Pilotprojekt für Menschen mit Demenz
Eine spezielle WG für Senioren

Willkommen in der "Seniorenwohngruppe Sonnenschein - Wir leben mit Demenz". So der Name der in der Region bisher einmaligen Einrichtung, geschaffen von Sabine Kroy-Leci (links) und Christine Späth. Bild: Schönberger

Am Dienstag dröhnt der Bohrer noch durchs Treppenhaus. Am Samstag ziehen die ersten Bewohner ein. "Das schaffen wir." Für Sabine Kroy-Leci besteht da kein Zweifel. Damit erhält Weiden ein in weitem Umkreis einmaliges Pilotprojekt.

Eine Wohngruppe für Demenzkranke findet unter dem Dach des Pflegedienstes Sonnenschein Unterschlupf. Ein Projekt, mit dem die beiden Geschäftsführerinnen Christine Späth und Sabine Kroy-Leci schon seit langem liebäugeln. Doch bisher fehlte es an einem geeigneten Haus, um die Pläne zu realisieren. Im Gebäude der Firma "Krapf & Lex", die sich in der Pressather Straße 157 auf das dritte Stockwerk zurückgezogen hat, wurde der Wunsch nun Wirklichkeit.

Der Pflegedienst Sonnenschein wechselt dafür vom Hammerweg nach Weiden-West. Im Februar 2010 hatten Späth und Kroy-Leci eine Tagespflege speziell für an Demenz erkrankte Menschen in der ehemaligen Gaststätte "Waldheim" in der Mozartstraße eröffnet. Diese Einrichtung ist vor kurzem in das Erdgeschoss in der Pressather Straße umgesiedelt. Die neuen Räumlichkeiten sind heller, moderner und baulich auf dem neuesten Stand.

Am Samstag werden die ersten Mitglieder der neuen Wohngruppe für Demenzkranke ihre Zimmer beziehen. "Fünf Frauen im Alter von 75 bis 94 Jahren", erklärt Kroy-Leci. Wobei es reiner Zufall sei, dass noch kein Mann mit einzieht. "In der Tagespflege zum Beispiel sind die Männer in der Überzahl." Acht Einzel- und ein Doppelzimmer stehen für Bewohner bereit. "Das ist ähnlich wie eine Wohngemeinschaft für Studenten", sagt die ausgebildete Heimleiterin Christine Späth. Die Bewohner teilen sich Küche, Aufenthalts- und Sanitärräume. Das Privatzimmer wird angemietet. Je nach Bedarf können die Angehörigen Betreuungs- und Pflegeleistungen dazubuchen.

Sechs Fachkräfte haben die zwei Inhaberinnen für den Anfang neu eingestellt. Die haben rund um die Uhr ein Auge auf die fünf Frauen. Pflegeleistungen können beim ambulanten Pflegedienst abgerufen werden. "Er kommt dafür ins Haus", sagt Kroy-Leci. Die Wohngruppe soll nach und nach voll belegt, das Personal entsprechend aufgestockt werden. "Die Angehörigen bilden ein Gremium. Das entscheidet über alle Fragen in der Wohngruppe", erklärt die gelernte Krankenschwester und Pflegedienstleiterin. "Auch darüber, wer noch mit einziehen darf." Jeder Interessent wird vorgestellt, darf eventuell einige Tage probewohnen. "Die Bewohner müssen zusammenpassen. Sonst funktioniert das nicht."

Eingesperrt wird in der Wohngruppe für Demenzkranke keiner, versichern die beiden Fachfrauen. Sicherheitsvorrichtungen verhindern, dass ein verwirrter Bewohner unbemerkt das Haus verlässt. Eine Sicherheitseinrichtung an der Etagentür schlägt Alarm, wenn jemand die Wohnung verlässt. Laser-Bewegungsmelder zeigen an, wenn jemand nachts aufsteht. Piepser ertönen, wenn ein Bewohner aus seinem Bett auf die davorliegende Trittmatte rutscht. Kroy-Leci: "Durch das Niedrigflurbett sind das nur wenige Zentimeter."

Begleitet wird das aktuelle Pilotprojekt von Georg Pilhofer, Leiter der Gerontopsychiatrischen Koordinationsstelle Oberpfalz, zu dem die beiden Frauen seit Jahren engen Kontakt halten. Sie planen übrigens auch eine spezielle Busstation im Hof der Einrichtung. Die ist nicht wirklich für Busse gedacht, sondern für alte Menschen, die aus alter Gewohnheit ab und zu mal auf den Bus warten - und dann wieder auf ihr Zimmer gehen.

AnmeldungAnmeldungen für die Wohngruppe "Wir leben mit Demenz" sind möglich unter Telefon 0961/4704935. Durchschnittlich fallen laut Sabine Kroy-Leci pro Monat 1500 bis 1600 Euro Kosten an (inklusive Essen), die privat zu tragen sind. (ps)
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