05.04.2018 - 16:42 Uhr
Oberpfalz

Mancher Ausbildungsabbrecher hat falsche Berufsvorstellungen Kochen ist mehr als nur Show

Nicht jeder Koch wird Fernsehstar. Deshalb merkt mancher Jugendliche erst spät, dass er die falsche Ausbildung gewählt hat und bricht ab. Doch selbst das Thema Ausbildungsabbruch wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

"Viele Lehrlinge wechseln auch innerhalb der Branche", weiß Robert Drechsel vom Hotel- und Gaststättenverband. Archivbild: Popp
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Das meint zumindest Robert Drechsel, Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Weiden-Neustadt. Er schätzt die Abbrecherquote unter den Auszubildenden in seiner Branche auf rund 30 Prozent. "Das ist nicht so dramatisch, wie es im Entwurf für den Bildungsbericht 2018 steht." Dort heißt es laut "Süddeutsche Zeitung", jeder vierte Auszubildende wirft hin, bei Köchen und Friseuren sogar jeder zweite.

Dazu kommt, so Drechsel, dass viele Lehrlinge innerhalb der Branche wechseln würden, "zum Beispiel, weil der Standort der Berufsschule ungünstig ist, oder auch, weil es im zwischenmenschlichen Bereich nicht passt". Gerade in der Gastronomie hätten außerdem die vielen Fernsehshows mit Starköchen dafür gesorgt, dass die Jugendlichen mit falschen Vorstellungen in den Beruf gingen. "Diese Shows sind nicht der Alltag." Die Lehrlinge müssten sich vielmehr mit Lagerhaltung, Hygiene, Vorbereitung und Aufräumarbeiten befassen, und das sei nicht jedermanns Sache. Deshalb seien Praktika vor der Berufswahl so wichtig. Den Vorwurf der schlechten Bezahlung in der Gastronomie will Drechsel nicht gelten lassen: Mit 755, 850 bzw. 950 Euro Monatsgehalt in den drei Ausbildungsjahren seien Köche besser bezahlt als Friseur- oder Verkäuferlehrlinge.

Doch auch bei den Friseurlehrlingen in der Region sei die Situation nicht so schlecht, wiegelt Harald Raml ab, Obermeister der Friseurinnung Nordoberpfalz. Natürlich gebe es Abbrecher, die in ein anderes Berufsfeld wechselten. Das seien aber sehr wenige. Und in der Studie mitgezählt würden auch diejenigen, die ihre Lehrstelle gar nicht erst anträten. Ab August dürfte der Verdienst im ersten Lehrjahr auf 500 Euro im Monat steigen (bisher etwas über 400 Euro), und das sei so schlecht nicht. Manche Bewerber seien mit den Anforderungen in der Berufsschule - "Biologie, Physik, Chemie" - überfordert, andere müssten den Umgang mit Kunden erst lernen. "Deshalb macht die Innung zum Start jedes Ausbildungsjahres auch einen Kniggekurs."

Von einer "relativ geringen Abbrecherquote bei den Friseuren" spricht auch Josef Weilhammer, Leiter der Europa-Berufsschule Weiden, ohne konkrete Zahlen nennen zu können. Ein Teil davon höre außerdem aus gesundheitlichen Gründen auf, "wegen Allergien oder Rückenproblemen". Dem Direktor selbst schlagen vor allem zwei Probleme auf den Magen: "Die Abwerbung unter den Firmen wird immer stärker. Da hat ein Industriebetrieb bessere Chancen als ein Handwerksbetrieb." Und: "Die Uraltvorstellungen über manche Berufe. Beim Bäcker heißt es immer gleich, der muss so früh aufstehen. Aber niemand spricht über die vielen Menschen, die Schichtarbeit machen. Und bei vielen Bäckern laufen nachts moderne Maschinen. Das wird auch übersehen."

Dass die Verlockungen zum Lehrstellenwechsel in der Stadt deutlich größer sind als auf dem Land belegt Hans Schmidt mit aktuellen Zahlen aus dem Friseurhandwerk. Der Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz beziffert die Abbrecherquote hier auf rund 50 Prozent. Doch im Landkreis Tirschenreuth liegt sie bei Null, im Landkreis Neustadt bei 16 Prozent und in Weiden etwas über 50 Prozent. "Das liegt an der Mobilität der Jugendlichen und dem größeren Angebot in der Stadt." Hier könnte aber auch die Tatsache reinspielen, dass gerade in dieser Branche verstärkt Menschen mit Fluchthintergrund tätig seien.

Von einer erhöhten Abbruchquote bei Asylbewerbern im gesamten Ausbildungsbereich berichtet auch Josef Weilhammer. Die B1-Deutschkenntnisse seien einfach nicht ausreichend, um nach eineinhalb Jahren schon die erste Prüfung zu meistern. "Da passt das Übergangsmanagement noch nicht."

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