19.09.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

OTH-Wissenschaftler forschen zu MRT-Untersuchungen mit Implantaten Mit Schrittmacher in die Röhre?

Lange Zeit galt es als unmöglich, eine MRT-Untersuchung durchzuführen, wenn der Patient einen Herzschrittmacher oder ein ähnliches Implantat hat. An der OTH in Weiden forschten Wissenschaftler zwei Jahre lang zu diesem Thema. Ihr Fazit: Es ist möglich - mit einem eigens entwickelten Testverfahren.

Medizintechnik-Professor Ralf Ringler (Dritter von links) demonstriert die Einflüsse der MRT-Strahlung an einem Modell. Mit dabei sind auch Wolfgang Gortz und Jörg Seehafer vom Kooperationspartner MR:comp (Erster und Vierter von links), sowie Forschungsmitarbeiterin Karina Schuller. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Was passiert, wenn das Magnetfeld in der MRT (Magnetresonanztomographie)-Untersuchung einen Herzschrittmacher erfasst und bei welchen Implantaten sind die Risiken am höchsten? Weil die Antworten auf diese beiden Fragen in der Medizintechnik bisher nicht zuverlässig erforscht waren, wurde oft auf den Einsatz einer MRT-Untersuchung verzichtet. Die Risiken bis hin zur Todesgefahr schienen zu groß. "Das war ein großer Nachteil bei vielen Krankheitsdiagnosen", sagt Medizintechnik-Professor Ralf Ringler. Er schätzt die MRT-Untersuchungsmethode jedoch als ein sehr aussagekräftiges Verfahren ein. Sie liefere ein detaillierteres Bild als Röntgen- oder Ultraschall-Untersuchungen und sei aus der Radiologie nicht mehr wegzudenken.

Ein Projekt an der OTH will das MRT-Verfahren auch für Patienten mit Implantaten möglich machen. Die Forscher entwickelten neue Testmethoden, um Fehlfunktionen bei Implantaten wie Schrittmacher, Stents oder Hüft-und Knieersatz auszuschließen. "Wir haben eine automatisierte Messung von Drehmoment, Vibration und Kraft im starken Magnetfeld eines MRT entwickelt und erfolgreich getestet", erklärt die Mitarbeiterin im Institut für Medizintechnik, Karina Schuller. Anhand eines Modells demonstriert sie Einflüsse der MRT-Strahlung auf das Implantat. Auch eine entsprechende Software sei entwickelt worden.

Für jedes neue Implantat stehe jetzt eine zuverlässigere Risikoanalyse als bisher zur Verfügung. Bei Hüft- oder Knieimplantaten gehe es zum Bespiel um die Auswirkungen der MRT-Strahlung auf die Knochenumgebung. Den Patienten, die oft seit Jahren bereits ein Implantat tragen, empfiehlt Ringler dringend vor einer MRT-Untersuchung einen Blick auf den Implantat-Pass zu werfen. "Der Patient muss wissen, was eingebaut wurde", sagt Ringler. Daraus sei abzulesen, ob das jeweilige Implantat bereits getestet worden sei und eine MRT-Zulassung besitze.

Testverfahren hätte es auch früher schon gegeben, das neue sei jedoch "genauer und schneller". Für den Forschungskooperationspartner MR:comp freute sich Jörg Seehafer, dass für die Hersteller von Implantaten jetzt ein präziser Produktionsrahmen zur Verfügung stehe.

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