28.07.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

SGW Stadtbau will verstärkt neu bauen Mieten steigen dramatisch

Niedrigzinsen und Nachfrage-Boom: Der Wohnungsmarkt "brummt" und bringt die SGW Stadtbau in die Zwickmühle. Die Mieten steigen dramatisch. Wohnraum wird für viele zu teuer. Dennoch versucht das größte Wohnungsunternehmen der Stadt Weiden seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Seggewiß (links) verabschiedet Robert Ronke (mit Geschenk) in den Ruhestand. Florian Blei (Zweiter von links) rückt in die Buchhaltung nach. Die ausscheidenden Aufsichtsräte Peter Wittmann (Mitte) und Stefan Rank (Zweiter von rechts) gehören nach der Wiederwahl weiter dem Gremium an. Sabine Graßl ist neue Prokuristin und Günther Kamm bleibt bis 2023 Geschäftsführer. Bild: Wieder
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bei der Gesellschafterversammlung deutet WGS-Geschäftsführer Günther Kamm an, dass sich das Unternehmen verstärkt im sozialen Wohnungsbau engagieren müsse. "Wir haben sozial-schwache Mieter in unserem Bestand. Es wird immer schwieriger, ihnen bezahlbare Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Wir versuchen, uns um diese Sorgen zu kümmern. Aber wir können nicht alle Probleme lösen", schränkte Kamm zu hohe Erwartungen ein. Es gebe intensive Planungen, um der Stadt bei der Beschaffung von Wohnraum für Einkommensschwache und Asylbewerbern ("absolute Brennpunkte") zu helfen.

Die SGW hat geeignete Grundstücke. Kredite gibt es noch billig. Auch Gelder aus dem Wohnungspakt Bayern warten darauf, abgerufen zu werden. Doch damit ist noch nicht alles eitel Sonnenschein. Die gut gemeinte Energieeinsparverordnung erweise sich weiter als starker Preistreiber. Und zwar in einer Situation, in der die Baupreise aufgrund der guten Auftragslage der Bauunternehmen eh schon kräftig steigen. "Eine Ende ist für uns aktuell nicht erkennbar."

Dem Markt folgen

Höhere Preise, die auch auf die Sanierung durchschlagen, haben zwangsweise höhere Kaltmieten ausgelöst. Insbesondere bei Gebrauchtimmobilien seien die höchsten Steigerungen feststellbar. "Das Angebot kann die Nachfrage nicht decken." Selbst im sozialen Wohnungsbau werden bereits Neubau-Mieten von 6 bis 7 Euro pro Quadratmeter als Zielgröße genannt. Das sei um die Hälfte über den Mietgrenzen, die in Weiden einem Hartz-IV-Empfänger zugestanden werden.

Die SGW versuche, die Mietpreisentwicklung zu dämpfen und zu stabilisieren. Dennoch müsse auch sie dem Markt folgen. So lag die Durchschnittsmiete im Jahr 2015 noch bei 4,19 Euro pro Quadratmeter. Ende 2016 waren 4,30 Euro pro Quadratmeter erreicht. Sie werde im August bei 4,44 Euro pro Quadratmeter ankommen. Wie sehr die vergleichsweise günstigen SGW-Wohnungen gefragt seien, zeige, dass die Leerstandsquote seit zwei Jahren bei gerade 1,5 Prozent liege. Die freien Wohnungen würden für Sanierungsmaßnahmen genutzt.

Tochter WGS noch stärker

Das überaus erfolgreiche Projekt "Neue Mitte Hammerweg" mit einem Investitionsvolumen von 9 Millionen Euro zeige einen neuen Weg, nämlich hin zu einer verstärkten Bauträgertätigkeit. Dort errichtet die SGW Stadtbau neben 13 Mietwohnungen auch 2 Gewerbeeinheiten sowie 17 Eigentumswohnungen.

In diesem Bereich ist die SGW-Tochter WGS, die mit einem Stammkapital von 3 Millionen Euro in den vergangenen beiden Jahren 10 Millionen Euro investierte (Erwerb und Sanierung der Allee-Tiefgarage, des Parkdecks Naabwiesen und des EAW-Verwaltungsgebäudes) bereits unterwegs. Die WGS engagiert sich davor im Bereich Stadtentwicklung (u.a. Bau und Betrieb des Weidener Technologiecampus oder Kauf des "Steigerwald-Forstes als Ausgleich für die Waldflächen für Weiden West IV). Die Gesellschafter beschlossen einstimmig eine Eigenkapital-Erhöhung um bis zu 750 000 Euro, die die SGW Stadtbau als "Mutter" einschießt.

SGW Stadtbau in Zahlen

Die SGW Stadtbau besitzt rund 250 Häuser mit 1751 Wohnungen. Der Verkauf des Streubesitzes ist abgeschlossen. Die Stadtbau verwaltet zudem inzwischen 1661 Eigentumswohnungen. Aus der Bewirtschaftung ihrer Immobilien erwirtschaftete sie 7,5 Millionen Euro.

Die Bilanzsumme stieg 2016 leicht um 600 000 Euro auf 52,4 Millionen Euro, das Eigenkapital von 25,5 auf 26,7 Millionen Euro, berichtete Geschäftsführer Günther Kamm. Die Eigenkapitalquote liegt mit 50,9 Prozent deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Nur 8,1 Prozent der Mieten müsse die SGW für Zinsen, nur noch 20,79 Prozent für den Kapitaldienst ausgeben.

Wirtschaftsprüfer Hans Maier, Verbandsdirektor des VdW Bayern, erteilte dem Jahresabschluss und Lagebericht für das Jahr 2016 den "uneingeschränkten Bestätigungsvermerk". Der Jahresüberschuss in Höhe von 1,2 Millionen Euro wird in die Rücklagen eingestellt. (wd)

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