten landauf und landab. Und auch für Leser des NT, die wohl zu den Genießern dieser bayerischen Spezialität zählen, ist die Zeit reif - für Protest, wie ihre Äußerungen im O-Netz belegen (der NT berichtete).

Dieser Käse trägt das offizielle EU-Siegel "Geschützte Georgrafische Angabe" und darf sich deshalb auch in Zukunft "Obazda" nennen. Voraussetzung ist, dass der Hersteller bei einer der drei in Bayern zugelassenen Kontrollstellen angemeldet ist, und dafür alljährlich löhnt. Bild: Schönberger
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Was sich hinter dem frisch angemachten Käse jetzt nur noch verbergen darf, hat die EU-Kommission auf Antrag der Schutzgemeinschaft festgelegt. Dabei wird wenig dem Zufall überlassen. So gehören in einen Obazdn, man höre und staune, "Camembert und/oder Brie, wahlweise zusätzlich Romadur und/oder Limburger und/oder Frischkäse, Butter, Paprikapulver und/oder Paprikaextrakt und Salz." Das sind die verpflichtenden Zutaten. "Der Anteil an Camembert und/oder Brie muss mindestens 40 Prozent betragen, der Anteil an Käse im Endprodukt mindestens 50 Prozent. Der Anteil an beigegebenen Lebensmitteln darf 15 Prozent nicht übersteigen."

Freigestellt ist allen, die einen Obazdn zubereiten und unter diesem Namen verkaufen, dagegen, ob und wie viel Zwiebeln, Kümmel, andere Gewürze oder Gewürzzubereitungen, Kräuter, Rahm, Milch, Molkeneiweiß oder Bier sie beifügen. Die Produktspezifikation enthält außerdem folgende überraschende Vorgabe: "Der Obazda/Obatzter enthält erkennbare Stücke von Käse. Geruch und Geschmack sind würzig-aromatisch." Da es sich um eine geschützte Herkunftsbezeichnung handelt, muss die Verarbeitung sämtlicher Zutaten in Bayern stattfinden.

Weiter hebt die Schutzgemeinschaft hervor: "Er ist in Bayern erfunden worden und verfügt dort über eine über 100-jährige Tradition. Er wird von den Verbrauchern als eine typische bayerische Spezialität angesehen." Deren Namen leider bald von den Speisekarten der Region verschwinden dürfte. Denn die meisten Wirte in Weiden und Umgebung sind nicht bereit, 300 Euro pro Jahr für die nötige Anmeldung zu einem Kontrollsystem zu zahlen. Eine Summe, die große Molkereien, die Käse produzieren, natürlich wesentlich leichter aufbringen. Damit ist die Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft wieder am Zug.

Bezirksgeschäftsführer Ulrich Korb vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband in Regensburg hofft, dass die Wirte vielleicht doch noch billiger davonkommen. Er setzt auf Gespräche mit den Kontrollstellen (Bericht folgt).

Wer nichts bezahlen will, dem bleibt letztlich nur die Umbenennung. "Durchdrahda" schwebt der Lingl-Wirtin Monika Bauer aus Neuhaus vor. Denkbar wäre auch eine Anleihe bei den Franken oder in der Schweiz: Dort wird der Obazde nämlich als "Grupfter" oder "Gmanschter" serviert. (Angemerkt)

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