20.04.2018 - 12:30 Uhr
Oberpfalz

Rund 140 Weidener diskutieren über die Baupläne auf dem Josefshaus-Areal Turm - eine "phantastische Idee"

Heiner Schreml nutzt die Treppe im Josefshaus als Bühne. Hier malt er in seinem Vortrag den geplanten Abatay-Tower auf dem Areal des Josefshauses in den buntesten Farben. Der Beifall der rund 140 Gäste ist ihm sicher. Nur vier votieren gegen das 17-geschossige Hochhaus von Turgut Abatay.

Eindeutiges Ergebnis: Blick in die "halbe Runde" bei der Probeabstimmung über den Abatay-Tower auf dem Josefshaus-Areal. Bilder: Schönberger (3)
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der 81-jährige Heiner Schreml versteht es, sofort eine gelöste und positive Grundstimmung im Foyer des Josefshauses zu schaffen. Stadträte aller Fraktionen, Geschäftsleute, Nachbarn, interessierte Bürger und die Spitzen des Bauamtes sind da. Auch Harald Rippl, der sich als "Altbesitzer" des Josefshauses bezeichnet, begrüßt die Turm-Pläne. "Ich find', das ist eine phantastische Idee. Und ich find's als Weidener toll, dass hier was geschieht. Staus und Verkehrsprobleme wird es in der Sedan- und Asylstraße immer geben." Die Familie Rippl habe mit dem Josefshaus "immer viel Ärger" gehabt. "Ich kam zuletzt nicht weiter. Im Rathaus haben offenbar die Alarmglocken geschrillt, wenn ich kam." Er wünschte Turgut Abatay mehr Glück.

Turm zu Turm

Schreml nimmt seine Gäste mit, begeistert sie für seine Sicht von Architektur und Bürgersinn. Mit seinem Rückblick in die Stadtgeschichte zeigt er die besondere Bedeutung gerade dieses Fleckens auf, auf dem sich über Jahrhunderte der Niklas-Turm als Teil der von 1558 bis 1575 errichteten Vorstadtmauer befand. Um den Niklas-Turm gruppierte sich die Niklas-Vorstadt (als Pendant zur Lederer-Vorstadt am Unteren Tor). Im Niklas-Turm war eine Herberge. Im Abatay-Tower würden etwa 100 Menschen wohnen. Der neue Turm stelle, wie vor 462 Jahren der Niklas-Turm, ein Zeichen der Aufgeschlossenheit und der Weitsicht der Bürger und der von ihnen gewählten Räte dar, betont Schreml. Beifall.

Beifall auch nach den weiteren Sequenzen seines Vortrags: "Der jetzt geplante Turm ist Wahrzeichen und weit über die Grenzen der Stadt hinaus Anziehungspunkt für Menschen. Er zeichnet Weiden von allen Städten der Oberpfalz aus und ist eine Anregung, endlich alte Pfade der Architektur zu verlassen." Der Turm sei im wahrsten Sinne des Wortes ein Leuchtturm. "Das derzeitige, dem Stadtbild abträgliche Josefshaus wird ersetzt durch ein Zeichen gebendes, die Stadt aufwertendes und die Geschichte ergänzendes, aus der Zeit heraus geborenes Gebäude."

Jede Stadt, so wirbt Schreml weiter, zeige sich durch die Architektur ihrer Gebäude. Es gäbe keine Kathedralen, Schlösser oder Museen, wenn sie nicht aufgeschlossene, mit Visionen in die Zukunft schauende Bürger mitgetragen hätten. "Architektur, das heißt, die gesamte gebaute Umwelt, ist der Spiegel der Einstellung und Denkweise der Gesellschaft." Ein berühmtes Beispiel sei der Eiffelturm. Vor 129 Jahren zur Weltausstellung gebaut, sollte er wegen seiner "Hässlichkeit" abgebrochen werden. Heute sei er das Wahrzeichen von Paris.

Ausführlich und regelrecht begeistert schildert Schreml die Nutzungen der 17 Geschosse. Die generelle Kritik einer Besucherin, die 15 Jahre in Frankfurt lebte und die Anonymität in den Hochhäusern beklagt, lässt er ins Leere laufen. Zwei Nachbarn, die den Schattenwurf des Turm auf die Grundstücke in der Asyl- und Kettelerstraße befürchten, will Schreml überzeugen, dass es keine Beeinträchtigung gebe. Ein weiterer Gast befürchtet Kosten für die Stadt, weil eine neue Drehleiter angeschafft werden müsse, um Menschen aus 52 Metern Höhe retten zu können. Die Allgemeinheit werde nicht belastet, versichert der Architekt.

Viele Gäste sind in ihren Gedanken schon weiter: Sie fragen nach den Quadratmeterpreisen der Wohnungen. "Ortsüblich", meint Schreml.

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