16.01.2017 - 17:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Körperschaftsteuer "explodiert" um 21 Prozent Firmen-Gewinne sprudeln

Wie bärenstark die Unternehmen aufgestellt sind, zeigen die Zahlen des Finanzamts. 2016 stiegen die Steuern auf Gewinne von Kapitalgesellschaften um sensationelle 21,1 Prozent. Bescheiden nimmt sich die Wohlstandsmehrung für die Arbeitnehmer aus: Die Lohnsteuer erhöhte sich nur um 2,6 Prozent.

Sie verstehen sich als Team und hoffen weiter auf wachsende Steuereinnahmen: Ausbildungsleiterin Maria Bertelshofer, Finanzamtschef Hubertus König und Kassenleiter Günther Melzner (von links). Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

"Die meisten heimischen Unternehmen haben keinen Grund zur Klage, sie prosperieren", sagt Hubertus König, Leiter des Finanzamts Weiden. Die Körperschaftsteuer - quasi die "Einkommensteuer" für juristische Personen - schnellte 2016 gegenüber 2015 um 8,5 Millionen Euro auf 48,8 Millionen Euro empor. Auch die Unternehmens-relevante Kapitalertragsteuer, auf Gewinn-Ausschüttungen von GmbH's, kletterte um 8,6 Prozent auf 25 Millionen Euro.

Den größten Anteil am Steueraufkommen des Finanzamts Weiden, das für die Stadt Weiden und den Landkreis Neustadt/WN zuständig ist, besitzt die Lohnsteuer. Sie legte 2016 um rund 6,35 Millionen Euro auf knapp 251,9 Millionen Euro zu. Die Mehrung resultiert aus den mäßigen Lohn- und Gehaltssteigerungen der Arbeitnehmer. Die Umsatzsteuer war im vergangenen Jahr überraschend rückläufig: um 0,6 Prozent auf 233,14 Millionen Euro.

Über die Gründe kann Finanzamtschef König nur spekulieren: Steht die Einbuße im Zusammenhang mit verstärkten Investitionen? Oder schlägt der gerade in der Oberpfalz boomende Export durch? Denn Ausfuhren sind von der Umsatzsteuer befreit. Die Einkommensteuer erhöhte sich um mäßige 0,15 Prozent auf annähernd 85,84 Millionen Euro. 2016 fiel hier vor allem die Besteuerung auf die Erträge aus den Vorjahren 2014 und 2015 an.

Kaum Zinsabschlagsteuer

Der Solidaritätszuschlag ("Soli") steigerte sich um 3,34 Prozent auf nahezu 20,325 Millionen Euro. Die seit Jahren anhaltenden Niedrigstzinsen schlagen voll auf die Abgeltungssteuer (Zinsabschlagsteuer) durch: Sie brach erneut um mehr 37 Prozent auf 2,63 Millionen Euro ein - und spielt damit eine zunehmend unbedeutende Rolle. Das Steueraufkommen des Finanzamts Weiden wuchs insgesamt um 4,28 Prozent (27,9 Millionen Euro) auf 681,4 Millionen Euro an. Nach langen Jahren der chronischen Unterbesetzung (wir berichteten) erreicht das Finanzamt Weiden nun 95 Prozent der Personal-Sollstärke: "Weil der Mangel möglichst gleichmäßig auf die Ämter in Bayern verteilt ist", erläutert Finanzamtsleiter König.

Seit 2016 ist das Finanzamt Weiden auch für die Finanzkassen der Ämter Waldsassen, Cham und Schwandorf - somit für den ganzen Zahlungsverkehr - zuständig. Die Zahl der Mitarbeiter mehrte sich deshalb von bisher 7 auf nun 24, berichtet Kassenleiter Günther Melzner.

Ausbildungs-Finanzamt

Derzeit stehen beim Finanzamt Weiden 51 Nachwuchskräfte in der Ausbildung: Zwei Jahre lang 21 Steuersekretär-Anwärter (früher Mittlerer Dienst) und 30 Steuerinspektor-Anwärter (früher Gehobener Dienst) im dualen Studium auf die Dauer von drei Jahren. "Interessenten aus der Region gibt es mehr als genug, allein, es fehlen die Kapazitäten", erklärt Ausbildungsleiterin Maria Bertelshofer. In den Ballungsräumen München und Nürnberg sei es häufig umgekehrt: Die bayerische Finanzverwaltung rekrutiere sich überwiegend aus Mitarbeitern von (einst) strukturschwachen Gebieten.

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