OTH startet „Wissensforum“ mit Vorträgen für Jedermann
Deutschland: Nachteile ohne Euro

Im WissensForum der OTH Amberg-Weiden widmete Prof. Dr. Horst Rottmann (links) seinen Vortrag zur Zukunft des Euro seinem langjährigen Kollegen Prof. Dr. Wolfram von Rhein (rechts), der demnächst in den Ruhestand tritt.

(sbü) Die OTH Amberg-Weiden öffnet sich immer weiter der breiten Öffentlichkeit. Mit der neuen Veranstaltungsreihe "Wissensforum" soll dies dokumentiert werden. Jeder Interessierte ist willkommen. Das erste Thema des Jahres: "Hat der Euro noch Zukunft?" OTH-Professor Dr. Horst Rottmann von der Fakultät Betriebswirtschaft gab Antworten.

"Die Hochschule endet nicht am Hetzenrichter Weg", begrüßte Hochschulpräsidentin Professor Dr. Andrea Klug die Gäste. "Wir wollen in die Region wirken und Hochschule vor Ort sein." Namhafte Wissenschaftler sollen über Themen sprechen, die auch für eine breite Öffentlichkeit von großer Bedeutung sind.

Hat der Euro Zukunft?

Rottmann gilt als erfahrener wissenschaftlicher Experte für Finanzwissenschaft. Seit vielen Jahren ist er auch Forschungsprofessor am ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München. Eine eindeutige "Ja/Nein-Antwort" konnte er in seinem ausführlichen Vortrag seinen Zuhörern jedoch nicht geben. Zu sehr stehe die europäische Geld- und Finanzwirtschaft unter dem Einfluss politischer Vorentscheidungen. Diese sind bekanntlich kaum vorauszusagen.

Warum die Zukunft des Euro gefährdet ist, erläuterte Rottmann mit einem Rückblick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte. "Es sind zu viele Fehler gemacht worden, vor allem wurden Regeln aufgestellt, die nicht eingehalten wurden", stellte er grundsätzlich fest. Viele Länder hätten überhaupt nicht aufgenommen werden dürfen. Bis heute habe das Bruttosozialprodukt in den südlichen Ländern noch nicht das Niveau vor der Bankenkrise des Jahres 2008 erreicht.

Ein Fehler sind für den Wissenschaftler auch, dass bei wirtschaftlichen Fehlentwicklungen keine Anpassungen durch strukturelle Reformen vorgenommen worden seien. Notwendig wäre auch eine größere Flexibilisierung der Arbeitsmärkte sowie mehr Mobilität der Arbeitskräfte gewesen.

Die Reformen seit der Finanzkrise 2008 nannte Rottmann "bürokratische Monster ohne echte Konsequenz". So seien zum Beispiel die institutionellen Regeln für die Banken in Italien sofort wieder ausgesetzt worden. Durch die expansive Kreditpolitik und "Null-Zins-Politik" würden unproduktive Sektoren subventioniert, der Reformdruck sinke und der Niedrigzins schwäche die Haushaltsdisziplin. Die Reformwiderstände seien groß. Reformprozesse würden als aufgezwungen und unfair empfunden. Als "Programme mit großen Nebenwirkungen" bezeichnete der Referent insgesamt die Geld-und Fiskalpolitik der EZB. Nach wie vor bestünden zwischen den EU-Staaten große Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit und in anderen wichtigen Indikatoren. Durch den massiven Aufkauf von Staatsanleihen sei das Eurosystem der größte Gläubiger der EU-Staaten geworden.

Rottmann sieht drei mögliche Wege aus der Finanzkrise. Einer davon ist die Auflösung des Euro, die jedoch mit zahlreichen Nachteilen für Deutschland verbunden sei. Auch die zweite Möglichkeit - Gründung einer Fiskalunion in einem einheitlichen europäischen Bundesstaat - dürfte wenig Chancen auf Realisierung haben. Eventuell könne die Gründung einer Bankenunion helfen, die jedoch mit einer Trennung von deren Staatsfinanzierung verbunden sein müsse. So wären Staatsinsolvenzen ohne Bankenkrisen oder Bankeninsolvenzen ohne Staatskrisen möglich. Wichtigste Forderung: "Unsere Regierung muss überhaupt ein Konzept aufstellen für die Zukunft des Europäischen Währungssystems".

Die Hochschule endet nicht am Hetzenrichter Weg. Wir wollen in die Region wirken und Hochschule vor Ort sein.Hochschulpräsidentin Professor Dr. Andrea Klug über die Reihe "Wissensforum"
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