14.02.2018 - 21:42 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

OTH-Wirtschaftsprofessor Professor Bernt Mayer sieht eine mögliche Abschaffung von Geld sehr ... Münzen und Scheine schaffen auch Identität

Weiden/Amberg. Paypal, Überweisung, Girocard, Kreditkarte - all das scheint viel komfortabler zu sein als der Gang zum Bankschalter. Warum also nicht gleich alles digital bezahlen? Einer, der all das skeptisch sieht, ist der OTH-Wirtschaftsprofessor und Wirtschaftspsychologe Bernt Mayer.

Professor Bernt Mayer. Bild: OTH Amberg-Weiden
von Alexander Rädle Kontakt Profil

Bei allen Überlegungen zur Bargeldabschaffung werden nach Mayers Ansicht psychologische Aspekte zu wenig berücksichtigt. "Bargeld hat auch etwas, das Identität schafft." Es gebe ein haptisches Gefühl, wie man es vom Gold her kenne. Wer etwas leistet, will als Belohnung dafür auch etwas in den Händen halten und dann stolz darauf sein. "Ich habe ein Flow-Erlebnis, wenn ich Anerkennung für Leistung bekomme", sagt Mayer. Und er ergänzt: "Leistung muss auch haptisch, also be-greifbar sein", sagt Mayer. Das Gefühl etwas zu besitzen sei ein ganz anderes, als Geld irgendwo auf einer Internet-Bank liegen zu haben.

Nicht nur deshalb sieht er eine Bargeld-Abschaffung kritisch. "Was mich so stört, ist der Vorwand der Geldwäsche und der Schwarzarbeit." Denn Geldwäsche, Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung ließen sich auch anders bekämpfen, etwa durch mehr Personal beim Zoll. Wo sieht Mayer konkrete Gefahren? In der Verknüpfung von Daten zum Beispiel. Ein unbescholtener Bürger geht abends aus und bezahlt mit Karte in einer Kneipe. Der Buchungsvorgang ist abgespeichert. Und jemand, den das eigentlich nichts angeht, könnte die Frage stellen: "Was machen Sie in der Bar nachts um 3 Uhr?" Schon heute liegt in Rechenzentren eine Vielzahl an Daten, mit der sich durch Verknüpfung Bewegungs- und Handlungsprofile erstellen lassen. Polizei und Staatsanwaltschaft machen das bereits bei Ermittlungen, indem sie Handydaten auslesen, Überwachungskameras verfolgen, Bank- und Zahlungsdaten heranziehen und daraus ein Bild formen. Nur wenn Geschäfte bargeldlos abgewickelt werden, lässt sich lückenlos nachverfolgen, wer was wann wie gekauft hat. Mayer befürchtet eine Einschränkung der Freiheit und eine Kriminalisierung der Gesellschaft. "Ein Misstrauensvotum der Banker und Politiker an die Bürger." Angesichts der Kreditkrise mit ihren Folgen eine "Unverschämtheit", findet Mayer. Viele Banken ließen sich vom Staat retten. Diese "Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste" halte er als Christ für "absolut unanständig". "Das hat was mit Anstand und Ethik zu tun."

Explizit möchte sich Mayer nicht als Linker verstanden wissen. "Die Menschen sind gleichwertig, aber nicht gleichartig", verweist er auf ein christliches Menschenbild. Die Besten müssten selbstverständlich an der Spitze stehen.

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