01.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Prozess um Millionen-Betrug: Gericht droht eine Reise in die Schweiz Zeugen kommen nicht

Wenig Fortschritte brachte der siebte Tag im Prozess gegen den mutmaßlich Millionenbetrüger Wolfgang S.. Wie sich erneut zeigte, haben die meisten Geschädigten kein sonderlich großes Interesse an der Strafverfolgung. Entweder weil sie befürchten, sich wegen ihrer Leichtgläubigkeit noch Spott einzuhandeln. Oder weil sie erkennen mussten, dass nichts mehr zu holen ist. Am Montag erschien wieder ein Zeuge - der einzige geladene - nicht.

von Autor RNSProfil

Wie die Staatsanwaltschaft vermutet, hat S. zahlreiche Geschäftsleute mit utopischen Zinsversprechen um viel Geld geprellt. Darunter auch einen Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth um angeblich 8,5 Millionen. Beinahe wäre der Betrieb daraufhin in die Insolvenz gegangen, wenn nicht die Verwandten des Seniors noch rechtzeitig die Reißleine gezogen hätten. Der 68-jährige Angeklagte, so die Staatsanwaltschaft, soll seinen Opfern vorgespiegelt haben, dass er Anrecht auf 27 Millionen US-Dollar auf dem Konto einer Bank in Amerika habe. An das Geld komme er aber erst heran, wenn die Ansprüche von Gläubigern - angeblich aus Namibia - in Höhe von zwei Millionen befriedigt seien.

Viel Geplänkel

Der Montagvormittag verging mit Geplänkel zwischen den Verteidigern Jörg Jendricke und Wolfgang Miek und dem Gericht. Rechtsanwalt Jendricke monierte, dass in der Hauptakte einige Blätter für andere Verfahren entnommen seien. Wo diese nun seien, hat Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf zu klären. In den 20 000 Seiten, die Miek von Jendricke bisher in Kopie bekommen hat, seien sie auch nicht zu finden, erklärte Miek. Zudem forderten die Anwälte die Kopie eines Briefes, den ihr Mandant kürzlich an Landgerichtspräsident Walter Leupold geschrieben hat. Sodann verlas und übersetzte eine Dolmetscherin den Brief eines ominösen Geldinstituts aus Südafrika mit dem Briefkopf angeblicher "Berater, Rechtsanwälte, Advokaten". In dem, teils in fehlerhaftem Englisch verfassten Schreiben, versprechen diese, für 27 Millionen Dollar zu haften, sobald "der leitende Geschäftsführer Wolfgang S. der Firmen Enterprises Costa Rica und Spain" zwei Millionen Euro überwiesen habe, vorab eine Million.

Zeuge: Keine große Lust

Es sind noch 13 weitere Gerichtstermine, bis weit in den November hinein, angesetzt. Am Mittwoch ab 9 Uhr sollen wieder Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten und Geschädigte gehört werden. Nach Informationen des NT soll ein Schweizer Geschäftsmann, der als Einziger nicht auf die Forderungen des mutmaßlichen Betrügers einging, auch "keine große Lust" haben, als Zeuge aufzutreten. Eventuell wird die Große Strafkammer zu seiner Vernehmung in die Schweiz reisen müssen.

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