Oberpfälzer Unternehmen optimistisch für 2017
Vertrauen der Kunden zählt

In Weiden, Amberg und Schwandorf hat die Buchhandlung Rupprecht 3 ihrer 37 Filialen. Bild: wk
 
Der Straßenwalzen-Hersteller Hamm AG erhofft sich durch das gewaltige Infrastrukturprogramm in den USA wichtige Geschäftsimpulse. Archivbild: upl

Durchwegs zuversichtlich sehen die Oberpfälzer Unternehmer 2017 entgegen. Selbst protektionistische Töne des neuen US-Präsidenten schrecken die exportstarken Firmen nicht. Und regionale Einzelhändler zeigen, wie sie sich erfolgreich gegen die Online-Konkurrenz behaupten.

Weiden/Amberg. Ein Drittel ihres Umsatzes erzielt die Hamm AG aus Tirschenreuth in den USA. Für den Straßenwalzen-Hersteller mit einem Exportanteil von mehr als 90 Prozent sind die Vereinigten Staaten als Absatzmarkt "strategisch enorm wichtig": Vorstand Reinhold Baisch ist "äußerst positiv gestimmt", da der neue US-Präsident Donald Trump ein riesiges Infrastruktur-Programm für den Straßenneubau und -unterhalt ankündigt. Die internationale Wirtschaft mit ihren komplexen Netzwerken sei so intensiv verzahnt, dass Baisch vor Protektionismus nicht bange ist. "Unterm Strich" erwartet der Hamm-Vorstand ein "gutes Jahr 2017". Dafür sprechen auch Investitionen von 27 Millionen Euro in den Standort Tirschenreuth.

"Extrem positiv gestimmt" ist der Chef der Ziegler-Group , Stefan Ziegler (Betzenmühle, Kreis Tirschenreuth). Kein Wunder. Europas größtes Sägewerk profitiert mit der Fertigung von Bauholz für die boomende Immobilien-Branche. Ziegler bezeichnet den enormen Fachkräftemangel als "großes Problem, das den weiteren Aufschwung bremsen könnte".

"Im E-Commerce liegt die Zukunft", sagt Peter Pöllath (ATP , Pressath). Der Online-Versender von Autoteilen zählt 450 Beschäftigte und legte in den Vorjahren ein stürmisches Wachstum hin. Pöllath: "Die Entwicklung gibt uns recht. 2017 wird sich für uns nicht viel ändern ..." Von einer "guten Auftragslage" spricht auch Harald Gollwitzer (Floß). Der Inhaber einer Spezialtiefbau-Firma mit 130 Beschäftigten benennt den Geschoss-Wohnungsbau als "Wachstumstreiber", während Öffentlicher Bau und Wirtschaftsbau stagnierten. "Ernüchtert" wertet Gollwitzer die Erfahrung mit Flüchtlingen als Arbeitskräfte: "Unsere Erwartungen haben sich nicht erfüllt."

Vertrauen als "Währung"

"Ähnlich wie 2016" sieht Marion Bergler (Weiherhammer) unternehmerisch das neue Jahr. Die Geschäftsführerin eines der bedeutenden Entsorgungs-Betriebe in Nordostbayern prognostiziert steigende Energiepreise "in moderatem Rahmen". Angesichts des hohen Fachkräfte-Bedarfs seien vor allem körperlich anstrengene Berufe (noch dazu im Freien) kaum noch gefragt.

Gelassen beurteilt man bei Witron (Parkstein) mögliche Veränderungen der internationalen Rahmenbedingungen. Der Logistiker, mit 2300 Beschäftigten einer der großen Arbeitgeber in der Oberpfalz, zählt Kunden in 54 Ländern. "Entscheidend sind nicht die Rahmenbedingungen, sondern wie das Unternehmen damit umgeht", betont Geschäftsführer Helmut Prieschenk. Die wichtigste "Währung" sei hier das Vertrauen der Kunden. Witron beschäftigt Mitarbeiter aus 47 Nationen. Prieschenk: "Menschen eine Chance zu geben, war der Familie Winkler schon immer ein großes Anliegen - unabhängig vom jeweiligen Arbeitsmarkt oder der Flüchtlingssituation." Unter den 250 Auszubildenden unterschiedlichster Herkunft sind "auch Kollegen aus den Flüchtlings-Gebieten - und wir sind auf alle stolz".

2017 die 38. Filiale

Während in den Innenstädten die Inhaber-geführten Buchhandlungen aussterben, eröffnet die Buchhandlung Rupprecht 2017 ihre 38. Filiale. Das Unternehmen mit Sitz in Vohenstrauß und 300 Mitarbeitern gilt inzwischen als ein Branchen-Primus in Süddeutschland. "Dem Online-Handel fehlen das menschliche Gegenüber und die Emotionen", meint Geschäftsführerin Maria Rupprecht. Sie setzt deshalb erfolgreich darauf, "dass eine Buchhandlung mehr ist, als eine Buch-Verkaufsstelle, nämlich ein kultureller Treffpunkt". Maria Rupprecht geht auch 2017 von weiter steigenden Umsätzen aus.

Ein ähnliches Konzept verfolgt Peter Grießl . Der Inhaber eines regional bekannten Einrichtungshauses steuert der Online-Konkurrenz mit den Komponenten Menschlichkeit und Beratungskompetenz entgegen. Zudem schließt er im neuen Jahr eine überregionale Online-Kooperation. Seine drei Standbeine - Handel, Handwerk (Raumausstattung) und Innenarchitektur - machen ihn für die Zukunft "hoffnungsfroh".

"Verhalten optimistisch" - auf "relativ niedrigem Niveau" - blickt Josef Kallmeier für die Porzellanfabriken Seltmann (Weiden) dem neuen Jahr entgegen. Ein Großteil des Exports erfolgt im EU-Bereich. "Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter." "Nicht ein schlechtes, aber ein unsicheres Jahr" erwartet Hans-Joachim Müller. Der Inhaber des international tätigen Mode-Unternehmens Hajo-Strick (Weiden) befürchtet eine politisch völlig veränderte Landschaft in der Welt. "Es kann alles passieren." Die Folgen einer falschen Politik durch Kanzlerin Merkel würden Deutschland und Europa noch spüren.

Hans Schmidt, Vize-Hauptgeschäftsführer der Handwerkkammer Niederbayern-Oberpfalz , unterstreicht die "positiven Erwartungen". Wichtig sei die Verlässlichkeit bei den politischen Rahmenbedingungen.

Gesellschaftliche und politische Veränderungen wird es immer geben - aber die Verantwortung eines Unternehmens gegenüber Gesellschaft, Mitarbeitern und Kunden bleibt bestehen.Walter Winkler, Gründer des Logistik-Unternehmens Witron (Parkstein)
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